Über 3700 Menschen. In sechs Bundesländern. Immer noch wissen viele von ihnen nicht, dass sie vermutlich gepanschte Krebsmedikamente aus der Alten Apotheke bekommen haben.

Die Folgen sind unerträglich in unseren Augen. Diesen Menschen wird die Chance genommen, sich erneut mit einem Arzt zu beraten; ihnen wird die Chance genommen, sich juristisch zu wehren.

Sie werden dumm gehalten.

Jeder betroffene Mensch hat in unseren Augen ein Recht auf die Information, ob er gepanschte Krebsmedikamente bekommen hat – und er muss sie bekommen. Wie er mit dem Wissen umgeht, ist seine eigene Entscheidung. Es liegt aber niemals im Ermessen einer Behörde, diese Information vorzuenthalten.

CORRECTIV veröffentlicht die Namen der Ärzte

Die Behörden im Land NRW und in der Stadt Bottrop wissen spätestens seit Februar diesen Jahres um das Ausmaß des Skandals: Der Alte Apotheker in Bottrop hatte über 60.000 Krebstherapien gepanscht, tausende Menschen in sechs Bundesländern sind betroffen. Doch die Behörden haben nicht die Betroffenen informiert. Sie haben die Ärzte angeschrieben und diese gebeten, die Patienten aufzuklären. Dies ist nach Recherchen von CORRECTIV jedoch nicht immer passiert. Wir haben mit allen Ärzten gesprochen und sie angefragt. Etliche gaben an, ihre Patienten aus unterschiedlichen Gründen nicht umfassend informiert zu haben. Einige sagten, sie seien überfordert; andere, sie hätten die Kapazitäten nicht; wieder andere sagten, die Behörden seien in der Pflicht.

Der Fall der Alten Apotheke: Ermittler gehen bundesweit von über 3700 Betroffenen aus, die möglicherweise mit gepanschten Krebsmedikamenten aus Bottrop behandelt worden sind. 37 Arztpraxen und Kliniken seien laut Staatsanwaltschaft in den vergangenen fünf Jahren von dem Bottroper Apotheker beliefert worden. Die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Es gab allerdings auch Abnehmer in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen und Niedersachsen. 

Bei einer Pressekonferenz am 10. Oktober 2017 hatten die Verantwortlichen der Bottroper Gesundheitsbehörde erklärt, dass jeder Patient über die Hotline eine Information bekommen könnte, ob er betroffen ist. Doch weiß von dieser Hotline außerhalb von Bottrop so gut wie kein Mensch. Die Stadt ist überfordert und das Land hat sich weggeduckt. Offen und transparent nach dem Namen der behandelnden Ärzte kann niemand suchen. Aber nur, wenn ein Betroffener erfährt, ob sein behandelnder Arzt möglicherweise gepanschte Medikamente bekommen hat, kann er sich mit diesem über weitere Schritte beraten. Die Ärzte haben in unseren Augen nicht das Recht, ihren Patienten bewusst diese Information vorzuenthalten.

Der frühere Richter am Bundesverwaltungsgericht, Dieter Deiseroth, hat dazu gesagt: „Die mangelhaften Kontrollen der Behörden haben dazu beigetragen, dass der Skandal entstehen konnte. Durch die mangelhafte Informationspolitik der Behörden werden nun die Patienten ein zweites Mal in ihrem Recht verletzt: in ihrem Recht, sich zu wehren und mögliche Ersatzansprüche geltend machen zu können.“

Da die Betroffenen auch nach Monaten noch nicht aktiv von den Behörden informiert wurden, haben wir uns entschlossen, den Patienten die Möglichkeit zu geben, zu überprüfen, ob ihr Arzt Krebsmedikamente aus der Alten Apotheke bezogen hat. Geben Sie in unserer Suchmaske die Postleitzahl ihres Arztes ein, um herauszufinden, ob auch er möglicherweise gepanscht Mittel bekommen hat. Die Liste der Ärzte ergibt sich aus unseren Recherchen und Konfrontationen. Es kann sein, dass weitere Praxen beliefert worden sind.

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