Correctiv
CORRECTIV unterstützen

Wir decken Missstände auf. Wir sind unabhängig und nicht gewinnorientiert.

Fragen und Antworten

Was häufig gefragt wird

Sie nennen sich CORRECTIV – was wollen Sie korrigieren?

Wir treten in drei unterschiedlichen Dimensionen als Korrektiv in Erscheinung:

  1. Durch unsere Recherchen wollen wir strukturelle Missstände und unethisches Verhalten öffentlich machen. Damit helfen wir der Gesellschaft, sich selbst zu helfen. Wir wollen den Menschen Informationen liefern, damit sie Veränderungen anstoßen und Fehlentwicklungen korrigieren können.
  2. Wir bieten Redaktionen – großen wie kleinen – durch unseren unabhängigen und gemeinnützigen Ansatz Zugang zu Geschichten, die sie selbst nur schwer realisieren könnten. Wir wollen so den investigativen Journalismus in Deutschland stärken und dabei helfen, Vielfalt und Qualität im Mediensystem zu bewahren.
  3. Wir bilden aus: wir wollen unsere Methoden an alle interessierten Bürger weitergeben und dabei helfen, Informationsrechte vor Ort durchzusetzen. Wir wollen die Bürger dabei unterstützen, die Gesellschaft transparenter zu machen, um die Teilhabe aller zu vergrößern.

Was unterscheidet Sie von anderen Redaktionen?

  1. Wir sind unabhängig: Wir müssen weder auf politische noch auf wirtschaftliche Interessen Rücksicht nehmen.
  2. Wir sind gemeinnützig: Wir sind nicht den Einzelnen gegenüber verpflichtet, sondern der Gesellschaft als Ganzes. Wir wollen mit unseren Recherchen Veränderungen anstoßen und unser Wissen weitergeben. Das soll allen Bürgern helfen.
  3. Wir sind investigativ: Unsere finanziellen und personellen Ressourcen fließen in Recherchen und deren umfassende sowie kreative Aufbereitung. Wir wollen unsere Erkenntnisse einem möglichst großen Publikum zugänglich machen.

Sie kommen zum Teil aus klassischen Print-Medien. Glauben Sie nicht an die Zukunft des gedruckten Journalismus?

  1. Wir glauben in jedem Fall an die Zukunft des investigativen Journalismus. Ob dieser sich nun gedruckt oder digital verbreitet, ist für uns nicht die zentrale Frage. Entscheidend ist, dass er stattfindet. Wir glauben, dem Journalismus stehen in den nächsten Jahren Umwälzungen, aber auch große Zeiten bevor. Nie war es leichter, gute Geschichten für ein breites Publikum zielgerichtet zu produzieren. Nie war es leichter, viele Menschen in die Aufklärung einzubinden.
  2. Investigativer Journalismus ist aufwändig. In den momentanen Umwälzungen in der Medienbranche suchen viele Menschen nach neuen Wegen, gerade diesen Journalismus in eine stabile Zukunft zu führen. Er ist grundlegend für unsere Demokratie. Wir sehen in unserem unabhängigen und gemeinnützigen Ansatz einen möglichen Weg, neben vielen anderen. Wir glauben, es bringt viel, wenn wir unsere Geschichten verschenken und unseren Erfolg nicht in Leserreichweiten und Gewinnen, sondern in der Qualität unserer Stories messen. Dieser Weg wird in den USA und vielen anderen Ländern bereits beschritten. Und die Kollegen dort sind sehr erfolgreich.
  3. Unser in Deutschland neuer Ansatz geht dabei nicht auf Kosten der klassischen Print-Titel. Im Gegenteil: Wir werden mit vielen Zeitungen, Magazinen und Medienhäusern kooperieren, auch mit kleineren, regionalen Titeln, die unsere Art von Recherchen alleine nur schwer stemmen könnten. Indem wir solchen Blättern unsere Recherchen kostenfrei zum Abdruck geben, liefern wir ein starkes Bekenntnis zu unserem Glauben an die Zukunft des Journalismus. Gleichzeitig wollen wir durch unser Bildungsprogramm den Menschen selbst die Möglichkeit geben, am Medienwandel teilzuhaben.

Was unterscheidet CORRECTIV von den Recherche-Ressorts klassischer Medienhäuser?

Die Einrichtung von investigativen Ressorts ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sehen auch weiter die Notwendigkeit, dass Medienhäuser Recherche-Ressorts unterhalten. Nur mit intensiver Recherche können Zeitungen, Radios und Fernsehsender exklusive Inhalte schaffen, die sie von der Konkurrenz abheben. Wir dagegen wollen aufwändige Recherchen für möglichst viele Medienhäuser zugänglich machen. Das ist ein anderer Weg, hat aber das gleiche Ziel: Wir alle wollen die Demokratie stärken, indem wir Entscheidungsgrundlagen liefern, indem wir aufklären, indem wir investigativ recherchieren, indem wir unser Wissen weitergeben.

Woran bemessen Sie den Erfolg Ihres Projektes, wenn es weder Leserzahlen noch Umsätze sind?

  1. Wir möchten die Strukturen von Missständen offen legen und auf diese Weise Diskussionen anstoßen. Diskussionen, die der Gesellschaft dabei helfen, lebenswerter und gerechter zu werden. Wenn uns dies mit unseren Recherchen regelmäßig gelingt, dann hat unser Projekt Erfolg. Unser Erfolg sind die Debatten über Missstände. Seien sie nun klein oder groß. Und der größte Erfolg ist es, wenn ein Missstand abgestellt wird.
  2. In welchem Kanal die Menschen mit unseren Recherchen in Berührung kommen, spielt für diesen Erfolg keinerlei Rolle: Ob in gedruckter Form unter dem Label eines unserer Medienpartner, ob auf unserer eigenen Website, ob in einem sozialen Netzwerk oder auch vom Hörensagen auf der Straße. Was zählt, ist der Erfolg, und nicht, welchem Medium die Menschen diesen Erfolg nachträglich zurechnen.
  3. Eine Folge des digitalen Medienumbruchs spielt uns hierbei ausgezeichnet in die Karten: Wichtige Nachrichten und Informationen werden mittlerweile ohnehin so schnell und auf so vielen Wegen verbreitet, dass es im Nachhinein nur schwer möglich ist, den originären Urheber einer Recherche zu identifizieren.
  4. Wir freuen uns, wenn viele Menschen unser Bildungsangebot wahrnehmen. Wenn mehr und mehr Menschen dabei helfen, unsere Gesellschaft transparent zu machen, dann ist das der nachhaltigste Erfolg, den man sich als Journalist nur vorstellen kann.

Wie kam es zur Gründung von CORRECTIV?

Die Idee, ein gemeinnütziges Investigativ-Büro in Deutschland zu gründen, geistert seit Jahren durch unsere Köpfe. In den vergangenen anderthalb Jahren haben wir dieses Vorhaben sehr intensiv diskutiert. Mit Hilfe der Brost-Stiftung ist dieser Traum nun Realität geworden.

Wie werden Sie entscheiden, ob ein Thema zu Ihnen passt?

  1. Unsere Themen sollten einen klaren Bezug zur Lebenswelt der Bürger besitzen. Sie sollen konkret sein, nicht abstrakt.
  2. Wir werden mit unserer Community darüber beraten, wie wir unsere Schwerpunkte setzen.
  3. Wir werden in solchen Themengebieten recherchieren, in denen wir vermuten, dass etwas gesellschaftlich im Argen liegt und wir mit unseren Recherchen Veränderungen anstoßen können.
  4. Gleichzeitig wollen wir uns um Aus- und Weiterbildung kümmern. Wir wollen nicht nur unsere Geschichten verschenken, sondern auch unser Wissen weitergeben, um der Debatte in ganz Deutschland zu dienen.

Die „Brost-Stiftung“ ist Inititalförderer für CORRECTIV. Wie wollen Sie sich langfristig finanzieren und – wenn möglich – wachsen?

  1. Wir wollen zusätzliche finanzstarke Geldgeber motivieren, uns und unsere Arbeit zu unterstützen.
  2. Zusätzlich hoffen wir, möglichst viele Menschen überzeugen zu können, dass sie unsere Arbeit mit regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen und Spenden unterstützen. Jede Zuwendung an uns ist von der Steuer absetzbar. In anderen Ländern, wie etwa Südkorea, werden ähnliche Projekte von mehr als 30.000 Menschen mit 10 Euro im Monat unterstützt. Wenn wir das langfristig in Deutschland hinbekommen, können wir viel bewegen.

Sie geben vor, unabhängig zu agieren. Sie sind aber zumindest in der Anfangsphase finanziell von der „Brost-Stiftung“ abhängig. Ist das ein Problem?

Die „Brost-Stiftung“ hat einen gemeinnützigen Auftrag jenseits jeder Parteipolitik. Sie ist allseits als seriöse Organisation mit einem klaren, gemeinnützigen Auftrag bekannt und akzeptiert.

Die Stifterin Anneliese Brost und ihr Mann Erich Brost gehören beide zu den bedeutendsten Verlegerpersönlichkeiten der Deutschen Geschichte. Erich Brost gründete als Sozialdemokrat, der vor den Faschisten nach England flüchten musste, nach dem Krieg die WAZ. Er wollte die Aufklärung vorantreiben, um Demokratie in Deutschland zu ermöglichen. Gemeinsam mit seiner Frau Anneliese schuf er den Aufbruch des Journalismus aus der dunkelsten Zeit. Nun wird ein Teil dieses Erbes dafür eingesetzt, wieder ein neues Kapitel im Journalismus aufzuschlagen und die Zukunft demokratischer und transparenter zu gestalten. Daran kann nichts schlecht sein.

Niemand wird Einfluss auf unsere redaktionelle Arbeit ausüben. Wir haben eine vertragliche Finanzierungszusage der „Brost-Stiftung“ für die nächsten drei Jahre. Diese Zusage gibt uns Sicherheit und garantiert uns journalistische Unabhängigkeit.

Geraten Sie bei der Suche nach Kooperationspartnern in einen Konflikt mit dem Stolz und dem Selbstverständnis ihrer Kollegen? Wie schätzen Sie die reale Bereitschaft ein, mit Ihnen zu kooperieren?

  1. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es an Medienpartnern nicht mangeln wird.
  2. Unsere Partner können durch eine Kooperation mit uns nur gewinnen: Sie bekommen Zugang zu aufwändig recherchierten Geschichten. Solche Geschichten werden ihren Beitrag dazu leisten, den jeweiligen Lesergruppen zu signalisieren: Es lohnt sich noch, am Kiosk Geld für gedruckten Journalismus zu zahlen.

Nehmen Sie festangestellten oder freien Journalisten Aufträge weg, wenn Sie ihre Geschichten kostenlos abgeben?

Nein, das tun wir nicht. Denn wir machen Geschichten, die vom Aufwand her von klassischen Redaktionen kaum zu leisten sind. Wir machen ein zusätzliches Angebot, das kaum in Konkurrenz zu den Angeboten anderer Journalisten oder Redaktionen steht. Im Gegenteil, wir werden auch mit freien Journalisten zusammen arbeiten und ihnen dabei helfen, Geld zu verdienen.

Sie lassen Ihre Stücke nicht nur von Medienpartnern veröffentlichen, sondern publizieren auch im Internet. Schadet dies nicht dem Bedürfnis Ihrer Medienpartner nach Exklusivität?

  1. Unsere Medienpartner bekommen Exklusivität garantiert. Erst nach Erscheinen der Exklusivgeschichte werden wir unsere Stories auch auf unseren eigenen Webseiten veröffentlichen. Für unsere Partner hat auch das Vorteile, da wir immer mit deutlichem Verweis auf unseren jeweiligen Exklusivpartner publizieren. Er profitiert somit von der zusätzlichen Reichweite der Geschichte und kann sogar neue Lesergruppen auf sich aufmerksam machen.
  2. Außerdem kann unser jeweiliger Partner seinen Lesern einen kostenlosen Mehrwert anbieten: Wir werden die Stories auf unserer Webseite multimedial anreichern, Auskunft über den Rechercheprozess geben und unsere Faktenbasis transparent machen. Die Leser unserer Medienpartner sind also eingeladen, sich bei Interesse noch tiefergehender und ohne zusätzliche Kosten mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Welche inhaltliche Mitsprache räumen Sie Ihren Medienpartnern im Zuge einer Recherche und vor einer Veröffentlichung ein?

  1. Wenn schon von Beginn an feststeht, mit welchem Medium wir in einem Rechercheprojekt kooperieren, dann werden wir diesen Partner selbstverständlich über den Recherchefortschritt auf dem Laufenden halten und zum Input an uns ermuntern. Kritik und Ideen von außerhalb unserer eigenen Redaktion sind sehr wertvoll für uns.
  2. Darüber hinaus hat ein Medium, bevor es unsere Geschichten druckt, das Recht und sogar die Pflicht, die Stories durch eigene Mitarbeiter und in Zusammenarbeit mit uns „fact-checken“ zu lassen. Dies bedeutet, dass wir für jede sachliche Behauptung exakt und gerichtsfest belegen können, auf welchen Belegen diese Information fußt.

Ihre neu gegründete Investigativ-Redaktion ist öffentlich kaum bekannt. Woher sollen potenzielle Whistleblower wissen, dass Sie Ihnen trauen können?

  1. Wir versammeln in unserer Redaktion profilierte Investigativ-Journalisten. Diese Kollegen stehen mit Ihrem Namen und Ihrer Vita für die Seriosität von CORRECTIV ein. Sie bringen ihre Quellen mit.
  2. Quellen und Whistleblower können sich sicher sein, dass wir als gemeinnützige, nicht profit-orientierte Redaktion mit unseren Veröffentlichungen keine eigene, profit-orientierte Agenda verfolgen. Wir stehen mit unserem Namen für die Sicherheit unserer Informanten ein und haben in unseren Karrieren schon oft bewiesen, dass dies kein leeres Versprechen ist, sondern gelebte Praxis.