Angela Merkel macht's. Martin Schulz macht's. Und auch die Kandidaten der anderen Parteien lassen sich im Fernsehen von Wählern befragen. Sind die Themen vorher abgesprochen? Ist das Publikum ausgewählt? Eine Umfrage bei den Sendeanstalten.

Auf dem anonymen Bilderportal „pr0gramm.com“ tauchte am Freitag ein Foto auf, das eine Moderationskarte aus der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel“ zeigt. Offenbar wurden auf der Karte diejenigen Menschen vermerkt, die Fragen an die Bundeskanzlerin stellen durften. „Bei ‘Klartext’ wurden scheinbar die Zuschauer vorher gecastet, damit Tante Merkel nicht ins Schleudern kommt”, ist zu lesen. Inzwischen wurde das Bild mehrere hundert Mal kommentiert und gelikt.

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Die angebliche Moderationskarte aus dem Internetpost

Was ist dran an der Behauptung? Wird bei politischen Sendungen das Publikum vorab ausgesucht?

Der für die „Klartext“-Sendungen verantwortliche ZDF-Redakteur bestätigt CORRECTIV, dass jene Zuschauer, die Fragen gestellt haben, tatsächlich ausgewählt wurden. Man habe hierbei auf jene Menschen zurückgegriffen, die bereits beim crossmedialen Projekt #ichbindeutschland zu Wort gekommen seien. Da man bei diesen Protagonisten schon gewusst habe, welche Themen für sie relevant seien, habe man sie in die Sendung eingeladen.

Auch bei bei den RTL-Sendungen „An einem Tisch mit Angela Merkel“ und „An einem Tisch mit Martin Schulz“ hat die Redaktion die Zuschauer eingeladen, die eine Frage stellen durften. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Produktionsfirma „Spiegel TV“, die für das Format verantwortlich ist. Wie bei der ZDF-Sendung wurden die Fragensteller auch hier nach Themen ausgewählt. Da man jedoch nicht wie beim ZDF auf Protagonisten eines bestehenden Formates zurückgreifen konnten, fanden die „Spiegel TV“-Redakteure ihr fragendes Publikum vorwiegend in den sozialen Medien, über Google-Suchen und per Telefon.

Diejenigen im Publikum, die keine Frage gestellt haben, wurden ebenfalls ausgesucht, jedoch nicht nach besonderen inhaltlichen Kriterien. Dem ZDF war wichtig, dass sein Publikum ungefähr den Querschnitt der Gesellschaft repräsentiert. Bei „An einem Tisch mit…“ wählte RTL das Publikum aus.

Wird dem Publikum vorab gesagt, welche Fragen sie stellen sollen?

Wahrscheinlich nicht. Da die Fragensteller nach Themen ausgewählt würden, ergäben sich daraus meist von selbst die Fragen, berichtet der beim ZDF für die „Klartext”-Sendungen verantwortliche Redakteur. Jedoch bitte man die Fragenden, sich kurz zu halten.

Erfahren Merkel und Schulz im Vorfeld der Sendung, welche Fragen gestellt werden?

Die Verantwortlichen der RTL-Townhalls und der „Klartext“-Sendungen versichern CORRECTIV, dass es keine inhaltlichen Absprachen mit Angela Merkel und Martin Schulz gegeben habe.

Werden die Sendungen live ausgestrahlt?

Das ZDF sendete „Klartext“ live, wohingegen RTL sein Format „An einem Tisch mit…“ wenige Stunden vor der Ausstrahlung aufzeichnete.

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