Die AfD fährt im Wahlkampf amerikanische Geschütze auf. Mit der Seite „Angela Merkel, die Eidbrecherin” setzt die Partei auf Negative Campaigning im Stil von Donald Trumps Lock-her-up-Kampagne gegen Hillary Clinton – Nachhilfe gab es von der US-Agentur Harris Media inklusive. Aber wie erfolgreich ist diese Strategie eigentlich?

 

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Die AfD macht mit einer eigenen Kampagne im Netz Stimmung gegen Angela Merkel

 

Ein flackerndes Bild wie in einem Fahndungsvideo, Angela Merkel blickt verschämt nach unten – auf ihrer düsteren Kampagnenwebsite „Die Eidbrecherin“ inszeniert die AfD die Kanzlerin wie eine Verbrecherin. Als die Seite Merkeldieeidbrecherin.com ab Montagabend verbreitet wurde, wirkte sie wie der Startschuss zu einer neuen Dimension des Wahlkampfs. Vier Tage später bleibt der virale Effekt überraschend aus. Bislang.

Unterdessen scheint die Aktion in die zweite Runde zu gehen. Auf Twitter kursieren Fotos vom Kanzleramt, das offenbar in der vergangenen Nacht mit einem verfremdeten Portrait von Angela Merkel angestrahlt wurde. Wie lange die Lichtprojektion tatsächlich zu sehen war, ist unklar. Auch das Bundeskanzleramt sagt auf Anfrage, dass sie von dieser Aktion nichts bemerkt hätten.

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Ein Foto der Anti-Merkel-Aktion wird vom Twitter-Account der AfD Hamburg-Nord verteilt.

Facebook funktioniert anders als Twitter

Copy, Paste! Negative Campaigning – Schmutzkampagne – nennen Werbeexperten diese aus den USA kopierte Wahlkampfstrategie. Dort hat Donald Trump mit seiner Lock-Her-Up-Kampagne („Sperrt sie ein“) gegen Hillary Clinton Front gemacht. Zu seinem Umfeld gehörte Harris Media, eine US-Agentur, die nun im Bundestagswahlkampf 2017 auch die AfD berät.

Bisher setzte die AfD vor allem auf Facebook, um ihre Inhalte zu streuen. Doch das allein reicht nicht aus. „Wer in Deutschland eine politische Kampagne im Netz fährt, muss Twitter nutzen, um eine Message in die Presse zu bekommen“, sagt Werbeexperte Gerald Hensel, Initiator von #KeinGeldfürRechts und Gründer der NGO Fearless Democracy. Facebook erreicht demzufolge die Massen, Twitter die medialen Multiplikatoren in den Redaktionen von Rundfunk und Presse.

„Die AfD muss Geschwindigkeit in den Sozialen Medien aufnehmen, das macht sie jetzt mit negativen Kampagnen, in welchen sie ihre Inhalte so unappetitlich wie möglich verpackt“, erklärt Hensel. „Emotional befeuerte Wut teilt sich leichter.“

Die digitale Verbreitung ist auch aus einem anderen Grund wichtig. Auf Twitter lassen sich Social Bots nutzen, automatisierte Twitter-Accounts, die sich als reale Personen ausgeben. Diese Methode lässt sich auf Facebook nicht ohne Weiteres umsetzen, auf Twitter wiederum tummeln sich viele solcher Accounts, die auch populistische Inhalte verbreiten.

Der virale Effekt dieser Form des digitalen Wahlkampfs scheint vorerst auszubleiben. Die vorgefertigten Grafiken werden bisher kaum geteilt. Auch erste Analysen mit Google Trends oder Trendolizer, weisen nicht auf eine erhebliche Reichweite hin. 

Negative Campaigning begleitet von Anzeigen im Netz

Der Twitter-Account @DieEidbrecherin hat bislang lediglich fünf Follower und einen Tweet abgesetzt. Ob demnächst Social Bots zum Einsatz kommen könnten, lässt sich nicht absehen. Hensel ist sich sicher: „Die AfD will in den letzten Tagen vor der Wahl Begriffe kapern, um so mit simplen Botschaften negative Nachrichten auf den letzten Metern in die Trending Topics zu bringen.“

Die rechtspopulistische AfD-These von der Eidbrecherin ist nicht neu. „Aber mit einer eigenen Website streut sie sich besser. So lassen sich Botschaften einfacher verbreiten“, sagt Hensel. Nicht allein die aggressive Tonalität der Kampagne ist neu. Für die Verbreitung ihrer Schmutzkampagne kaufte die AfD einen prominent platzierten Anzeigenplatz bei Google ein. Bei der Suche nach Angela Merkel landete die Kampagnenseite am Dienstag in der Trefferliste der Suchmaschine ganz oben.

Wahrscheinlich erreichte die Anzeige eine von der AfD bei Google zuvor ausdrücklich vordefinierten Bevölkerungsgruppe. Das ist auf Google ebenso möglich wie in sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Konkrete Zielgruppen können zum Beispiel über ihren Wohnort, ihr Alter aber auch ihre politischen Ansichten angesprochen werden. So ist es möglich, dass auch Wahlwerbung sehr personalisiert zugeschnitten werden und nur dieser Gruppe angezeigt werden kann.

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