Christiane Laudenklos betreut den Social-Media-Auftritt des Bundeswahlleiters. Am Wahltag hat sie gezielt nach Falschmeldungen auf Twitter gesucht.

Bleistifte  in der Wahlkabine, gelochte Stimmzettel, Fotos von ausgefüllten Wahlzetteln – Christiane Laudenklos hatte am vergangenen Sonntag bis tief in die Nacht alle Hände voll zu tun. In Interview erzählt sie von ihrer Arbeit.

Frau Laudenklos, wie sah Ihre Arbeit am Wahltag aus?

Wir haben am Sonntag gegen halb zehn angefangen. Ich habe den ganzen Tag in unserem Redaktionstool gearbeitet und alle Fragen von Usern beantwortet, so gut ich konnte. Wenn nötig, habe ich mir auch Hilfe dazu geholt von unserem Pressesprecher oder von Mitarbeitern aus dem Büro des Bundeswahlleiters. Feierabend hatten wir gegen halb sechs am Morgen, bis das vorläufige Ergebnis verkündet wurde und die Sitzverteilung klar war.

Sie haben sich auf Twitter konzentriert und den Kanal sehr proaktiv genutzt. Wie sind Sie vorgegangen?

Twitter ist der einzige Kanal, den wir nutzen. Wir sind nicht bei Facebook unterwegs. Wir haben über unser Redaktionstool Suchbegriffe eingegeben: Wenn also über den Bundeswahlleiter oder auch über die Wahl gesprochen wurde, wurde uns das angezeigt. Und wenn wir dann gesehen haben, dass da irgendwelche Falschmeldungen zum Wahlablauf kursierten, dann haben wir das richtig gestellt.

War das anders als bei vorherigen Wahlen?

Den Twitter-Kanal gibt es erst seit Januar. Der Account wurde unter anderem eingerichtet, um mitzubekommen, was in den sozialen Netzwerken kursiert. Das hat sich im Vergleich zur vorherigen Bundestagswahl auf jeden Fall geändert. Es ist eben mehr los in den sozialen Netzwerken. Deshalb ist es wichtig zu schauen, dass da keine Falschnachrichten verbreitet werden.

Wie lief die Zusammenarbeit mit den Kollegen? Haben Sie sich über die Anfragen von Wählern ausgetauscht?

Es gab sehr viele Fragen zu den Stimmzettel-Schablonen: „Warum ist mein Stimmzettel gelocht? Das ist doch Betrug!“ Solche Dinge habe ich versucht, mit Tweets richtigzustellen, auch indem ich dazu eine Infografik veröffentlicht habe. Der Bundeswahlleiter hat ein Kontaktformular auf der Homepage. Wenn dann sehr viele Anfragen zu einem Thema gestellt wurden, haben die Kollegen mich kontaktiert und vorgeschlagen, das Thema auch bei Twitter aufzugreifen.

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Informationen zur Wahl auf Twitter

Es gab viele Fotos von ausgefüllten Stimmzetteln. Wie verfahren Sie damit?

Wir werden all diese Fälle als Screenshots sammeln und dann an die Staatsanwaltschaft weitergeben. Wieviele das sind, können wir noch nicht sagen. Das ist eine neue Entwicklung, dass man alles, was man tut, auf sozialen Netzwerken veröffentlicht. Man muss das Wahlgeheimnis bewahren, und das ist damit nicht mehr gegeben. Dazu kommt, dass das Fotografieren in der Wahlkabine bei der Bundestagswahl 2013 noch nicht verboten war. Das wurde neu eingeführt, auch eine Anpassung an die aktuellen Entwicklungen.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Wahltag gewonnen? Was ist Ihr Fazit?

Im Vorfeld der Bundestagswahl haben wir einerseits vielen Wählern schon Hilfestellungen an die Hand gegeben, die auch gewürdigt wurden. Wir haben versucht, alle ernsthaften Fragen zu beantworten. Dazu haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten.

Andererseits haben wir auch weniger schöne Kommentare oder pauschale Unterstellungen erlebt. Es wurde sehr viel über Wahlbetrug gesprochen, das haben wir natürlich auch mitbekommen.

Was waren die größten Fakes, mit denen Sie zu tun hatten?

Beispielsweise die Behauptungen über die Stimmzettelschablonen oder Mutmaßungen darüber, dass es in einigen Wahllokalen nur Bleistifte zum Ausfüllen der Stimmzettel gab. Darüber haben sich sehr viele Menschen beschwert. Am Sonntag selbst war auch ein großes Thema, dass Menschen vor der Stimmabgabe nicht nach ihrem Ausweis gefragt wurden.

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Die Antwort auf eine häufig gestellte Frage

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