Bei einer Podiumsdiskussion zu unserer Recherche „Wem gehört Hamburg?“ saßen sich der Grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold und der Hamburger Wohnungsbaukoordinator Matthias Kock in unserer mobilen Redaktion in Hamburg gegenüber. Wir haben sie gefragt, wie man die Wohnungskrise lösen kann.

Es ist eine Aufgabe, die zugleich Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen verlangt. Als Wohnungsbaukoordinator soll Staatsrat Matthias Kock dafür sorgen, dass in Hamburg möglichst viele Wohnungen entstehen. „Bei mir melden sich die Investoren, wenn es Probleme mit den Baugenehmigungen gibt“, sagt Kock. Er ist dann im diplomatischen Dienst unterwegs, als Vermittler zwischen Investor und dem Bezirksamt.

Dass dieser Job immer anspruchsvoller wird, blitzte auch bei der Diskussion im Café Kölibri auf St. Pauli auf – eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Wem gehört Hamburg?“, mit dem das Recherchezentrum CORRECTIV für mehr Transparenz auf dem Hamburger Immobilienmarkt sorgen will. 

„Eine Krankenschwester kann sich in Ottensen keine Wohnung mehr leisten“, klagte eine Besucherin. Kock versprach, dass der Senat alles versuche, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu gehöre die verstärkte Vergabe von städtischen Grundstücken auf Erbbaupachtbasis, um vor allem Baugemeinschaften, aber auch Genossenschaften den Bau von Immobilien zu erleichtern. Aber auch bei Verkäufen würde keineswegs immer der Höchstbieter den Zuschlag erhalten. „Wir setzen auf eine Konzeptausschreibung, schauen uns an, was der Investor für die Entwicklung des Quartiers leisten will.“

Sven Giegold, Abgeordneter der deutschen Grünen im Europaparlament, plädierte für ein einheitliches Immobilienregister für Deutschland. „Darauf warten die italienischen Strafbehörden ungeduldig. Sie wollen wissen, ob das Geld von kriminellen Organisationen auf dem deutschen Immobilienmarkt gewaschen wird.“ Giegold forderte auch eine schärfere Mietpreisbremse: „Das jetzige Gesetz wurde leider verwässert.“ 

Kock sagte, dass man das Ziel von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr nicht aus den Augen verlieren dürfe: „Wohnungsbau ist die beste Medizin gegen Wohnungsknappheit.“ Eine große Herausforderung sei, Quartiere, die derzeit noch als soziale Brennpunkte gelten, aufzuwerten. Dennoch habe Hamburg einen großen Vorteil: „Es gab mal Planspiele, die Saga zu verkaufen. Das wäre ein großer Fehler gewesen.“ 

Giegold beobachtet mit Sorge, wie Investoren von der Aufwertung von Quartieren profitieren würden: „Die Kommunen sorgen dafür, dass Quartiere attraktiver werden. Den Profit schöpfen dann Vermieter ab.“ Kock entgeg­nete, dass in Hamburg fast alle Vermieter seriös arbeiten würden: „Es gibt zum Glück nur ein paar böse Buben.“


Peter Wenig ist Redakteur beim Hamburger Abendblatt.

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