Die Probleme für die SPD verschärfen sich zu Jahresbeginn. Nach einer Umfrage des Nachrichtenportals Spiegel-Online und des Meinungsforschungsinstitutes Civey liegt die AfD in der besonders wichtigen Altersgruppe der 50 bis 64-jährigen Wähler vor der SPD.

Die Zahlen der Spiegel-Online/Civey-Umfrage sprechen für sich: 16,1 Prozent der befragten Menschen in dieser Altersgruppe würden SPD wählen, wenn jetzt Bundestagswahlen wären: Und 18,2 Prozent die AfD. In der Altersgruppe der 40 bis 49-Jährigen kann sich die SPD nur noch knapp gegen die AfD behaupten: Die Sozialdemokraten liegen mit 16,5 Prozent nur noch gut einen Prozentpunkt vor den Rechtspopulisten, die 15,3 Prozent wählen würden.

Umfrage

Ergebnis der SPON/Civey-Umfrage

Die übrigen Ergebnisse der Umfrage sind wenig überraschend. Die Grünen sind nach wie vor bei jüngeren Wählergruppen stark, wie auch die SPD. Die CDU ist über alle Altersgruppen hinweg die stärkste Partei. Sie kommt auf 36,1 Prozent, gefolgt von SPD mit 20,5 Prozent. Die AfD kommt auf insgesamt 13,3 Prozent, die Grünen auf 9,9 Prozent, die Linken auf 9,4 Prozent und die FDP auf 6,4 Prozent. 

Die Ergebnisse der Umfrage sind, wie immer, mit großer Vorsicht zu lesen. Die statistische Fehlertoleranz ist verhältnismäßig groß. Zudem darf man vermuten, dass viele Menschen ihre Präferenz für Rechtspopulisten nicht offen bekennen. Feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also schlicht wenig aussagekräftig.

Für die SPD ist das schlechte Abschneiden in der großen und wichtigen Wählergruppe der 40 bis 64-Jährigen trotzdem ein sehr schlechtes Signal. Die Terrordebatte nach dem Anschlag von Berlin nutzt offenbar der Union. Das miserable Auftreten von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) schadet der SPD offenbar nicht nur in NRW, sondern bundesweit.

Im Vergleich zur Dezember-Umfrage von Spiegel Online und Civey haben CDU und CSU fast zwei Prozentpunkte dazugewonnen, die SPD hat knapp einen Prozentpunkt verloren. Linke und Grüne können offenbar kein Vertrauen aufbauen und rutschen unter die Zehn-Prozent-Marke. Kaum Bewegung gibt es bei FDP und AfD.

Regionale Effekte wurden dabei in der Umfrage des Spiegel nicht ausdrücklich berücksichtigt. Sollte die SPD tatsächlich so schlecht bei den 40 bis 64-Jährigen stehen, wäre das für die Partei bei den Wahlen in NRW verheerend. Hier sind die Skandale rund um Innenminister Ralf Jäger und die Entwicklungsprobleme der Landesregierung besonders wirkmächtig. In fast allen relevanten Statistiken – von der Bildungspolitik, über die Arbeitslosenzahlen bis zu den Staus – liegt NRW auf einem der letzten Plätze im Bundesvergleich.

Vor allem im Ruhrgebiet hat die SPD viele Wähler in der relevanten Altersklasse, die ihr von der Fahne gehen könnten. Selbst wenn die Wählerquote der SPD hier immer noch erheblich über dem Bundesschnitt liegen dürfte, jeder Verlust in der einstigen Hochburg der Sozialdemokraten wäre kaum heilbar.

Das Problem der SPD ist in einem weiteren Punkt sichtbar. In keiner Altersgruppe sind die Sozialdemokraten noch stärkste Partei. Die Union liegt immer vor ihr. Und bei den 50 bis 64-jährigen kommt sie nur noch auf Platz drei. Die AfD liegt auf Platz zwei.

Für das beginnende Wahljahr sind das keine guten Aussichten. Zwar hat SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärt, die AfD sei der Hauptgegner seiner Partei, aber wenn ihm nicht sehr schnell einfällt, wie er diesen politischen Gegner vor allem im Ruhrgebiet stoppen könnte, wird es für die SPD ein sehr bitteres Jahr.

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