Gesundheit

Nein – Cannabis heilt nicht alle Arten von Krebs

Cannabis soll Krebs heilen – doch Studien, die das beweisen, gibt es nicht. Nun wird ein Artikel über Rick Simpson auf Facebook geteilt, der 5.000 Kranke mit Cannabis geheilt habe soll.

von Tania Röttger

Im Januar 2016 erzählt die Webseite „Der Wächter“ vom angeblichen Wunderheiler Rick Simpson.

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Der Artikel beinhaltet keine wissenschaftlichen Beweise für die Theorie, dass Cannabis Krebs und viele andere Krankheiten heilen kann.

Rick Simpson ist eine Art Kultfigur in den Kreisen der alternativen Krebsbehandlung. Sein Allheilmittel ist Cannabis. Berühmt wurde er durch ein Öl, das RSO oder „Rick Simpson Oil“ genannt wird. Sein Buch „Die Anwendung der Natur auf Krebs“ ist auch auf Deutsch erschienen. Das Öl soll „alle Arten von Tumoren töten“ können.

Webseiten wie „Der Wächter“ verbreiten Artikel über Rick Simpson‘s angeblichen Erfolg mit dem Öl. Dass solche Berichte Wirkung zeigen, sieht man in Foren, in denen Leute über ihre Kreberskrankung schreiben. Da werden dann Rezepte für das Öl ausgetauscht, und Dosierungen besprochen.

In seinem Buch schreibt Simpson: seit 2003 habe er sein Öl an etwa 5.000 Menschen gegeben, „die an allen möglichen Krankheiten litten“. Neben Krebs auch an Diabetes, Asthma, Schuppenflechte, Epilepsie – die Liste ist noch länger. Viele seien durch der Einnahme des Öls geheilt worden, behauptet Simpson.

Wie er zu dieser Zahl kam, ist unklar. Er selbst schreibt, dass sich nur ein Zehntel der 5.000 Leute, denen er das Öl gab, bei ihm zurückmeldeten – das wären 500 Leute. Einen Datensatz legt er nicht vor, und selbst wenn, würde das nicht die Anforderungen an klinische Studien erfüllen.

Cannabis und Krebs

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) bekommt regelmäßig Anfragen zur Therapie mit Cannabis und auch speziell zu dem Öl von Rick Simpson, wie DKFZ-Sprecherin Susanne Weg-Remers bestätigt.

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Es gibt Studien, bei denen Cannabis tatsächlich Krebszellen zerstört hat. Allerdings wurden die im Labor gemacht, in Petrischalen oder mit Tieren – nicht mit Menschen. Daher gibt es bisher keine Erkenntnisse, in wie weit Cannabis möglicherweise für die Therapie von bestimmten Arten von Krebs geeignet sein könnte.

Selbst einem Arzt, der sich für die medizinische Anwendung von Cannabis einsetzt und alternative Medizin betreibt, gehen Simpsons Thesen zu weit. So schreibt Franjo Grotenhermen in einem offenen Brief, Simpson nehme sich „die Freiheit zu übertriebenen Heilsversprechen [heraus], die keiner sachlichen Überprüfung standhalten können“.

Weg-Remers meint, man sollte misstrauisch werden, wenn Allheilmittel angepriesen werden. Meistens handele es sich bei den Entdeckern um Scharlatane, die damit ein Geschäft machen wollen.

Gegen herkömmliche Therapien

Am problematischsten findet Arzt Grotenhermen, dass Simpson sein Öl als Ersatz für herkömmliche Krebstherapien, etwa Chemotherapie oder Bestrahlung, empfiehlt. Er fragt: „Wie viele Patienten sind unnötig gestorben, weil sie Ihrem Rat gefolgt sind?“.

Fazit: Die Anekdoten von Rick Simpson sind kein Beweis dafür, dass Cannabis Krebs heilen kann.