Der Diakonische Landesverband DWBO wollte den Wohlfahrtskonzern Diakoniewerk Bethel nach Verfehlungen im Unternehmen ausschließen. Jetzt hat der Verband die Entscheidung überraschend aufgeschoben: der Konzern hat einen nebulösen Prüfbericht in Aussicht gestellt.

Eigentlich sollte am Montag (20.11.) der Diakonische Rat, das höchste Aufsichtsgremium des Landesverband Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO), entscheiden: Soll das Diakoniewerk Bethel aus dem kirchlichen Wohlfahrtsverband ausgeschlossen werden oder nicht? Doch dazu kam es nicht. Der Rat hat die Entscheidung auf 2018 vertagt.

Der DWBO teilte mit, dass Bethel dem Verband wenige Tage vor der Entscheidung eine Untersuchung der Vorgänge durch einen externen Prüfer in Aussicht gestellt habe. Der DWBO will dem Vorstand von Bethel jetzt erneut Gelegenheit geben sich zu äußern. Das soll ein rechtssicheres Verfahren gewährleisten. Die Verzögerung kommt dennoch überraschend.

Im Juli berichtete CORRECTIV, wie der Bethel-Vorstand Karl Behle das Diakoniewerk im Lauf der Jahre unter seine Kontrolle brachte. Die Rede ist von einem Jahresgehalt in Höhe von etwa 700.000 Euro sowie einer Auszahlung von Pensionsansprüchen in Millionenhöhe. Außerdem kaufte Behle eine Konzernvilla zu einem erstaunlich niedrigen Preis dem von ihm beherrschten Diakoniewerk ab und führte die Villa in seinen Privatbesitz über. Das Unternehmen hat sich bis heute weder gegenüber der Öffentlichkeit noch dem Verband DWBO nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Wenige Tage vor der Entscheidung über den Ausschluss habe der DWBO eine Nachricht von Katja Lehmann-Giannotti erhalten, der Vorstandsvorsitzenden des Diakoniewerks Bethel, teilte der Verband mit. In dem Schreiben habe Bethel eine „Untersuchung durch einen externen Prüfer“ angekündigt. Es sei allerdings nicht erklärt worden, wer „der Prüfer ist noch sein Auftrag oder eine Untersuchungsfrist“ genannt worden. Das Diakoniewerk Bethel ließ eine Anfrage von CORRECTIV zu den Details der Prüfung unbeantwortet.

Es ist gängige Praxis bei von einem Skandal erschütterten Unternehmen, eine Prüfauftrag an vermeintlich unabhängige Buchprüfer zu vergeben, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. So gingen zum Beispiel Volkswagen im Abgasskandal oder der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei der Affäre um die Vergabe der WM 2006 vor. Hinterher stellte sich heraus, dass die Prüfer die Affäre nicht restlos aufklärten. Die Prüfaufträge entpuppten sich als PR-Instrument.

Im Juli hörte sich die Reaktion des DWBO noch anders an. Nach der Berichterstattung veröffentlichte der Landesverband eine Stellungnahme mit vier konkreten Forderungen. Unter anderen sollte Geschäftsführer Behle „unverzüglich“ zurücktreten. Als Bethel nicht reagierte, leitete der Verband den Ausschluss in die Wege. Einzig der Diakonische Rat hätte noch dem Ausschluss zustimmen müssen. In diesem Gremium sitzen Vertreter der Landes- und Freikirchen und Mitglieder des zuständigen Diakonisches Landesverbandes

Dem DWBO reichte das unkonkrete Lebenszeichen. Der Verband will das Diakoniewerk Bethel zu einer Anhörung einladen. Das sei notwendig, um ein „rechtssicheres Verfahren“ sicherzustellen, sagte DWBO-Vorstand Martin Matz gegenüber CORRECTIV. „Im Grundsatz geht es aber nicht darum, dass wir unsere Forderungen, insbesondere nach Sachaufklärung, verändern“.

Neben dem DWBO ist Bethel weiterhin Mitglied im Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Auch dort scheut die Vereinigung Konsequenzen. Eigentlich wollte der BEFG unlängst eine Person in den Aufsichtsrat des Diakoniewerks Bethel entsenden, der seit 2015 nur noch von Diakonissen im hochbetagten Alter besetzt ist. Der Bethel-Vorstand lehnte die erste nominierte Person ab. Im Oktober benannte der BEFG einen Pastor als neues Mitglied im Aufsichtsrat. Ob dieser bereits seine Arbeit aufgenommen hat, ist unklar.

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