Weil der Wohnraum in Berlin knapp ist, baut der Senat Unterkünfte, die zunächst Flüchtlinge nutzen sollen, später aber auch andere. Es sind jedoch keine Luxuswohnungen.

„Berlin baut Luxuswohnungen für Flüchtlinge“ steht im Titel eines Beitrags auf der Webseite „Anonymous News“.

Neue Pläne des Berliner Senats sehen vor, an mehr als 25 Standorten Wohnkomplexe in Modulbauweise zu errichten, sogenannte Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge, kurz MUF.

Luxuswohnungen?

Die Wohnungen sind weit weg vom Zentrum, zum Beispiel in Buch im Norden Berlins, die nächste S-Bahn-Station liegt einen Kilometer entfernt. Die Bäder in den Häusern haben keine Fenster, auf insgesamt 6.600 m² sollen 450 Menschen leben, das sind weniger als 15 m² pro Person. Ein Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten schreibt auf Anfrage, dass sich bis zu 15 Bewohner die Küche und Sanitärbereiche teilen, jeweils einen für Männer und einen für Frauen.

Auf dem Boden werde Linoleum verlegt, in den 15 m²-großen  Zimmern, in denen jeweils zwei Personen schlafen, würden auch die Kühlschränke stehen. Dazu einfache Betten, Spinde, zwei Mal Bettwäsche, ein großes und ein kleines Handtuch, eine Pfanne, ein Kochtopf, Dosenöffner, Kochlöffel, pro Person ein Set Geschirr mit „Messer, Gabel, Kuchengabel, Tee- und Esslöffel, Frühstücksteller, Teller groß tief und groß flach.“ 

Das ist keine luxuriöse Ausstattung.

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Grundriss einer Etage. In den barrierearmen Wohnungen teilen sich nur vier Personen Bad und Küche. Daneben gibt es Gemeinschaftsräume.

Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten

Zu den Zahlen. „Anonymous News“ behauptet, der Senat gebe 453 Millionen Euro für 450 „Luxuswohnungen“ aus: „Legt man die veranschlagte Gesamtinvestition auf die beabsichtigten 450 Wohneinheiten um, dann lässt die Stadt Berlin rund eine Million Euro für jede einzelne Flüchtlings-Wohnung springen.“ Doch das stimmt nicht.

Der Sprecher des Landesamts sagt, bisher wurden neun MUF gebaut. Wenn alle geplanten MUF fertig sind, sollen dort 20.000 Menschen unterkommen, also weitaus mehr, als in 450 herkömmlichen Wohnungen leben könnten, es sei denn, 44 Personen würden sich eine teilen.

Und das Geld? Auf Anfrage schreibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, pro Standort würden die Gebäude „ca. 20 Millionen Euro“ kosten. Insgesamt kämen demnach ungefähr eine halbe Milliarde Kosten auf den Senat zu, dafür können aber auch 20.000 Menschen untergebracht werden.

Für alle in Berlin

Im Beitrag von „Anonymous News“ steht das Wort Flüchtlinge in Anführungszeichen. Der Artikel-Autor nennt sie Illegale, obwohl es um diejenigen geht, deren Asylanträge anerkannt wurden, die also nicht illegal sind.

Außerdem behauptet er, die Wohnungen seien nur für Flüchtlinge. Zwar baut der Senat sie zunächst für Flüchtlinge, allerdings sollen sie nach neun Jahren in Sozialen Wohnungsbau umgewandelt werden, schreibt der Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten.  „Wenn die MUFs zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt werden, sollen sie, aufgrund der modularen Bauweise, mit nur geringen Umbaumaßnahmen als Wohnungen für alle Berlinerinnen und Berliner genutzt werden können“, fügt eine Sprecherin des Senats hinzu.

Die Wohnungen sollen fünfzig bis hundert Jahre genutzt werden können, was sie von den Containerwohnungen unterschiedet, die nur drei Jahre als Wohnungen dienen sollen. 

Unsere Bewertung: Der Titel und Details in dem Artikel sind fehlerhaft. Es handelt sich nicht um Luxuswohnungen, und die Wohnungen werden auch nicht ausschließlich für Flüchtlinge gebaut.

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