AfD-Faktencheck, Teil 7: Georg Pazderski, AFD-Chef in Berlin, hat behauptet: „Ich habe zwei Jahre in Kanada und fünf Jahre in den USA gelebt. Das sind Einwanderungsländer, diese Staaten suchen sich ihre Einwanderer aus. Zu uns kamen zuletzt aber 65 Prozent Analphabeten.“ Richtig oder falsch?

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Eine Kurzstudie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft ergab, dass die Analphabetenrate in Syrien vor dem Bürgerkrieg mit rund 15 Prozent international in einem durchschnittlichen Rahmen lag. 2011 betrug die Einschulungsquote dort rund 97 Prozent, auch Fremdsprachen wie Englisch und Französisch fanden sich im Lehrplan. Damit stand Syrien im internationalen Vergleich nicht schlecht da. Wobei der Bürgerkrieg sicher dazu führte, dass viele Kinder nicht weiter zur Schule gehen konnten.

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Repräsentative Daten über das Bildungsniveau der ankommenden Flüchtlinge liegen dem Institut nicht vor. „Ob die besonders gut Gebildeten oder die schlecht Gebildeten zu uns gekommen sind, wurde lange diskutiert. Tendenziell sind Flüchtlinge aber eher gut gebildet, da sie mehr Geld haben, um sich eine Flucht leisten zu können“, erläutert Kristina Stoewe, eine der Autorinnen der Studie.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der wissenschaftliche Arm der Bundesagentur für Arbeit, hat eine Umfrage unter Asylbewerbern gemacht, an der rund die Hälfte der 2015 in Deutschland registrierten Flüchtlinge teilnahm. Von den über 18-Jährigen mit Bleibeperspektive haben demnach 48 Prozent eine Universität, Fachhochschule oder ein Gymnasium besucht, zum Teil jedoch kriegsbedingt ohne Abschluss. 31 Prozent der über 18-Jährigen gaben an, nur eine Grundschule (23 Prozent) oder überhaupt keine Schule (8 Prozent) besucht zu haben. Auch diese Zahlen lassen nicht den Schluss zu, dass die meisten Flüchtlinge Analphabeten sind.

Fazit

Georg Pazderski macht die Flüchtlinge dümmer, als sie sind. Tatsächlich gibt es unter den Asylsuchenden große Bildungsunterschiede. Doch die genannte Zahl von Analphabeten ist nicht belegbar.

Der AfD-Faktencheck wurde zusammen mit dem Institut für Journalistik der TU Dortmund erstellt. Die Autoren Björn Bernitt, Linda Fischer, Anastasiya Polubotko und Daniela Weber sind Studierende bei Professor Holger Wormer. Assistenz: Maximilian Doeckel

Unsere Bewertung: Nicht belegbar

Quellen

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