VICE und CORRECTIV haben sich mehrere Wochen unter afrikanische Kleindealer in Dortmund gemischt. Wir wollten wissen, woher diese jungen Männer kommen, warum sie Drogen verkaufen und warum die Polizei meist nur zusieht. Es ist kein Film, der die Beteiligten nach gut und böse sortiert, sondern versucht, zu verstehen, warum sie so handeln. Denn auch die deutschen Gesetze sind mit Schuld, dass die jungen Afrikaner in die Illegalität gedrängt werden.

Wir wussten nicht, was uns erwartet. Was geschieht, wenn man mit einer Filmkamera den Alltag von afrikanischen Kleindealern und Schwarzarbeitern begleitet. Sie haben viel zu verlieren. Sie leben nur mit einem Bein in Deutschland. Sie sind geduldet, oder untergetaucht, viele dürfen offiziell nicht arbeiten, sie machen krumme Geschäfte.

Im Sommer 2015 habe ich bei den „Ruhrnachrichten“ in Dortmund gearbeitet. In der Nordstadt fielen mir die Dealer auf, die den ganzen Tag lang Drogen verkaufen, vor aller Augen. Genauso wie in Berlin, in Hamburg oder Köln. Wer sind sie? Warum stehen sie da? Welche Strukturen führen sie auf die Straße? Was läuft falsch in der Einwanderungspolitik?

Wochenlang habe ich mich in den afrikanischen Communities in und um Dortmund herumgetrieben. Mit vielen Menschen gesprochen. Die meisten dieser Gespräche führten ins Nichts. Aber dann lernte ich auch Drogenhändler kennen, die mich in ihre Welt ließen. 

Die Kollegen von VICE fanden das Thema interessant — und haben mir einen erstklassigen Filmemacher an die Seite gestellt, Carl Gierstorfer. Gemeinsam waren wir wochenlang auf den Straßen der Nordstadt unterwegs. Manchmal wurden wir beschimpft. Manchmal wurden wir zu den Dealern nach Hause eingeladen und bekocht. Am Ende kannte jeder die beiden Reporter mit der großen Kamera.

Vier Stunden Rohmaterial hatten wir am Ende beisammen. Daraus hat VICE einen fast 20 Minuten langen, intensiven Film gemacht. Er ist das Kondensat unserer Recherche. Ehrlich und direkt. Danke an die Kollegen von VICE.

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