Der Journalist Claus Strunz hat in der Fernsehdebatte versucht, den SPD-Kandidaten aus der Reserve zu locken. Mit einem verkürzten Zitat.

Gleich in den ersten Minuten fragt Claus Strunz: „Sie haben formuliert: ‚Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold.‘ Heute, etwas später, wissen wir, es kommen sehr viele, die schlecht oder gar nicht ausgebildet sind. Die Sicherheitslage in Deutschland hat sich verschärft, also eher weniger Gold und mehr Probleme. Können Sie uns erklären, wie sie zu dieser Fehleinschätzung gekommen waren?“

Schulz kontert: „Das ist ein Satz, den Sie vollständig zitieren müssen.“ Und tatsächlich gibt Strunz das Schulz-Zitat nur zur Hälfte wieder. Bei seiner Rede an der Neuen Universität Heidelberg im Juni 2016 sagt Schulz: „Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der unberirrbare Glaube an den Traum von Europa. Ein Traum, der uns irgendwann verloren gegangen ist.“

Die erste Hälfte des Zitats, das Strunz aufgreift, kursiert seit Monaten in sozialen Medien, vor allem im rechten Spektrum. Ein T-Shirt-Shop führt ein sehr einschlägiges Motiv, das zeigt, in welchem Zusammenhang dieses Zitat genutzt wird. Und es gibt eine Abwandlung: Wer im Netz nach „Goldstücken“ oder „Goldstückchen“ sucht, findet derzeit vor allem Inhalte, die Flüchtlinge allgemein als Kriminelle darstellen. Claus Strunz stellt einen ähnlichen Zusammenhang her. Er hat eine umstrittene Erzählung aus dem rechten Milieu einem Millionenpublikum präsentiert.

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Das islamfeindliche Blog Politically Incorrect und der Kopf der Identitären Bewegung nutzen den Begriff “Goldstück” als Referenz auf das Schulz-Zitat

Der ehemalige Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ erntete teils heftige Kritik an seinem Auftritt. Beim Nachrichtensender „N24“ wies er die Vorwürfe am Tag nach dem Duell zurück.  

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