Dies ist eine Ankündigung für eine Recherche, die wir am 31.08. veröffentlichen. Die ganze Recherche ist inzwischen hier veröffentlicht.

Die renommierte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen hat eine Machbarkeitsstudie für die umstrittene Panzerfabrik in der Türkei erstellt, die dort auch dank deutscher Beteiligung entstehen soll. Nach Recherchen des „stern“, des Recherchezentrums CORRECTIV und der türkischen Exilredaktion Özgürüz sieht die Studie für den Standort in Karasu östlich von Istanbul auf einer Fläche von 222 Hektar sowohl den Bau von Bussen und Motoren, wie auch von Kampfpanzern vor. Der vorgesehene Bauherr des Werkes ist die türkische Firma BMC, die mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall seit 2016 über ein Joint Venture zum Bau gepanzerter Fahrzeuge verbunden ist.

Wie ein Sprecher der RWTH auf Anfrage bestätigte, arbeitete ihr Werkzeugmaschinenlabor von Mai bis September 2016 an einer Machbarkeitsstudie für das Werk in der Türkei. Der Auftrag sei von einer deutschen Vermittlungsfirma gekommen, nicht von Rheinmetall. Es sei zunächst auftragsgemäß auch nur um „Spezialfahrzeuge“ gegangen. Erst später hätten sich Vertreter der türkischen Firma BMC gemeldet. Nachdem nun auch vom Bau von Panzern die Rede gewesen sei, habe man den Auftrag „frühzeitig mit einer eingeschränkten Präsentation der Ergebnisse beendet”, sagte der Sprecher. Es sei „ein Fehler“ gewesen, dass man die Studie erstellt habe, räumte er ein. Laut der RWTH-Studie ist für Karasu eine Werkshalle zum Bau von Kampfpanzern vorgesehen, daneben Hallen für zwei weitere Typen gepanzerter Fahrzeuge. 1150 Stück der Produkte aus dem Geschäftsfeld „Defense” sollen – so die Studie - künftig jedes Jahr das Werksgelände verlassen.

Rheinmetall erklärte auf Anfrage des stern, Rheinmetall habe für Karasu „keine Werksplanungen entwickelt oder entwickeln lassen“. Nach internen Firmenunterlagen, die dem „stern” und CORRECTIV vorliegen, wollte Rheinmetall den türkischen Partnern für die Fabrik jedoch zeitweise sogar eine „schlüsselfertige“ Lösung anbieten und dafür auch eine Partnerschaft mit den zwei deutschen Planungsfirmen Obermeyer und Edag bilden. Diese Partnerschaft kam nach den gemeinsamen Recherchen von „stern“ und CORRECTIV jedoch nicht zustande. Bei dem Ingenieurdienstleister Edag hat man bereits 2016 beschlossen, sich von militärischen Projekten in der Türkei fernzuhalten.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir übte jetzt harte Kritik an dem Vorhaben: „Der Umgang mit Rheinmetalls Türkei-Plänen ist ein Paradebeispiel für die Doppelzüngigkeit der Bundesregierung”, sagte Özdemir dem stern. Während Außenminister Sigmar Gabriel „lautstark ein Ende der Rüstungsexporte in die Türkei“ fordere, schauten er und seine Koalition bei dem Rheinmetall-Vorhaben „stillschweigend zu“. Die Große Koalition habe hier „versagt“, fügte Özdemir hinzu: „Würde es die Bundesregierung mit ihrer Kurskorrektur in der Türkeipolitik ernst meinen, würde sie dafür sorgen, dass diese Panzerfabrik nicht gebaut werden kann.“

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