Datenschutz

Tiktok: Europäische Daten wandern nach China – was dagegen getan wird

Hinter einem Warnhinweis, der seit einigen Monaten auf Tiktok aufploppt, steckt ein brisanter Rechtsstreit: Millionen von Nutzerdaten können aktuell in autokratisch regierte Drittländer wie China gelangen. Das Europäische Zentrum für digitale Rechte ordnet die aktuelle Lage ein.

von Samira Joy Frauwallner

Tiktok Digitalpolitik Februar 2026
Benachrichtigung auf Tiktok, hinter der ein Rechtsstreit steckt, in dem es um Millionen von Nutzerdaten geht. Collage: Frauwallner. Quelle: Solein Feyissa, Unsplash / Screenshot: Tiktok, 20. Februar 2026

Wer Tiktok mindestens einmal im Laufe der letzten Monate geöffnet hat, sah eine Benachrichtigung aufploppen. Worum es darin geht: Im Frühjahr 2025 verhängte die irische Datenschutzbehörde DPC ein Bußgeld von 530 Millionen Euro gegen die Plattform Tiktok – wegen der unzulässigen Übermittlung europäischer Nutzerdaten etwa nach China. Die DPC sieht darin einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). 

Die Betreibergesellschaft von Tiktok war damit jedoch nicht einverstanden und teilte mit, die Entscheidung werde angefochten. Bis zu einer Einigung darf die App laut einer gerichtlichen Auflage des irischen Gerichts (PDF) vom November 2025 zwar zunächst weiterhin Daten nach China senden. Es müssen aber alle europäischen Nutzer darüber informiert werden – in Form der besagten Benachrichtigung.

Auch im Februar 2026 scheint es keine Einigung zu geben, denn noch immer bekommen Nutzende die Warnung: 

Diese Benachrichtigung erhalten Nutzer der Plattform Tiktok, wenn sie diese zumindest einmal in den letzten Monaten auf Handy oder PC geöffnet haben. Collage: Frauwallner. Bildquelle: Tiktok (Screenshot 20. Februar 2026) / Unsplash

Was bedeutet „Übermittlung von EWR-Nutzerdaten nach China“?

Das Europäische Zentrum für digitale Rechte (genannt „None Of Your Business“, kurz NOYB), eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Wien, erklärt es auf CORRECTIV-Anfrage so: Es handelt sich dabei um einen Fernzugriff aus China auf Nutzerdaten aus dem europäischen Wirtschaftsraum (EWR). „Das bedeutet, dass technisch gesehen auf personenbezogene Daten der Nutzer von Tiktok aus chinesischem Hoheitsgebiet zugegriffen wird.“

Mitarbeiter von Tiktok oder von Tiktok beauftragte Firmen in China können also von dort aus auf die Konten und Daten europäischer Nutzer zugreifen. Zum Beispiel, wenn sie Kundensupport machen oder Sicherheitsprüfungen durchführen. 

Betroffen sind praktisch alle Daten, die Tiktok über seine Nutzer sammelt. NOYB listet auf: 

  • Kontoinformationen, 
  • Inhalte, die der Nutzer erstellt und hochgeladen hat,
  • Nachrichten an andere Nutzer, 
  • technische Informationen, 
  • Standortdaten,
  • alle Arten von Nutzungsdaten und Informationen aus anderen Quellen, wie beispielsweise von Werbetreibenden und Dritten.

Können chinesische Behörden oder gar die Regierung auf die Daten zugreifen?

„Es ist wahrscheinlich, dass chinesische Behörden in Form von Regierungsanfragen Zugang zu den Nutzerdaten europäischer Bürger erhalten“, so Experten von NOYB weiter. 

Der Grund: In China kann die Regierung alle persönlichen Informationen einsehen, wenn sie das möchte. Denn, wie NOYB erklärt: „Die chinesische Gesetzgebung sieht keine Beschränkungen für den Zugriff der Regierung auf Daten innerhalb Chinas vor.“ Sie verpflichte Unternehmen sowie Bürger, „mit der Regierung zu kooperieren, wenn diese aus Gründen der nationalen Sicherheit oder zur Aufklärung von Straftaten Zugriff auf personenbezogene Daten verlangt“.  

Persönliche Daten, die aktuell etwa nach China gelangen können, sind beispielsweise Kontoinformationen, Inhalte, die Nutzende erstellt und hochgeladen haben oder Standortdaten. Quelle: Egor Komarov, Unsplash.

Was bedeutet das für deutsche Nutzer?

Deutsche Tiktok-Nutzer sind laut NOYB direkt betroffen. Zum einen, weil es seitens Tiktok keine Transparenz darüber gebe, wann diese Übermittlungen stattfinden. Das mache es für Nutzerinnen und Nutzer schwierig, zu erfahren, unter welchen Umständen sie betroffen sind. 

Die Datenübertragungen würden zum anderen nicht auf der Zustimmung der Nutzenden basieren, was bedeutet, dass sie jederzeit stattfinden können, ohne dass die Möglichkeit besteht, die Zustimmung zu widerrufen, da Tiktok nicht um diese bittet.

„Wir bewerten die Umsetzung der DSGVO durch Tiktok als sehr mangelhaft“, schreibt eine Sprecherin von NOYB gegenüber CORRECTIV. Tiktok übermittle nicht nur Daten in Drittländer, zu denen aufgrund seiner Unternehmensstruktur auch China gehören kann, sondern verwende auch personenbezogene Daten von Drittanbietern, „um die Aktivitäten der Nutzer außerhalb der App zu verfolgen“. Deshalb hat die österreichische NGO bereits im Dezember 2025 bei der österreichischen Datenschutzbehörde gegen diese Praxis Beschwerde eingelegt. 

Was Nutzer tun können, um ihre Daten zu schützen

Obwohl die irische Datenschutzbehörde die Datenübermittlung nach China bereits als rechtswidrig eingestuft hat, läuft alles vorläufig weiter. Meike Kamp, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, empfahl daher Ende vergangenen Jahres auf der Plattform datenschutz.de, worauf Userinnen und User achten können, wenn sie ihre Daten schützen wollen:

Kamp rät, sich die Mitteilungen und Datenschutzerklärungen sorgfältig durchzulesen und die App-Berechtigungen für Kamera, Mikrofon und Standort einzustellen. Nutzende sollten sich bewusst entscheiden, ob Tiktok unter diesen Umständen weiterhin genutzt werden möchte. Außerdem sollten sie grundsätzlich zurückhaltend mit sensiblen Informationen umgehen. 

Redigatur: Ulrich Kraetzer
Faktencheck: Katarina Huth