Der Richter plant weitere Verhandlungstage. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet von Unregelmäßigkeiten im Zyto-Labor. Die Nebenklage beantragt, Betroffene als Zeugen zu hören.

Am heutigen Verhandlungstag sind drei Zeugen geladen. Nur einer sagt am Ende aus. Eine Vernehmung wird verschoben, und eine Zeugin verweigert die Aussage. Nur wenige Journalisten und Zuschauer verfolgen den Prozess. CORRECTIV berichtet aus dem Gerichtssaal.

Welchen Eindruck macht Peter Stadtmann?

Peter Stadtmann verfolgt besonders die Aussagen seines ehemaligen Angestellten an diesem Tag interessiert. Am Nachmittag fragen seine Anwälte dann plötzlich nach Schmerzmitteln. Ihrem Mandanten gehe es nicht gut. Die Verhandlung wird für 15 Minuten unterbrochen. Danach scheint es Peter Stadtmann wieder besser zu gehen.

Welchen Eindruck machen die Betroffenen?

Der Richter gibt bekannt, dass drei weitere Nebenkläger zugelassen werden. Die Nebenklage stellt den Antrag, die Betroffenen als Zeugen zu hören.

Die wichtigsten Ereignisse des Tages:

  • Läuft der Prozess doch länger? Der Richter plant weitere Verhandlungstage. Er bittet die Anwälte, ihm mitzuteilen, wann sie in den Monaten März und April Termine haben. Am letzten Verhandlungstag hatte der Richter noch ein schnelles Ende des Prozess nahegelegt.

  • Angestellte verweigert die Aussage: Die Zeugin Sonja C. verweigert vor Gericht die Aussage. Der Richter hatte zuvor das umfassende Auskunftsverweigerungsrecht für die Mitarbeiter der Zyto-Abteilung durch einen Beschluss bestärkt. Der Richter begründet die Entscheidung damit, dass auch gegen zwei Mitarbeiterinnen ermittelt wird. Alle anderen Angestellten könnten sich deshalb durch eine Aussage selbst belasten, da sie ja auch dort arbeiteten. Wir haben über die Ausweitung der Ermittlungen berichtet. Die Aussage der Zeugin Sonja C. wäre besonders interessant gewesen. Ihr Exmann hatte Peter Stadtmann schon 2013 angezeigt. Wir haben über die Anzeige ohne Folgen berichtet.

  • Ehemaliger Angestellter sagt aus: Der zweite geladene Zeuge, Henrik M., ist Apotheker. Er arbeitete von Januar bis Juni 2012 in der Zyto-Abteilung der Alten Apotheke. Weil dieser Zeitraum schon mehr als fünf Jahre zurückliegt und etwaige Vergehen somit verjährt sind, kann der Zeuge die Aussage laut dem Richter nicht verweigern. Auf Nachfrage beschreibt der Zeuge mehrere Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Alten Apotheke. Henrik M. sagt, dass er gehört habe, dass Mitarbeiter darauf achteten, dass Krebsmedikamente fűr einen ihrer Angehörigen nicht von Peter Stadtmann hergestellt wurden. Außerdem sei ihm erzählt worden, dass es vor seiner Zeit eine Reklamation einer Arztpraxis wegen einer falsch hergestellten Zubereitung gegeben habe. Einmal habe er auch selbst eine Beobachtung gemacht, die ihm in Erinnerung blieb. Ihm sei aufgefallen, dass ein Wirkstoff nicht mehr in der Alten Apotheke vorrätig gewesen sei. Trotzdem habe Peter Stadtmann Zubereitungen mit dem Wirkstoff hergestellt. Darauf angesprochen, habe Stadtmann das mit einer zusätzlichen Lieferung erklärt. Auch generelle Mängel im alten Zyto-Labor beschreibt Henrik M.: „Das Labor bedurfte eines Umbaus." Es habe keine Personalschleuse und keine Materialschleuse gegeben. „Es gab eine hohe Intransparenz, da ich keinerlei Möglichkeiten hatte, nachzuvollziehen, wie viel monatlich bestellt, verbraucht und abgerechnet wurde.” Auch Ausnahmen vom vier Augen-Prinzip habe es gegeben. „Wenn man Krankheitsfälle hatte, musste man Abstriche machen. So dass man Sachen alleine vorbereiten musste", so der Zeuge. Außerdem spricht er von einem „Mangel an Datenintegrität” Die Etiketten der Zubereitungen seien nicht vom herstellenden Mitarbeiter unterschrieben gewesen. „Wenn auf dem Beutel keine Unterschrift ist, kann man nicht nachvollziehen, wer hergestellt hat”. Auf Nachfrage der Verteidigung, stellt Henrik M. aber klar, er habe nicht mitbekommen, dass Mitarbeiter unterdosiert hätten. Noch in der Probezeit habe er Ende Juni 2012 die Apotheke verlassen. Er habe sich eine leitende Position mit Einblick in alle Geschäftsbereiche erhofft. Weil sich das nicht erfüllte, habe er gekündigt.

  • Werden die Nebenkläger als Zeugen gehört? Die Nebenklage beantragt, die Betroffenen als Zeugen zu hören. Ein Strafverfahren, bei dem das Opfer nicht gehört werde, verletze die Aufklärungspflicht des Gerichts, so die Nebenklage.

  • Nebenklage beantragt Aussetzung der Verhandlung: Die Nebenklage beantragt eine Aussetzung des Verfahrens. Am letzten Prozesstag hatte sie Akteneinsicht in Grundbuchakten gewährt bekommen. Bisher konnten sie diese Akten jedoch noch nicht einsehen. Der Richter lehnt den Antrag ab. Um eine bessere Vorbereitung zu ermöglichen, wird die geplante Vernehmung des Finanzermittlers jedoch verlegt.

 

 

Ausblick auf den nächsten Verhandlungstag:

Der nächste Verhandlungstag ist am 08.02.2018. Dann sollen ein weiterer ehemaliger Angestellter der Alten Apotheke und ein Pharmavertreter vor Gericht als Zeugen aussagen. Die Verteidigung hatte behauptet, der Pharmavertreter Wilfried H. habe Peter Stadtmann schwarz Wirkstoffe verkauft. Der Pharmakonzern Hexal hat das dementiert. Wir haben ausführlich berichtet.

 

Die nächsten Verhandlungstage im Überblick (Beginn jeweils 09:30 Uhr): 08.02., 14.02., 16.02., 20.02., 22.02., 13.03.
 

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