Soll über die Schwächen des Ruhrgebiets berichtet werden, wird meist Marxloh als Beispiel gewählt. Der Duisburger Ortsteil ist das städtische Schreckgespenst der Region: hohe Armut, hoher Ausländeranteil und vor allem hohe Kriminalität. Das mediale Sinnbild für Parallelgesellschaften, No-Go-Areas und rechtsfreien Raum. Eine andere Sicht auf Marxloh vertritt Franz Voll. Der 61-jährige Journalist hat dort ein halbes Jahr gelebt. Und über seine Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Für den letzten medialen Aufschrei hat Duisburg-Marxloh gesorgt, als ein interner Bericht der städtischen Polizei bekannt wurde. Landesbeamten sollten demnach die überforderten Streifen unterstützen. Am gefährlichsten sei der Stadtteil um kurz nach Mitternacht. Meldungen, die ins Bild passen. Mal wieder.

Franz Voll will das alles gar nicht bestreiten. „Natürlich haben wir diese Probleme“, sagt er. „Doch die Kriminalität springt einen nicht stündlich an. Man vergisst zu sehr das normale Leben.“ Marxloh hat viele Facetten, viel Leben und viel Herzlichkeit. So hat es Voll im vergangenen Jahr erfahren. Für das Buchprojekt „Inside Duisburg Marxloh“ ist der 61-jährige Journalist für sechs Monate von der Ostsee-Insel Usedom nach Duisburg gezogen.

„Erleben muss man es“, sagt Voll. „Weil es sich anders lebt, als man in den Nachrichten liest.“ Der Investigativ-Journalist, der auch immer wieder mit Günther Wallraff zusammengearbeitet hat, kritisiert die Oberflächlichkeit vieler Medien. Es werde berichtet, was man sehen wolle. Genau deswegen wollte er Teil von Marxloh werden. 

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