Bereits vor Jahrtausenden haben Menschen ihren gesellschaftlichen Status mithilfe von Objekten und Symbolen markiert. Ob die Krone eines Königs oder der Ring des Bischofs: Viele Symbole aus der Vergangenheit kennen wir auch heute noch. Welche Statussymbole prägen die moderne Gesellschaft?

Ein Statussymbol ist meist ein wertvolles Objekt, das die Zugehörigkeit des Besitzers zu  einer (sozialen) Gruppe oder Schicht nahelegt. Je besser sich ein Objekt in der breiten Öffentlichkeit präsentieren lässt, desto mehr eignet es sich als Statussymbol. Unter diesem Gesichtspunkt sind Autos und Schmuck beliebtere Statussymbole als etwa ein Eigenheim. Seit einem Jahrzehnt dienen auch Smartphones als Statussymbol, da diese, wie Kleidung und Schmuck, jederzeit mitgeführt und präsentiert werden können. 62 Prozent der Deutschen sehen den mobilen Begleiter laut einer Intel-Umfrage als Statussymbol.

Ein Statussymbol muss aber nicht zwingend ein physischer Gegenstand sein. So können auch immaterielle Güter wie ein Adels- oder Doktortitel diese Funktion erfüllen.

Für unsere Webserie „Auf eine Shisha mit...“ haben wir Mehmet Mert getroffen und über Statussymbole geredet. Obwohl Mert gerade einmal Anfang 20 ist, fährt er einen 6er BMW. Wir wollten wissen, woher er das Geld hat und wen er beeindrucken möchte. 

„Statussymbole dienen oft der Stärkung des Selbstwertgefühls, wenn andere Referenzbezüge nicht ausreichen oder gar nicht vorhanden sind”, stellt Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZFTI) fest. “Unter den Türkeistämmigen, die aus der Arbeiterschicht nach mehreren Generationen – zumindest ökonomisch – in die Mitte der Gesellschaft aufsteigen und sich zunehmend mehr materielle Güter leisten können, wird durch den Erwerb von höherwertigen Gütern wie teure Autos, Handys oder auch Bekleidung demonstriert, dass man finanziell gut ausgestattet ist und sich vieles leisten kann.“

Das Bedürfnis der Statusdemonstration scheint bei Männern besonders verbreitet zu sein.

Im Arbeitsleben auch von Bedeutung

Auch eine Umfrage des Allensbach-Instituts deutet darauf hin, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Bedeutung von Statussymbolen gibt. 57 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass Männer ihrer Meinung nach ihre Selbstsicherheit aus Statussymbolen beziehen. Bei ihrem eigenen Geschlecht vermuteten dies lediglich 16 Prozent.

Die gleiche Umfrage ergab, dass 82 Prozent der Frauen glauben, Männer würden Selbstsicherheit durch Erfolg im Beruf sammeln. Folglich gibt es auch im Job oft das Bedürfnis, den eigenen Status nach außen zu demonstrieren. Laut dem „Firmenwagenmonitor 2017“ verfügen zwei von drei Berufstätigen ab einem Jahresgehalt von mehr als 150 000 Euro über ein von der Firma bezahltes Fahrzeug, ein Parkplatz direkt am Firmeneingang inklusive. Im Durchschnitt kostet das Auto 65 000 Euro. Entsprechende Kleidung und hochwertige Büroausstattung überzeugen schließlich die letzten Zweifler vom beruflichen Status.

Ein nicht nur im Beruf besonders beliebtes Statussymbol unter türkischen Männern: der Bart. Dieser ist für viele der Inbegriff der Männlichkeit. Genaue Zahlen der Bartträger gibt es nicht. Dass in den vergangenen Jahren allein in Istanbul hunderte Spezialkliniken entstanden, die Barttransplantationen anbieten, zeigt aber das Potential in diesem Bereich. Immerhin muss man hier etwa 1.500 Euro für einen neuen Bart investieren – ein lukratives Geschäftsmodell.

Das neue Statussymbol: Verzicht auf Statussymbole

Das steigende Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit und der damit einhergehende Wandel der Wertvorstellungen, wirkt sich auch auf die Bedeutung von Statussymbolen aus. Zwar ist das Auto weiterhin das beliebteste Verkehrsmittel, jedoch verliert es gerade in der jungen Generation immer mehr an Bedeutung.

55 Prozent der 18 bis 29-jährigen in Deutschland besitzen laut Statistik-Portal Statista ein eigenes Auto. Eine Befragung unter den Autofahrern, deren Fahrzeug maximal fünf Jahre alt ist ergab, dass in dieser Altersgruppe nur noch 10,6 Prozent das Auto als Statussymbol verstehen. „Das Auto wird nicht mehr primär als Objekt zur Statusinszenierung genutzt“, erklärt Mark Morrison vom Frankfurter Zukunftsinstitut. „Status wird heute über andere Dimensionen der Selbstinszenierung abgedeckt, etwa über das Ernährungsverhalten, sportliche Aktivitäten, Mode – also den Lebensstil.“

Die Einschätzung, dass materielle Statussymbole an Bedeutung verlieren,  wird von einer repräsentativen Studie der Strategieagentur Diffferent bestätigt. Demnach gaben 90 Prozent der Befragten an, dass ihnen „genügend Zeit für sich haben“ persönlich sehr erstrebenswert erscheint. Unter den zehn meistgenannten Statussymbolen befand sich mit „ein eigenes Haus besitzen“ lediglich ein materielles Gut. Wichtiger waren den Teilnehmern der Umfrage „ein unbefristeter Arbeitsvertrag“ und „körperlich fit sein“ - Gesundheit und ein sicherer Job statt Sportwagen und Goldkette.


Zum Download:

In unseren Handouts findest Du unsere Quellen, weitere Informationen und einen Leitfaden, mit dem Du auch einen Workshop zu dem Thema durchführen kannst. 

Unser Handout für Dich zum Thema Statussymbole (96,6 KB)


Unser Workshopvideo 

In unserem Workshop haben wir uns mit der unterschiedlichen Wahrnehmung von Statussymbolen auseinandergesetzt. Daraus ist dieses Video entstanden.

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