Die 'Ndrangheta schmuggelt Drogen von Südamerika aus nach Europa. Ermittler vermuten seit langem, dass die Mafia die gut überwachten süditalienischen Häfen meidet. Und wirklich: Nun wurden ausgerechnet in Venedig 130 Kilo Drogen beschlagnahmt. Die Mafiosi versteckten das Kokain in Maniokwurzeln aus Plastik

Während Touristen aus aller Welt über den Markusplatz flanieren, nutzt die ‘Ndrangheta, die Mafia aus Kalabrien, den Hafen der Lagunenstadt, um Drogen nach Italien zu schmuggeln. Das hat die italienische Anti-Mafia-Direktion gemeinsam mit der Finanzpolizei nach zwei Jahren Ermittlungen enthüllt. Neun Menschen wurden am Donnerstag festgenommen, insgesamt 130 Kilo Kokain beschlagnahmt.

Die mutmaßlichen Mafiosi stammten aus dem kalabrischen Africo, wohnten aber in der Nähe von Venedig. Angeblich sollen sie mit dem mächtigen Clan Morabito verbunden sein. 

Das Kokain kam aus Südamerika und war in Obstkisten versteckt. Nach der Ankunft im Hafen von Venedig lagerten die Verdächtigen die Kisten in zwei Warenlagern ein und verkauften sie von dort aus weiter an Drogenhändler in Norditalien, insbesondere in der Lombardei und im Veneto.

Wochenlang observierten die Ermittler den mutmaßlichen Chef des Clans. Schließlich nahm die Polizei ihn und drei Komplizen am Donnerstag fest. Die Mafiosi lagerten gerade 90 Kisten voll Maniok ein. So schien es. Tatsächlich waren die Wurzeln aus Plastik, gefüllt mit Kokain.

Die ‘Ndrangheta, die Mafia aus Kalabrien, beherrscht weite Teile des europäischen Kokainhandels. Häufig gelangen die Drogen in Obst- und Gemüsekisten nach Europa. Lange galt der Hafen von Gioia Tauro, in Kalabrien, als Haupteinfalltor. Doch dann änderte die Mafia ihre Strategie – wegen der immer strengeren Kontrollen in Kalabrien. Bereits 2010 hatte der Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri die norditalienischen Regionen Trentino-Südtirol, Lombardei, Emilia Romagna und Veneto als „Drogen-Kolonien“ der ‘Ndrangheta bezeichnet.

Ein Verdacht, der sich nun bewahrheitet hat.

 

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