Ein 230-Seiten starkes Magazin im Hardcover – kurz Bookzine. In dem Format veröffentlicht CORRECTIV seine besten Recherchen für Mitglieder und Interessierte auf Papier. Die kommende Ausgabe zum Oberthema Mensch erscheint Ende April. Dieses Mal mit einem besonderen Dreh: Entstanden ist es mit jungen Design-Studenten aus Hamburg.

CORRECTIV steht für gemeinnützigen Journalismus, für aufwendige Investigativ-Recherchen, für eine Möglichkeit, die Lücken unseres krankenden Mediensystems zu füllen. Aus unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit erwachsen aber nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Verpflichtungen.

CORRECTIV muss seine Spielfläche jenseits der Auflagenzwänge und Verlagsinteressen nutzen, um den Journalismus weiter zu entwickeln. Wir müssen experimentieren und neue Stimmen für journalistische Inhalte finden, um mehr Menschen zu erreichen – lautere, gefühlvollere, intensivere Stimmen.

Das machen wir auf vielen Feldern. Im kommenden Bookzine veröffentlichen wir die originale Spielfassung der „Schwarzen Flotte”, eines Theaterstücks, das Kay Voges auf der Bühne des Schauspielhauses Dortmund inszeniert hat. Für die Inszenierung hat die Autorin Anne-Kathrin Schulz eine sechsmonatige CORRECTIV-Recherche zu den Schlepperbanden des Mittelmeeres in Form eines – wie wir finden –begnadet geschriebenen Monologes für ein ganz neues Publikum aufbereitet.

Fünf Minuten Gespräch

Der Zuschauer folgt dem Reporter bei seiner Suche nach der Wahrheit. Und genau darauf kommt es letztendlich an. Journalismus als Theaterstück. Als Comic. Als Festival. Als Rock'n'Roll. Oder eben als Bookzine.

Die Gestaltung des neuen Bookzines ist mit Studenten entstanden, mit jungen kreativen Menschen des Designfachbereiches der HAW, einer öffentlichen Fachhochschule im roten Klinkerbau eines ehemaligen Geburtenkrankenhauses in Hamburg. Für kleinere Illustrierungen arbeiteten wir bereits im vergangenen Jahr mit HAW-Studenten zusammen. Im Sommer 2017 dann habe ich Prof. Reinhard Schulz-Schaeffer angerufen, den Fachgruppenleiter Design. Ich erzählte ihm von der Idee, das kommende Bookzine zusammen mit seinen Studenten zu erarbeiten.

Nach nicht einmal fünf Minuten Gespräch – und etwa drei Wochen vor Semesterende – sagte er uns für das folgende Semester einen kompletten Kurs zu. Eine klare, schnelle Entscheidung. Und dann machen. Das war der erste Schritt unserer Zusammenarbeit und letzten Endes der rote Faden, der sich durch die vergangenen Monate zog.

Eine engere Verknüpfung

Das kommende Bookzine fasst die Semesterarbeiten von rund zwei Dutzend Studenten, die wir redaktionell begleitet haben, mit denen wir Ideen entwickelt und neue Wege bestritten haben. Wir haben eine engere Verknüpfung zwischen Journalismus und Visualisierung gesucht. Wir haben Illustratoren nicht einfach mit Grafiken beauftragt, sondern mit ihnen gemeinsam Geschichten erdacht. Die Inhalte dieses Bookzine basieren auf CORRECTIV-Recherchen, entstanden sind so aber völlig neue Geschichten.

Der Fall der gepanschten Krebsmittel aus der Alten Apotheke in Bottrop wird in Schrift und Bild erzählt, ein persönlicher Aspekt unserer Recherche zu den steigenden Meeresspiegeln aufgegriffen und unsere Serie zum Leben in deutschen Gefängnissen als Grundlage für eine 20-seitige Grafische Reportage genutzt. Ganze Themenschwerpunkte wie zum Beispiel zu Nitratbelastungen oder Minijobs werden allein in Grafikstrecken erzählt.

Die Studenten sind mit anderen Augen an die Themen gegangen, mit Unbefangenheit, eigenen Blickwinkeln und Denkansätzen. Ein Potenzial, das in vielen Redaktionen nicht erkannt oder genutzt wird. Das Ergebnis sind Synergien und Symbiosen. Wir haben viel gelernt. Ebenso die Studierenden. Und am Ende stehen weit mehr als journalistische Inhalte und Illustrationen allein.

Gemeinsam geschafft

Es sind grafische Erzählungen geworden – basierend auf Daten oder Schicksalen. Und damit haben wir uns auch in unserem Oberthema gefunden: Mensch. Denn Mensch zu sein, bedeutet weit mehr als nur Körper und Geist – wie die beiden großen Kapitel der kommenden Ausgabe heißen. Am Ende kommt es auf die Einheit an. Das ist wichtig zu begreifen. Und das haben wir gemeinsam mit den Studenten der HAW geschafft.

Ich freue mich sehr darauf die kommende Ausgabe in Händen zu halten und danke allen Studenten für ihre großartigen Arbeiten und ihr Engagement. Besonders danke ich Reinhard, der das gezeigt hat, was ich unter den Akademikern meines Studiums immer vermisst habe: Biss.

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