Die milliardenschwere Stiftung von SAP-Gründer Dietmar Hopp mischt auf dem boomenden Immobilienmarkt mit. Ihr Partner dabei: eine Unternehmensgruppe, hinter der ein verurteilter Betrüger stecken soll – was das Unternehmen zurück weist. Das Pikante: Auf genau jenen angeblichen Hintermann ist Hopp schon einmal reingefallen.

Auf dem boomenden Immobilienmarkt spielt gerade ein Wirtschaftskrimi: ein verurteilter Betrüger soll sich in einem Fall von Insolvenzbetrug hinter einer Fassade verbergen. Mit im Spiel sind einige prominente Namen.

Dietmar Hopp ist Mitgründer des Software-Giganten SAP. Er ist Wohltäter. Und er ist Geldgeber: Mit seinen Millionen etablierte er den Dorfverein TSG Hoffenheim im deutschen Spitzenfußball.

Um den Milliardär scharrt sich ein Grüppchen prominenter oder halbprominenter Personen. Die Leute stehen Hopp nah oder suchen seine Nähe. Franz Beckenbauer zählt dazu, der bekannte Spieleragent Roger Wittmann und auch einige Herren aus der Baubranche.

Einer von ihnen ist Egon Banghard, im Juni 2004 wegen Betrugs verurteilt. Manche Opfer seiner Machenschaften kämpfen bis heute um ihr Geld. Banghard ließ Fragen von CORRECTIV unbeantwortet und äußerte sich erst nach Veröffentlichung über einen Medienanwalt.

Dieser Text handelt von alten Schulden in beträchtlicher Höhe, von geprellten Anlegern und von neuen Geschäften mit scheinbar erheblichen Gewinnen.

Und von einer Anwältin, die versucht, verlorene Gelder wieder zu bekommen und bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige wegen des Vorwurfs des Insolvenzbetrugs gestellt hat. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nach Informationen von CORRECTIV in dem Fall.

Die Anwältin wirft zudem Dietmar Hopp vor, dass seine Stiftung dicke Deals mit einer Unternehmensgruppe macht, hinter der Banghard stecken soll. Hopp und seine Stiftung bestreiten, Geschäfte mit Banghard zu machen. Auch die Unternehmensgruppe und Banghard weisen die Vorwürfe der Anwältin scharf zurück. Aber der Reihe nach.

Kein großer Vorwurf

2004 fällt das Landgericht Stuttgart ein Urteil. Egon Banghard, der laut Gericht „jahrzehntelang“ in einer Suite des Kempinski-Hotels am Kurfürstendamm in Berlin gelebt hat, der Anteile an einer Beratungsagentur des Hopp-Freundes Roger Wittmann besaß – dieser Egon Banghard erhält nun wegen Betrugs in 61 Fällen jene Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Banghard Anleger um 5,4 Millionen Euro geprellt hat. Zu den Geschädigten zählt auch Dietmar Hopp. Allein er hat 2,75 Millionen Euro verloren.

Laut dem Urteil des Landgerichts ist Hopp mit Banghard befreundet. Das Gericht berücksichtigt mildernd, dass Hopp „dem Angeklagten, mit dem er befreundet ist, die Sache nicht groß zum Vorwurf macht“. Die gute Beziehung zu Hopp und dessen Großzügigkeit gereichen Banghard demnach zum Vorteil.

Es gibt Geschädigte, denen Banghard ihr Geld zurück gab, Franz Beckenbauer etwa und dem Ex-Nationalspieler Mario Basler. Basler ist der Schwager Roger Wittmanns. Er erhält von Banghard sogar mehr Geld, als er investiert hat.

Anleger gehen leer aus

Prominente Investoren hat sich Banghard gern gesucht bei seinen Projekten – Menschen, deren Namen die breite Masse der Anleger anziehen. Diese anderen, die nicht-prominenten Investoren waren vermögende Familien, Finanzanleger, Banken. Anders als Basler und Beckenbauer gehen viele Anleger leer aus.

Lange muss Egon Banghard allerdings nicht hinter Gittern bleiben. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Banghard hatte schon vor dem Gericht argumentiert, er wolle in Freiheit seine Geschädigten auszahlen.

Die Schulden, die Egon Banghard bei seinem Freund Dietmar Hopp angehäuft hat, wachsen durch Verzinsung von Jahr zu Jahr an. Im Jahr 2010 wird gegen Banghard ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut einer Aufstellung aus dem Jahr 2016 hat er Schulden in Höhe von 55 Millionen Euro. Auf Hopp entfallen davon 13,3 Millionen Euro.

Der Unternehmer scheint finanziell am Ende zu sein. Aber ist er das wirklich? Und Banghard wäre nicht Banghard, wenn er fortan untätig herum säße.

Eine umtriebige Gruppe

In Berlin entsteht in den 2000er Jahren ein Firmengeflecht, das sich im Bausektor tummelt: die Cesa-Gruppe. Die umtriebige Gruppe unterhält ihre eigenen Verbindungen zum Fußball: Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass sie auch einmal an die Franz-Beckenbauer-Stiftung spendete. Einer der Cesa-Manager ist zugleich Geschäftsführer einer Spielerberatung.

Banghard ist in den Firmenunterlagen mit keiner aktuellen Funktion eingetragen. CORRECTIV fragte Cesa, welche Rolle Banghard in dem Unternehmen spielt und erhielt bis zur Veröffentlichung keine Antwort. Ein Medienanwalt teilte in einem Schreiben nach der Veröffentlichung mit, dass Banghard das Unternehmen Cesa Investment bei der Auswahl von Immobilien und im Vertrieb berate. Banghard habe keinerlei Einfluss in der Geschäftsführung des Unternehmens. Als Geschäftsführerin von Cesa Investment fungiert ein Mitglied von Banghards Familie.

Zu den Geschäftsführern zählt auch ein junger Geschäftspartner, Sohn eines Richters, und ein unbeschriebenes Blatt.

Die Berliner Rechtsanwältin Bettina Schleicher vertritt eine Reihe von Geschädigten von Banghard. Sie schreibt in einer Strafanzeige, dass dieser Geschäftsführer der Cesa-Unternehmen 25 Prozent der Anteile treuhänderisch für Banghard halte. Banghard und Cesa sagen über ihren Medienanwalt, dass dieser Vorwurf falsch sei. Banghard besitze keinerlei Anteile an dem Unternehmen.

Keine Antworten

CORRECTIV hat Banghard und Cesa im Dezember detaillierte Fragen zu den in diesem Artikel erwähnten Vorwürfen der Anwältin gestellt. Als wir Banghard auf dem Handy erreichten, gab er das Telefon an die Pressesprecherin von Cesa weiter. Diese bat darum, auch die Fragen an Banghard an sie zu schicken. Es meldete sich lediglich ein von Cesa beauftragter Medienanwalt und bat um Aufschub bei der Beantwortung der Fragen bis Ende Januar. Bis zur Veröffentlichung erhielten wir keine Antworten.

Bettina Schleicher sagte gegenüber CORRECTIV: „Nach mir über die Cesa-Gruppe vorliegenden Informationen ist sie auf Egon Banghard zurückzuführen. Auch wenn er keine öffentliche Funktion hat, hat er die Cesa-Gruppe aufgebaut.“

Ein Berliner Gericht hat ihren Antrag auf Wiederaufnahme des 2016 abgeschlossenen Insolvenzverfahrens von Banghard abgelehnt. 

Die Anwältin bleibt jedoch bei ihrer Auffassung und führt dafür unter anderem eine eidesstattliche Versicherung einer langjährigen Beteiligten an. „Jedes einzelne Geschäft und die gesamte Struktur (von Cesa) ist ausschließlich auf die Entscheidung von Herrn Egon Banghard zurückzuführen,“ heißt es in der Erklärung.

Banghard und Cesa weisen die Vorwürfe der Anwältin in aller Deutlichkeit zurück. 

Handschriftliche Spuren

Anwältin Schleicher stützt sich darüber hinaus vor allem auf Unterlagen der Cesa-Gruppe. Aus handschriftlichen Notizen von Banghard gehe hervor, dass Banghard „Entscheidungen zu durchzuführenden Projekte“ traf. Banghard habe entschieden, wer zu welchen Konditionen Wohnungen von Cesa erwerben konnte. Die Anwältin beruft sich zudem auf einen „Situationsbericht“ über ein Projekt von Cesa aus dem Juni 2014, unter dem der Name Egon Banghard steht. Laut dem Dokument soll Banghard den gesamten Vertrieb für das Projekt leiten.

Der Medienanwalt von Cesa sagt, aus handschriftlichen Notizen lasse sich ein angeblicher, entscheidender Einfluss von Banghard in dem Unternehmen nicht ableiten. Banghard sei lediglich beratend tätig.

Ein Ex-Unternehmer in Privatinsolvenz, der über ein Firmengeflecht weiterhin dicke Geschäfte macht – der Vorwurf der Anwältin Bettina Schleicher wiegt schwer. Und er wäre geradezu brisant, wenn sie ihn belegen kann. Die Cesa-Gruppe nämlich machte auch Geschäfte mit der Dietmar-Hopp-Stiftung. Und dabei ging es nicht um Kleckerbeträge.

Die Dietmar-Hopp-Stiftung wurde 1995 gegründet, um soziale Projekte in Hopps Heimatregion Rhein-Neckar zu fördern. Sie besitzt ein Kapital von mehr als vier Milliarden Euro. Ursprünglich bestand dies aus SAP-Aktien, seit einigen Jahren will die Stiftung ihre Anlagen aber diversifizieren. Sie kaufte Immobilien in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro.

Lukrative Vermietung

Bei einem Investitionsprojekt der Cesa-Gruppe mit dem Namen „Pink“ – es ging um Immobilien in Düsseldorf, Köln und Berlin – sollte die Hopp-Stiftung laut der Rechtsanwältin Bettina Schleicher kräftig gewinnen können. Für „Hopp“ seien nach Abzug der Finanzierung von der Bewertung der Immobilien 8,5 Millionen Euro vorgesehen gewesen und für die Gesellschaft Cesa der gleiche Betrag. Darauf deutet eine handschriftliche Notiz hin.

Bei einem anderen Geschäft leistete Hopp über die Firma DH Capital laut einer Aufstellung von Cesa-Projekten eine Finanzierung in Höhe von 4,9 Millionen Euro. Nach zwei Jahren erhielt er laut den Unterlagen das Geld zurück und darüber hinaus noch Zinsen und eine Gewinnbeteiligung von 3,2 Millionen Euro. Eine Rendite von etwa 65 Prozent – das wäre auffällig hoch für gewöhnliche Immobiliengeschäfte.

Ein Anwalt beantwortete im Namen von Dietmar Hopp sowie seiner Stiftung ausführlich Fragen von CORRECTIV.

In Bezug auf das Portfolio „Pink“ bestätigte der Anwalt, dass diese Immobilien nach wie vor der Stiftung gehörten, nicht jedoch Hopp persönlich. Die Objekte hätten bisher keine Gewinne abgeworfen.

Im Fall DH Capital „konnte eine Immobilie zu sehr günstigen Konditionen erworben werden“, schreibt der Anwalt zu jenem Geschäft. „Nach entsprechender langfristiger lukrativer Vermietung hat sich die CESA-Gruppe entschlossen, dieses Objekt selbst in den Bestand nehmen zu wollen und ihren Geschäftspartner auf Basis des Verkehrswerts auszubezahlen.“

Mieten in astronomischen Höhen

In der Tat kann man einer Stiftung nicht vorwerfen, für ihr Kapital die bestmöglichen Renditen zu erwirtschaften. Das Geld fließt schließlich in gemeinnützige Projekte. Doch das Renditestreben von Hopp und seiner Stiftung auf dem Immobilienmarkt ist fragwürdig, sollten sie dabei mit einem Unternehmer wie Banghard zusammen arbeiten.

Denn damit tragen sie dazu bei, dass einfache Familien zum Beispiel in Berlin immer größere Schwierigkeiten haben, bezahlbare Wohnungen zu finden. Die Mieten für Immobilien steigen in Berlin seit Jahren stark an.

„Wenn Immobilienhaie ungehindert ihre Renditeerwartungen realisieren, treibt das die Miete in astronomische Höhen,“ schrieb eine Berliner Stadtteilzeitung schon im Jahr 2013 über ein Immobilienprojekt, in dem eine Cesa-Firma involviert war.

Die Dietmar-Hopp-Stiftung ist derzeit in Berlin ausschließlich an einer gewerblich vermieteten Immobilie beteiligt.

Ein erstaunliches Comeback – finanziert von Hopp?

Unternehmen von Dietmar Hopp, darunter auch die Stiftung, haben laut Anwältin Schleicher zusammen mit anderen Geldgebern Banghard ein Comeback ermöglicht. „Wir sind der Ansicht, dass Banghard die Cesa-Gruppe aufgebaut hat, er ist die graue Eminenz im Hintergrund. Der Erfolg der Gesellschaft beruht maßgeblich auf den Mitteln von Geldgebern wie der Dietmar-Hopp-Stiftung.“

Der Anwalt von Hopp bestätigt, dass die Stiftung Geschäfte mit dem Unternehmen Cesa tätige. Mit Banghard mache man jedoch keinerlei Geschäfte.

„Ob, inwieweit und aus welchen Gründen Herr Banghard nach 2010 finanziell auferstanden ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. Uns ist nicht bekannt, dass Herr Banghard an den Gesellschaften der Cesa-Gruppe direkt noch mittelbar beteiligt ist,“ so der Anwalt in seinem Schreiben an CORRECTIV.

Gratulation zum Klassenerhalt

Es ist allerdings ein Interessenkonflikt, wenn eine Stiftung Geschäfte macht mit einem Unternehmer, welcher dem Stifter vor einigen Jahren noch Millionen schuldete.

„Das Vermögen der Dietmar Hopp Stiftung GmbH wird im Rahmen von deren zulässigen Vermögensverwaltung stets ordnungsgemäß und insbesondere unter Beachtung der entsprechenden gemeinnützigkeitsrechtlichen Vorschriften verwaltet“, schreibt der Hopp-Anwalt.

All das klingt, als habe Hopp kaum mehr Kontakt zu seinem „Freund“ Egon Banghard. Als wisse Hopp nichts mehr von den geschäftlichen Tätigkeiten des Mannes, der ihm 2016 mehr als 13 Millionen Euro schuldete.

2013 empfing der Milliardär laut Unterlagen, die CORRECTIV eingesehen hat, eine Email von Banghard. Es ging um die TSG Hoffenheim, Banghard gratulierte Hopp zu einem sportlichen Erfolg. „Ich habe mich sehr gefreut, dass Hoffenheim die Relegation geschafft hat.“ Die TSG Hoffenheim war gerade knapp dem Abstieg in die zweite Bundesliga entgangen. Und Banghard hatte offenbar richtig getippt: „Dank Hoffenheim, habe ich mir ein kleines Taschengeld verdient.“

Die Email schrieb er von dem Email-Konto einer Mitarbeiterin der Cesa-Gruppe.

Anmerkung vom 16. Februar 2018: wir haben den Text an einigen Stellen aktualisiert.

Anmerkung vom 21. Februar 2018: wir haben klar gestellt, dass die Dietmar-Hopp-Stiftung in Berlin lediglich an einer gewerblich vermieteten Immobilie beteiligt ist. Zudem haben wir korrigiert, dass nicht mehrere, sondern eine Geschäftsführerin der Cesa-Gruppe Familienmitglied von Banghard ist. Wir haben zudem an mehreren Stellen die Argumentation aus Schreiben des Medienanwalts von Cesa und Banghard ergänzt.

Anmerkung vom 22. Februar 2018: wir haben das Zitat von Rechtsanwältin Dr. Schleicher unter der Zwischenüberschrift „Ein erstaunliches Comeback“ auf Wunsch der Anwältin leicht angepasst.

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