In dieser Woche wurden 15 mutmaßliche Mafiosi in der Schweiz festgenommen. 14 widersetzten sich der Auslieferung nach Italien. Nun muss das Bundesamt für Justiz entscheiden, ob die Verhafteten ausgeliefert werden – oder gegen Kaution frei kommen.

Am Dienstag hat die Schweizer Polizei 15 italienische Staatsangehörige in den Kantonen Thurgau, Zürich und Wallis festgenommen. Bei den Verhafteten handelt es sich um mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Mafia, der 'Ndrangheta.

Die Staatsanwaltschaft Reggio Calabria wirft den Verhafteten vor, Mitglieder in einer mafiösen Vereinigung zu sein.

Die Haftanordnungen basieren auf italienischen Auslieferungsersuchen. Seit Januar 2015 hat sich Italien mehrmals an die Schweiz gewendet. Das dortige Bundesministerium für Justiz will aus taktischen Gründen nicht offen darlegen, wieso es erst jetzt zu den Verhaftungen kam. Nur so viel ist bekannt: Die Vorwürfe in den Auslieferungsersuchen sind offenbar auch in der Schweiz strafbar.

Zwölf Personen wurden im Thurgau festgenommen, zwei im Kanton Wallis, eine Person im Kanton Zürich. Zwei der Verhafteten sind in Italien bereits zu Freiheitsstrafen von neun und sechs Jahren verurteilt worden. Die im Thurgau wohnhaften Männer sollen dem locale aus Frauenfeld angehört haben, der dorigen Mafia-Zelle.

Die Frauenfelder-Zelle

Seit 2012 ermitteln die Carabinieri aus Reggio Calabria in Sachen 'Ndrangheta-Zelle im schweizerischen Frauenfeld. Sie soll dort seit den 1970er Jahren aktiv sein.

2014 hat die Polizei eines der Treffen der Frauenfelder-Zelle gefilmt. Ein Dutzend Männer saß an einem Tisch. Boss Antonio N. (66) segnete die Mafiosi und ermutigte sie: „Es gibt Arbeit für alle. Erpressung, Kokain, Heroin, Zehn Kilo, 20 Kilo, jeden Tag“.

Bereits 2014 hatte die italienische Polizei in Rahmen der Operation „Helvetia“ besagten Boss Antonio N. und dessen rechte Hand Raffaele A. (71) bei einer Hochzeit in Kalabrien verhaftet. Das Gericht Reggio Calabria hatte beide Männer im Oktober 2015 wegen Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung zu 14 und 12 Jahren Haft verurteilt. Das Video war ein wichtiges Beweisstück. 

 

Auslieferung an Italien

Auch die Schweiz Bundesanwaltschaft hat gegen die Verhafteten ermittelt. Doch offenbar soll dem Auslieferungsersuchen Italiens Vorrang gegeben werden.

Allerdings widersetzten sich bereits am Dienstag 14 der Festgenommenen der Auslieferung, wie das Bundesamt für Justiz am Dienstagabend mitteilte. Nur einer der mutmaßlichen Mafiosi aus Frauenfeld erklärte sich mit der Auslieferung einverstanden. Er hat eine dreitägige Bedenkzeit. 

Das Bundesamt wird nun über die Auslieferung entscheiden und prüfen, ob die mutmaßlichen Mafiosi weiterhin in Haft bleiben oder gegen Kaution freigelassen werden. Da die meisten Personen bereits seit Jahren in der Schweiz wohnen und bereits von den Ermittlungen aus Italien wussten, schätzt das Bundesamt für Justiz das Fluchtrisiko als gering und erwägt deswegen eine Freilassung gegen Kaution, verbunden mit einer Meldepflicht.

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