Der Commisso-Clan wurde lange zur vermeintlich „guten Mafia“ gezählt. Einer Mafia, die nicht mit Drogen handelt. Die „Operation Apegreen“ hat diesen Mythos ein weiteres Mal widerlegt

Bis heute kursiert in Italien der Mythos von der „Mafia buona“, der guten Mafia. Er geht so: Diese gute Mafia lässt die Finger vom Drogenhandel, behellige niemals Frauen und Kinder und greife dort ein, wo der Staat seine Bürger allein lasse. Sie sei, alles in allem, eine ehrenwerte Gesellschaft.

Es ist ein Mythos: Eine „mafia buona“ hat es nie gegeben. Doch der Mythos ist hartnäckig. Den ‘Ndrangheta- Clan Commisso etwa zählen viele bis heute zu dieser „guten“ Mafia. Die ihre Finger vom Drogenhandel lasse.

Die Operation „Apegreen Drug“ beweist, ein weiteres Mal, dass das nicht stimmt.

Am Freitag hat die italienische Polizei 14 Menschen in Kalabrien festgenommen, jene Region in der Spitze des italienischen Stiefels. Sie werden unter anderem des Drogenhandels beschuldigt. Unter den Festgenommenen sind nicht nur Mitglieder der Commisso- und anderer Clans. Sondern auch ein Polizist.

Eine verwanzte Wäscherei

Die Operation „Apegreen Drug“ beruhrt auf jahrelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria. Bereits 2010 hatte die Polizei die Wäscherei Apegreen im kalabrischen Siderno verwanzt und Gespräche zwischen Clan-Chef Giuseppe Commisso und weiteren Ndrangheta-Mitgliedern abgehört. Woraufhin, in der Operation „Crimine“, mehr als 300 ‘Ndrangheta-Mitglieder verhaftet wurden, in Norditalien, Australien und Kanada. Auch Giuseppe Commisso wurde damals verhaftet.

Aus den abgehörten Gesprächen erfuhren die Ermittler viel über die Drogengeschäfte des Clans: Kokain wurde aus Südamerika über Afrika in den kalabrischen Hafen Gioia Tauro geschmuggelt, versteckt in Containern. Dort konnte die ‘Ndrangheta auf die Unterstützung des Polizisten Gian Luca C., zählen. Er soll den Mafiosi Geheiminformationen über den Containerverkehr im Hafen verraten haben und manchmal sogar einige Kunden bei der Abholung der Drogen begleitet haben. 

Aus den aktuellen Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft außerdem davon aus, dass der Clan nicht nur in Kalabrien sondern auch in der Elfenbeinküste, Venezuela und in Belgien aktiv ist. 

Staatsanwalt Nicola Gratteri ist sich sicher: Das kalabrische Bürgertum, die Unternehmen und die Verwaltungsbeamten, die bis heute keine Scheu hatten, sich mit Clan-Mitglieder öffentlich zu zeigen, haben keine Entschuldigung mehr. Denn die Operation „Apegreen Drug“ beweist nicht nur, dass der Commisso-Clan Drogen schmuggelt sondern zerstört zum erneuten Mal der Mythos der „guten Mafia“. 

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