Am vergangenen Samstag raste ein Campingbus im Zentrum von Münster in eine Gruppe von Menschen. Dabei wurden zwei Personen getötet, der Täter richtete sich selbst. Im Anschluss kam es im Netz zu Spekulationen: Ein YouTube-Video soll zwei weitere Täter zeigen. Echtjetzt erklärt, was es mit dem Video auf sich hat.

Am vergangenen Samstag raste ein Campingbus im Zentrum von Münster in eine Gruppe von Menschen, die sich im Außenbereich der Gaststätte „Großer Kiepenkerl” aufhielt. Dabei wurden zwei Personen getötet und mehr als 20 Personen teilweise schwer verletzt. Der Täter erschoss sich unmittelbar im Anschluss selbst.

Im Netz kam es nach Bekanntwerden der Tat zu Spekulationen zur Herkunft des Täters. Auch die Anzahl der Täter war im Netz umstritten.

So gab es laut „Compact“ bereits am Tattag Hinweise von Zeugen zu zwei weiteren Mitfahrern in dem Campingbus. Auf YouTube veröffentlichte “Bürgerprotest Hannover” ein Video, welches eindeutig belegen würde, dass „arabisch aussehende Männer in das Attentat verwickelt sind“. Auch „Philosophia Perennis“ rätselte aufgrund des Videos über die Herkunft des Täters.

Die Polizeipressestelle Münster teilte uns auf Anfrage mit, was es mit den Spekulationen auf sich hat.

YouTube-Video zeigt keine Festnahme

Das YouTube-Video zeigt, wie vor dem Historischen Rathaus in Münster eine Gruppe Polizisten einen Mann auffordert, sich flach auf den Boden zu legen. Sie richten ihre Schusswaffen auf ihn. Im Hintergrund steht ein weiterer Mann.

 

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Das Video wurde am Samstag von "Bürgerprotest Hannover" auf YouTube veröffentlicht.

Screenshot

 

Das Video trägt den Titel: „Festnahme zweier arabisch aussehender Männer“. Es wurde bereits am Samstag auf dem YouTube-Kanal von „Bürgerprotest Hannover” veröffentlicht.

Eine Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Münster bestätigte uns: Ja, die Aufnahmen stehen im Zusammenhang mit der Tat vom Samstag. Die beiden Männer wurden jedoch weder festgenommen, noch waren sie in irgendeiner Weise in die Tat involviert.

Bei den Männern handelte es sich um Touristen

„Die Polizisten standen nach der Tat im Auftrag, die örtliche Nähe zu räumen“, teilte uns die Pressesprecherin mit. Das Historische Rathaus, vor welchem sich die Szene im Video abspielt, ist nur 350 Meter entfernt vom „Kiepenkerl“. Die zwei Männer wurden im Zuge der Räumung von den Polizisten angesprochen, reagierten jedoch nicht.

Nachdem die Polizisten die Personalien der zwei Männer aufgenommen hatten war klar: Es handelte sich um zwei Inder, die als Touristen in Deutschland waren. Vermutlich hatten sie die Polizisten aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht verstanden. Die beiden Touristen durften den Ort daraufhin verlassen.

Tat wurde von Einzeltäter begangen

Die Polizisten hätten laut Polizeisprecherin „aus Sicherheitsgründen so reagiert“. Unmittelbar nach der Tat hatte es Zeugenaussagen gegeben, laut denen zwei weitere Täter flüchtig seien. Einer der beiden Touristen hätte auf die Täterbeschreibung passen können.

Weitere Täter können mittlerweile „vollkommen ausgeschlossen“ werden, so die Polizeisprecherin. Die Tat wurde nach derzeitigem Ermittlungsstand von einem Einzeltäter begangen.

Bei dem Täter handelt es sich um den 48-jährige Jens R. aus Münster. „Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte", fasste Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt laut Pressemitteilung die bisherigen Ergebnisse der Ermittlungen zusammen.

Unsere Bewertung: Das YouTube-Video zeigt nicht die Täter, sondern fälschlich verdächtigte Touristen. Die Tat wurde von einem Einzeltäter begangen, der in Suizidabsicht handelte.

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