Statt Wirtschaft als Schulfach einführen zu wollen, hätten FDP und CDU mal besser auf die Wirtschaft gehört, auf die Digitalwirtschaft. Ein Kommentar.

FDP-Frontmann Christian Lindner freut sich über den ersten Etappensieg in den Koalitionsverhandlungen von FDP und CDU in Düsseldorf. Das Schulfach Wirtschaft kommt und zwar an alle Schulen. Ich habe Erfahrungen damit. In Hessen konnte man in den 1980er Jahren Wirtschaft sogar als Leistungskurs belegen. Bei mir an der Schule war eine beliebte Kombination: Wirtschaft und Sport bzw. umgekehrt Sport und Wirtschaft. Das machten Schüler, die vor allem Schwimmer oder Handballer waren und die Wiwi wählten, weil es am leichtesten war.

Jetzt soll das Fach auch in NRW zum allgemeinen Schulfach werden. Weil, wie es die FDP formuliert, die Schüler keine Ahnung haben von „Miete, Steuern und Versicherungen. Aber Gedichte interpretieren (können). In vier Sprachen." In Zukunft sollen Schüler nach dem Ende der Schulzeit „wissen, was sie tun, wenn sie einen Mietvertrag oder einen Arbeitsvertrag abschließen“. Gründergeist und Unternehmertum in NRW sollen so angeregt werden. Ich halte das für großen Quatsch. Und für eine vergebene Chance.

Talente kann man nicht züchten

Im Winter war ich auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Düsseldorf. Eigentlich sollte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit IT-Unternehmern diskutieren, ließ sich aber vertreten vom Arbeitsminister. Und der durfte sich die Ausführungen des Digital-Unternehmers Christoph Erdmann anhören, dessen Firma das abhörsichere Kanzlerinnenhandy entwickelt hat. Erdmann zeigte sich liberal. Erfolgreiche digitale Unternehmen würden entstehen, weil es phantasievolle junge Leute gebe mit Ideen und nicht weil ein Staat es wolle. Talente könne man nicht züchten und sie würden auch ganz allein ihren Weg finden trotz aller Hemmnisse.

Was aber wirklich wichtig wäre für ein Bundesland wie NRW, wären gute schulische Grundlagen. Und in digitalen Zeiten wäre das eben unbedingt mehr Informatik, vielleicht sogar als Pflichtfach. In jedem Fall aber mit einem Curriculum, das nicht Anfang der 1980er stehen geblieben ist wie auch viele der Schulbücher, die weiterhin im Einsatz seien an den Schulen in NRW.

Eine logische Mahnung

Leider sprach der Unternehmer auf einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. An den neuen Koalitionären ist die so dringende wie logische Mahnung des IT-Mannes offenbar bisher vorbei gegangen. Und statt Informatik und die Sprache der digitalen Welt werden junge Menschen an der Schule eher lernen wie man Handyverträge abschließt als wie man Handys programmiert. Schade.  
 

 

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