Die relativ gesehen größte Gruppe auf dem Parteitag der „Alternative für Deutschland“ waren ältere Herren aus Baden-Württemberg. Die geleakten Daten der Parteitags-Teilnehmer zeigen aber auch: Die jüngsten Mitglieder kommen aus dem Osten. Besonders in Sachsen-Anhalt hat die AfD derzeit Zulauf.

Die AfD bleibt eine Männerpartei: Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer des Bundesparteitags am vergangenen Wochenende in Stuttgart waren männlich. Der Altersschnitt lag bei 52,5 Jahren. Das geht aus der Analyse der geleakten Teilnehmer-Daten des Parteitags hervor, die wir ausgewertet haben. Geleakt hatte die Daten die Internetseite „Linksunten Indymedia“ am Sonntag. Sie enthalten unter anderem die Namen, Adressen und Geburtsdaten der Teilnehmer des Stuttgarter Parteitags ebenso wie des Bremer Parteitags im vergangenen Jahr. Die AfD hat die Echtheit der Daten nicht bestritten, kündigte aber rechtliche Schritte gegen die Veröffentlichung der Namen in Internet an. 

AfD: Frauenanteil

Auffällig sind die Unterschied in der AfD-Altersstruktur in den einzelnen Bundesländern. Inzwischen kommen die jüngsten Mitglieder allesamt aus den fünf Flächenländern des Ostens. Parteitagsteilnehmer aus Sachsen-Anhalt waren im Schnitt knapp 43 Jahre alt sind. Die ältesten Teilnehmer kamen mit 56 Jahren aus Niedersachsen. Geht man davon aus, dass die Mitgliedsnummern chronologisch vergeben werden, haben sich die Mitglieder seit Gründung der AfD deutlich verjüngt. Das Zehntel der AfD-Mitglieder mit den niedrigsten Mitgliedsnummern ist im Schnitt 56 Jahre alt. Das Zehntel der AfD-Basis mit den höchsten Mitgliedsnummern 46 Jahre alt.

Die Daten aus Sachsen-Anhalt legen nahe, dass sich die rechtspopulistische Partei in letzter Zeit vor allem im Osten verstärken konnte – auch bei jungen Menschen. An diesem Wochenende sind gerade von dort deutlich mehr Delegierte pro Einwohner gekommen als noch vor einem Jahr zum Parteitag in Bremen. Damals gehörte Sachsen-Anhalt mit Bayern zu den Schlusslichtern. Auch in absoluten Zahlen ist der Zuwachs hier am Größten: mindestens 63 Teilnehmer kamen aus Sachsen-Anhalt nach Stuttgart, das waren über zwanzig mehr als noch 2015 in Bremen.

Die Parteitage im Vergleich

Stuttgart 2016

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Mitglieder pro 100.000 Einwohner ihres Bundeslandes auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart, 2016

Bremen 2015

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Mitglieder pro 100.000 Einwohner ihres Bundeslandes auf dem AfD-Parteitag in Bremen, 2015

Überdurchschnittlich viele Mitglieder kommen normalerweise zu einem Parteitag, wenn sie nicht allzu weit anreisen müssen. Deshalb waren am Wochenende auch die AfD-Mitglieder aus Baden-Württemberg am stärksten vertreten. Mehr als 5 von 100.000 Einwohnern in Baden-Württemberg kamen zum AfD-Parteitag. Aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein kamen weniger als 2 von 100.000 Einwohnern. Auf den Plätzen zwei und drei der auf dem Parteitag am besten vertretenden Bundesländer folgten Hessen und das Saarland. Auf Platz vier kamen dann aber schon die Mitglieder aus dem weit entfernten Brandenburg, aus Sachsen-Anhalt und Thüringen. Überraschend wenig Mitglieder auf dem Parteitag kamen übrigens aus Bayern. Vermutlich fühlen sich dort viele Menschen, die mit AfD-Gedankengut sympathisieren, von der CSU noch ganz gut vertreten. Ein Drittel aller Mitglieder, genau 749, waren übrigens  schon auf dem Parteitag im vergangenen Jahr in Bremen.

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