Correctiv
CORRECTIV unterstützen

Wir decken Missstände auf. Wir sind unabhängig und nicht gewinnorientiert.

Wo kann ich mich informieren?

Wie informieren wir uns über resistente Keime? Mittlerweile gibt es viele Informationen. Wir haben daher wegen der Übersichtlichkeit die Problematik in die Themen Grundlagenforschung, Krankenhaus und Landwirtschaft. In jeder Kategorie finden Sie grundlegendere Informationsquellen und Erklärungen zum Thema. Außerdem haben wir wichtige Studien zusammengefasst.

Detailfoto einer Studie zu Antibiotikaresistenz

Wie kann man selbst weiter recherchieren? Wissenschaftliche Studien kann man komfortabel auf Pubmed suchen, einer sehr umfassenden Datenbank. Sie wird von der amerikanischen „National Library of Medicine“ betrieben, der weltweit größten medizinischen Bibliothek. Bei Pubmed kann man nach Themen, Stichworten und Autoren suchen.

Wo finde ich Studien?

Man kann zum Beispiel „antibiotic resistance hospital“ eingeben und wissenschaftliche Studien zu dem Thema finden. Die Studien werden in Fachblättern bzw. sogenannten Journals veröffentlicht. Die Artikel werden meist vor der Veröffentlichung von anderen Wissenschaftlern überprüft, um zu sehen, ob die vorliegende Arbeit tatsächlich neu und wichtig und ob die Argumentation stichhaltig ist. Das ist das sogenannte „Peer Review“.

Dabei unterscheiden sich die Standards zwischen unterschiedlichen Journals: Es gibt sehr renommierte Journals, wie etwa „Science“, „Nature“, „Nature Medicine“ „BMJ“, „JAMA“, „New England Journal of Medicine“ und „Lancet“. Diese Zeitschriften nehmen nur die wenigsten Arbeiten auf. Für andere Journals sind die Hürden niedriger. Das bezieht sich aber nur auf die Bedeutung der jeweiligen Arbeit, nicht auf deren Korrektheit, die immer gegeben sein muss. Es gibt aber auch sogenannte „Predatory“ oder „Junk Journals“, die alles, was wie eine wissenschaftliche Studie aussieht, veröffentlichen, und von den Autoren Geld nehmen. Diese Literatur ist wertlos. Wie renommiert ein Journal ist, darüber gibt der sogenannte „Impact Factor“ Auskunft, der oft auf der Website eines Journals angegeben wird. Er basiert darauf, wie oft Artikel in einer Zeitschrift von anderen wissenschaftlichen Artikeln zitiert werden. Der Impact Factor wird von dem kommerziellen Verlag „Thompson Reuters“ berechnet und wir auch oft wegen unterschiedlicher Unzulänglichkeiten kritisiert. Bisher haben sich aber alternative Methoden der Qualitätsmessung nicht durchgesetzt. Als grobe Übersicht über die Bedeutung eines Journals ist der Impact Factor durchaus hilfreich.

An die Studie herankommen

Ist die Studie nicht frei zugänglich, kann man es über die städtische (Uni-)Bibliothek versuchen. Über die Tatsache, dass viele Studien nur kostenpflichtig zu bekommen sind, obwohl die Forschung von öffentlichen Geldern bezahlt wurde, gibt es in letzter Zeit viele Diskussionen. Es gibt auch Aktivisten, die auf ihren Portalen Studien in großem Umfang veröffentlichen – das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht legal.

Die meisten Journals bieten kostenfreien Zugang für Journalisten an. Man kann sich dafür über die Webseite des Journals (unter „Media“ oder „Press“) anmelden. Oft muss man dafür die eigene journalistische Tätigkeit nachweisen. Man kann sich meist auch einzelne Studien schicken lassen. Es gibt auch Portale, wo man gleich Zugang für viele verschiedene Journals beantragen kann. Die wichtigsten sind „Elsevier“, „EurekAlert“ und „Nature Publishing Group“.

Zu vielen Studien werden auch eine Pressemitteilungen herausgegeben, die man beim Journal abonnieren kann. Hier bereitet der Pressesprecher der Uni oder des Journals die Studie für Journalisten auf. Für Einsteiger ist dies hilfreich, um wichtige Punkte der Studie nicht zu übersehen. Journalisten mit mehr Erfahrung verzichten dagegen auf das Lesen der Pressemitteilung, um sich deren Spin nicht auszusetzen.

Wie lese ich eine Studie?

Eine schöne Übersicht des Wissenschaftsjournalisten Marcus Anhäuser darüber, wie man eine wissenschaftliche Studie liest, ist hier zu finden.

Zusammengefasst: Eine medizinische Studie ist in unterschiedliche Teile unterteilt, die wir hier erklären:

Abstract

Im Abstract ist das Wichtigste der Studie zusammengefasst. Auch in dem Fall, dass die Studie im Volltext zahlungspflichtig ist, ist das Abstract frei zugänglich. Man kann sich also immer erstmal ein Bild machen, wovon die Studie handelt, bevor man sich entschließt sich, die Studie zu besorgen. Manche Journalisten lesen nur das Abstract und schreiben dann über die Studie, aber Vorsicht: Das ist kein guter Stil und führt oft dazu, dass wichtige Details übersehen werden.

Einleitung

Hier Ordnen die Autoren die jetzige Arbeit ein. Sie begründen, warum die vorliegende Arbeit gemacht wurde und beziehen sich auf wichtigste ähnliche Arbeiten der Vergangenheit.

Methoden

Wie wurde die Studie gemacht? Hier wird das Vorgehen Schritt für Schritt beschrieben, so dass andere Forscher es nachvollziehen können.

Ergebnisse

Der wohl wichtigste Teil und der Kern der Arbeit. Hier werden die Ergebnisse und Daten vorgestellt. Während bei Zeitnot die anderen Teile der Studie überflogen werden können, sollte dieser Teil immer genau gelesen werden. Experten fangen sogar nicht mit dem Text, sondern mit Tabellen und Figuren an. Hier finden sich die rohen Daten, der Rest ist immer auch Interpretation der Autoren der Studie – die natürlich ihre Arbeit im bestmöglichen Licht erscheinen lassen wollen.

Diskussion

Hier werden die Ergebnisse interpretiert, mögliche Schwächen der Studie thematisiert. Wie die Einleitung ist dieser Teil vergleichsweise subjektiv und von der Interpretation der Autoren beherrscht, die sehr kritisch zu hinterfragen ist.

Quellen

Hier werden gesammelt Forschungsarbeiten zitiert, auf denen die vorliegende Arbeit aufbaut. Hilfreich, um auf andere wichtige Studien zu kommen und auch andere Forscher zu identifizieren, die zum Thema arbeiten.

Autoren

Hier werden die Autoren der Forschungsarbeit angegeben. Bei biomedizinischen Studien sind die ersten und letzten Plätze die wichtigsten. Dabei werden vorne die Forscher angegeben, die tatsächlich die Arbeit experimentell durchgeführt haben und hinten deren Professoren und Leiter. Typischerweise ist also der erste Autor der, der am meisten für diese Forschung getan hat, die letzte Autorein seine Chefin. Die zweite Autorin hat dann am zweitmeisten getan, und die vorletzte Autorin ist dann die zweitwichtigste Betreuerin und so weiter. Am wenigsten wichtig sind Autoren, die in der Mitte auftauchen. Wenn man also Fragen zur vorliegenden Arbeit hat, ist es zielführend, sich an den ersten oder letzten Autor zu wenden. Praktisch ist, dass immer auch ein „Corresponding Autor“ angegeben ist, also derjenige, der dafür verantwortlich ist, Fragen zu dieser Arbeit beantwortet – meist ist das der letzte Autor. Hier ist immer eine E-Mail-Adresse angegeben. Hat man also Schwierigkeiten, an E-Mail-Adressen von Forschern ranzukommen, wird man heir fündig.

10 Euro für unabhängigen Journalismus