Mehrere Kollegen rund um den Redakteur der Heilbronner Stimme, Daniel Stahl, wollen das Dickicht der NSU-Aufklärung lichten. Wir unterstützen ihn. Das Projekt ist super.

Seit einigen Tagen versuchen Kollegen der Heilbronner Stimme und der Ruhrbarone rund um Daniel Stahl und Sebastian Weiermann ein großes Projekt auf die Beine zu stellen. Sie wollen die unübersichtliche Aufklärung über den Terror des rechtsradikalen Nationalsozialistischen Untergrundes „NSU“ im Bund, in den Bundesländern, bei den Gerichten zusammenführen, vereinfachen, nachvollziehbar machen. Sie nennen das Projekt „Akte NSU“. Das besondere dabei: die Kollegen wollen keine Infos weglassen, sondern sie so sortieren, dass jeder in Deutschland die ganzen komplexen Zusammenhänge in genau der Detailschärfe verstehen kann, die ihn interessiert – vom Experten, bis zum einfachen Bürger.

Bis heute hat kein Medium in Deutschland diese Aufgabe gemeistert. Der Grund dafür ist in meinen Augen offensichtlich: jedes Medium in Deutschland stößt bei diesem Projekt an Grenzen, wenn es die Aufgabe alleine bewältigen will.

  • Weil die klassischen Medien räumlich beschränkt sind, und nur lokal, regional oder national recherchieren,
  • weil sie keinen ausreichenden Zugang haben zu den Datensätzen, Akten und Informanten,
  • weil sie keine ausreichenden Kompetenzen haben in der Datenverarbeitung und Datenvisualisierung,
  • weil sie keine Budgets haben für die Umsetzung ebenso komplizierter wie spröder Projekte.

Tatsächlich kann die Aufgabe nur mit einem neuen, kooperativen Ansatz bewältigt werden. Engagierte Reporter aus Lokalzeitungen, aus regionalen Blogs tun sich zusammen mit bundesweit operierenden Organisationen. Datenexperten arbeiten zusammen mit Aktenbeschaffern. Infos aus blutleeren Dokumenten werden vor Ort kombiniert mit den Geschichten, die die Menschen zu erzählen haben. Und am Ende profitieren alle. Jeder Teilnehmer bekommt Geschichten für sein Medium, für seine Zeitung, seinen Blog, sein Magazin. Die Leser und Nutzer bekommen den lange vermissten Durchblick in einem der wichtigsten Themen der heutigen Zeit. Und alle zusammen bekommen eine der besten Visualisierungen, die im Rahmen der Aufklärung möglich ist.

Selbst die Finanzen sind geklärt. Weil kein Medium alleine in der Lage ist, das ganze Vorhaben zu stemmen, werden die Bürger gefragt, ob sie nicht helfen wollen, die Aufklärung zu bezahlen. Nicht einer muss alles tragen, sondern viele tun sich zusammen, um gemeinsam mehr zu erreichen.

Damit zeigt dieses Beispiel ziemlich genau, was gemeinnütziger Journalismus kann. Er kann über sich selbst hinauswachsen, weil Kooperationen Egoismen ablösen. Er kann Lücken füllen, die sonst brach liegen würden. Er kann Grenzen sprengen.

Die Idee zündet. Schon jetzt, wenige Tagen nach dem Start des Crowdfundings sind 38 Prozent der ersten Finanzierungsstufe geschafft. Weil sich normale Leute entschließen, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Die Crowd hilft.

Wir sind froh, dass wir uns an diesem Projekt beteiligen können. Und wir rufen alle auf, dieses Vorhaben zu unterstützen.

Wenn wir zusammenstehen, kann es ein großartiger Erfolg werden.

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