Die Angriffe auf CORRECTIV nehmen derzeit massiv zu. Nicht alle Attacken sind offen und fair. Kampagnenartig wird versucht, unsere Arbeit zu stören.

Als wir unser Projekt CORRECTIV vor drei Jahren starteten, haben wir eine Stellenanzeige veröffentlicht. Wir haben Mitarbeiter gesucht, die hart im Nehmen sind: „Unser Kandidat weiß genau, dass die Aufgabe verdammt hart und frustrierend ist; dass es hier um einen Job geht, in dem man kiloweise Papier wälzt und nächtelang Datenbanken von Hand füttert; in dem man Dokumente in aufwendigen Verfahren beschafft, während andere das Zeug von Pressestellen geschenkt bekommen. Unser Kandidat weiß, dass man am Ende von Niemandem gelobt, dafür aber von gut bezahlten Rechtsanwälten bedroht wird.“

Tatsächlich sieht der Alltag bei uns in etwa so aus. Nur mit dem Lob ist es anders gekommen. Wir haben einige Preise gewonnen und freuen uns sehr über diese Anerkennung. Aber die Arbeit  ist tatsächlich anstrengend und hart. Und oft werden wir juristisch angegriffen. Damit können wir umgehen. Das kennen wir.

Doch nun häufen sich Angriffe und Diffamierungen, die nichts mit dem zu tun haben, was wir bislang als normale Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft kannten.

Tichys Verschwörungstheorien

Wir legen Wert auf Transparenz. Und das wird auch so bleiben. Alle Einnahmen über 1000 Euro legen wir offen. Damit wollen wir jeder Leserin, jedem Leser ermöglichen, mögliche Interessenkonflikte bei uns zu erkennen und selbst zu bewerten, ob wir unabhängig arbeiten. Diese Transparenz ist auch für uns ein Regulativ. Wir wollen nicht und wir werden nicht in falsche Abhängigkeiten geraten.

Nun wird diese Transparenz gegen uns gewendet, indem Zusammenhänge hergestellt werden, die es nicht gibt. Ein Beispiel: Der ehemalige Journalist Roland Tichy pickt sich aus unserer Transparenzliste eine Zahlung der Deutschen Bank heraus und behauptet, wir hätten dieses Geld bekommen, WEIL wir zu der Situation der Sparkassen in Deutschland recherchiert hätten. Der Subtext zwischen den Zeilen: Die Zuwendung sei eine Art Schmiergeld der Deutschen Bank, um die Konkurrenz durch die Sparkassen zu schwächen.

Tichys Behauptung ist aus der Luft gegriffen.

Tatsächlich haben wir schon im August 2014, als eines unserer ersten Projekte, eine umfassende Recherche zur Lage der Sparkassen angestoßen. Denn die Banken sind ein zentrales Thema für Deutschlands Kommunen. Wir haben zwei Jahre lang, gemeinsam mit Dutzenden Bürgern, an der Aufarbeitung der Sparkassenbilanzen und deren Risikobewertungen gearbeitet – und regelmäßig zu dem Thema veröffentlicht. Und haben erst Anfang 2016 die Deutsche Bank als finanziellen Förderer für unsere Bildungsarbeit gewonnen. Für unsere virtuelle Akademie, aus der jetzt die Reporter-Fabrik hervorgegangen ist.

Das alles haben wir öffentlich gemacht. Und jetzt kommt Roland Tichy daher und tut so, als wäre diese Zahlung der Deutschen Bank im Jahr 2016 für ein Bildungsprojekt der Grund, warum wir zwei Jahre zuvor eine Sparkassen-Recherche begonnen haben.

Es ist offensichtlicher Unfug. Dennoch wird er von Anhängern der neuen Rechten begierig aufgegriffen, um einen Shitstorm gegen uns in den sozialen Medien zu befeuern.

Propagandamaschinen schlagen zu

Wir haben zum Abschuss von Flug MH17 durch russische Offiziere recherchiert. Wir haben zu Putins Vergangenheit in Dresden, zu Korruption und Stasi-Kumpanen mit russischen Verbindungen geschrieben.

Kein Wunder also, dass die russische Propagandamaschine Russia Today uns seit langem angreift. Unsere Transparenzberichte werden benutzt als Beweise, dass wir dubiose Zahlungen von geheimnisvollen Geldgebern bekommen würden. Unser Chefredakteur Markus Grill und ich, wir werden persönlich als Strippenzieher und Werkzeuge in den Händen düsterer Kräfte beschrieben. Und nun greifen vor allem rechte Hetzer Menschen in den sozialen Netzwerken an, die sich dazu bekennen, uns mit kleinen Spenden zu unterstützen. Wer bei Twitter schreibt, dass er Mitglied von CORRECTIV ist, muss damit rechnen, vom Mob beschimpft zu werden.

Die Situation eskaliert in den vergangenen Wochen weiter. Seit wir #ÖZGÜRÜZ mit Can Dündar publizieren, greifen uns türkische Extremisten an. In der Zeitung Sabah wurde ein Foto veröffentlicht, in dem ich mit einem roten Kreis markiert werde. Als angeblicher Agent, der Terroristen unterstützt.

Sabah

Der Agent David Schraven

Screenshot

Unsere Redaktion steht unter polizeilichem Objektschutz. Personenschützer gehen bei uns ein uns aus. Und das in Deutschland. Wie weit sind wir gekommen?

Wir wissen, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird: Wir veröffentlichen in wenigen Wochen eine umfangreiche Recherche zur Mafia in Deutschland. Wir arbeiten zu Querelen in hohen politischen Ämtern Deutschlands und werden über Machtmissbrauch und Schmiergeldskandale berichten. Wir produzieren derzeit ein Buch zur AfD und ihren Einfluss auf die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und die anstehenden Bundestagswahlen. Wir wollen Fake News offenlegen.

Wir sind gewappnet.

Einmischung von SPD-Funktionären

Besonders die Wahlen machen offenbar Menschen nervös. Mein Freund Martin Kaysh, mit dem ich den wöchentlichen Podcast „Wir und Heute“ für unsere Regionalausgabe Ruhr mache, berichtete mir, dass er von sehr hohen SPD-Funktionären angesprochen worden wäre, wonach wir von CORRECTIV doch nur als Kreatur geschaffen worden seien, um die SPD in NRW anzugreifen. Absurder geht es kaum. Martin wurde aufgefordert, die Zusammenarbeit mit mir einzustellen.

Offenbar gibt es viele Gründe uns aus vielen Richtungen anzugreifen.

Wir können viel aushalten. Diese Art der Attacken machen uns wenig.

Aber bedenklich wird es, wenn Hetzer versuchen, Menschen und Stiftungen anzugreifen, die wir in unseren Transparenzberichten genannt haben, damit diese Einfluss auf unsere Berichterstattung nehmen.

Mittlerweile wurden fast alle unserer Förderer direkt angeschrieben und angegriffen.

Einflussnahme auf Förderer

Ich möchte hier ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit nennen, weil es unsere Initialförderin, die Brost-Stiftung betrifft. Die Stiftung, die uns erst möglich gemacht hat.

Wir haben eine Serie zu den Medien der Neuen Rechten gestartet. Darin haben wir in einem Absatz auch über die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ geschrieben. Deren Rolle im Umfeld der Rechten könne man auch beleuchten.

Daraufhin hat sich der Herausgeber der Deutschen Wirtschafts-Nachrichten, Michael Maier, an die Brost-Stiftung gewandt und kaum verholen mit Diffamierung gedroht, sollte der 2. Vorsitzende der Brost-Stiftung, Bodo Hombach, nicht auf uns Druck ausüben, unsere Einschätzung betreffend der „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ zu ändern.

Drohung gegen Hombach

Zitat Michael Maier: „Ich bitte Sie, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Diffamierung umgehend gelöscht wird.“ Mit Diffamierung meint Maier hier, dass wir von CORRECTIV seine „Wirtschafts Nachrichten“ den Medien zurechnen, aus denen sich die Neue Rechte bedient.

Nachdem sich Hombach weigerte, auf uns Einfluss auszuüben, schrieb dann Michael Maier dies: „Sie haben selbst ja bei unserem Treffen (ich war damals STERN-Chefredakteur) vor vielen Jahren in Ihrem Haus in Mühlheim darauf hingewiesen, wie verheerend es sein kann, wenn man Opfer einer Diffamierung ist.“

Um die Drohung zu verstehen, muss ich ein wenig ausholen. Als Michael Maier für wenige Monate Chefredakteur des „Stern“ war, trieben Redakteure unter seiner Anführung eine Berichterstattung gegen Bodo Hombach voran, die mit Hilfe von Verleumdungen rund um dessen Haus in Mülheim operierte. Bei dem Bau des Heimes soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Konzern VEBA habe das Haus Hombachs teilweise bezahlt.

Nichts dran an Vorwürfen

Diese Vorwürfe wurden alle zurückgewiesen – zuletzt vom Bundesgerichtshof. Sie waren aus der Luft gegriffen. Lügen. Hans Leyendecker hat in der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Etwas bleibt immer“ über die perfide Art geschrieben, „wozu angeblich investigativer Journalismus auch führen kann“. Falsche Vorwürfe seien wiederholt und verbreitet worden. Unterstellungen statt Fakten. Leider ist der Artikel von Leyendecker nicht frei im Netz verfügbar. Aber nicht nur Leyendecker sah das so. Auch der „Spiegel“ berichtete damals: „Hausbauer mit reiner Weste

Damit sollten diese Vorwürfe beerdigt sein, die unter der Chefredaktion von Michael Maier beim „Stern“ verbreiten wurden – oder?

Mitnichten. Wenige Tage nachdem Hombach ablehnte, auf CORRECTIV Einfluss auszuüben und mich über die Schriften von Michael Maier an die Brost-Stiftung informierte, veröffentlichte der „Spiegel“ eine Geschichte, in der es auch um den alten Hausbau von Bodo Hombach ging. Unter den Autoren: ein ehemaliger „Stern“-Kollege von Michael Maier. Die Autoren wiederholten etliche Vorwürfe, vergaßen dabei aber zu erwähnen, dass die alten Vorwürfe komplett vom Bundesgerichtshof widerlegt waren.

An den Haaren herbei gezogen

Stattdessen spannen die Autoren noch feineres Garn. Sie redeten davon, dass die Brost-Stiftung ein Haus vom Insolvenz-Verwalter eines Hombach-Buddy gekauft habe – obwohl dies den „gemeinnützigen und mildtätigen“ Zwecken der Stiftung widerspricht. Dabei vergaßen die Autoren zu erwähnen, dass die Brost-Stiftung, wie jede Stiftung in Deutschland, viel Geld in Immobilien stecken muss, um ihr Vermögen zu erhalten. Erst aus den Einnahmen der Immobilien selbst werden dann die „gemeinnützigen und mildtätigen“ Zwecke bezahlt. Insgesamt hat die Brost-Stiftung über 160 Millionen Euro in Immobilien gesteckt. Ein an den Haaren herbeigezogener Vorwurf.

Wer mit der aktuellen Berichterstattung Hombach schaden will, ist nicht klar. Er hat viele Feinde. Mich erschreckt an dieser Stelle die Art und Weise der üblen Nachrede. Ist das die Art der Auseinandersetzung, die wir uns wünschen?

Die Verquickung der Vorwürfe gegen die Brost-Stiftung und Bodo Hombach mit der ausdrücklichen Aufforderung der aktiven Einflussnahme eines der wichtigsten Geldgeber auf CORRECTIV kann uns nicht kalt lassen.

Mittlerweile werden sogar die Mitglieder unseres Ethikrates – den wir auf unserer Internetseite öffentlich darstellen – in einer konzertierten Aktion angegriffen. Immer wieder aus allen möglichen Richtungen.

Wir sind 2000

Das Ziel ist immer gleich: Menschen, die uns unterstützen, sollen unter Druck gesetzt werden, sie sollen unsere Arbeit beeinflussen oder behindern. Am Ende aber sollen sie die Lust verlieren, mit uns in Verbindung gebracht werden.

CORRECTIV soll isoliert werden. Aber das wird nicht klappen.

Mittlerweile unterstützen uns fast 2000 Menschen. Etliche Stiftungen helfen uns beim Aufbau unserer Strukturen.

Wie gesagt: Wir können viel aushalten. Wir werden weiter kiloweise Papier wälzen und weiter nächtelang Datenbanken von Hand füttern. Das ist unser Job. Wir werden ihm unbeirrt nachgehen. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen.