Politik

Verfälschtes Zitat von CDU-Politiker Kiesewetter zu Nord-Stream-Pipelines kursiert erneut

Laut Beiträgen in Sozialen Netzwerken soll CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter in einem Interview mit der Welt 2024 die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines als „in unserem Interesse“ bezeichnet haben. Das stimmt nicht.

von Kimberly Nicolaus , Sara Pichireddu

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CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte 2024 in einem Interview mit der Welt, dass die Sicherheit der Ukraine im Interesse Deutschlands sei. Diese Aussage wird in Sozialen Netzwerken immer wieder verfälscht. (Foto: Sachelle Babbar / Zumapress / Picture Alliance)
Behauptung
Roderich Kiesewetter habe am 16. August 2024 gegenüber der Welt gesagt: „Selbst wenn die Ukraine Nordstream zerstört haben sollte, ist das in unserem Interesse.“
Bewertung
Falsch. Kiesewetter sagte in dem Welt-Interview wörtlich: „Die Sicherheit der Ukraine – egal, ob sie das zerstört haben sollten oder nicht – ist in unserem Interesse.“

In der Nähe von Bornholm, Dänemark, wurden im September 2022 die Nord-Stream-Pipelines gesprengt. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zu der Sabotage dauern an. 

Vor diesem Hintergrund verbreitet sich erneut ein angebliches Zitat des CDU-Außenpolitikers Roderich Kiesewetter in Sozialen Netzwerken, das als Sharepic immer wieder in Umlauf ist. Demnach soll er in einem Interview mit der Welt am 16. August 2024 gesagt haben, dass es in „unserem Interesse“ sei, wenn die Ukraine die Nord-Stream-Pipelines zerstört habe. Doch das hat Kiesewetter so nicht gesagt. 

Dieses Zitat wird fälschlich dem CDU-Politiker Roderich Kiesewetter zugeschrieben. Im Interview mit der Welt bezog er sich aber auf die Sicherheit der Ukraine, die im Interesse Deutschlands sei. (Quelle: Instagram / @gemuesemicha; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Dieses Zitat wird fälschlich dem CDU-Politiker Roderich Kiesewetter zugeschrieben. Im Interview mit der Welt bezog er sich aber auf die Sicherheit der Ukraine, die im Interesse Deutschlands sei. (Quelle: Instagram / @gemuesemicha; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

CDU-Politiker Kiesewetter sagte nicht die Sabotage, sondern die Sicherheit der Ukraine sei „in unserem Interesse“

In dem besagten Welt-Interview wurde Kiesewetter zur Berichterstattung des Wall Street Journals vom 14. August 2024 befragt. Darin wurden private Geschäftsleute und Militärangehörige aus der Ukraine für die Sabotage verantwortlich gemacht. Weiter hieß es, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe den Plan anfangs genehmigt. Die Informationen des Wall Street Journals basierten auf Aussagen mehrerer Personen, die angaben, an der Sabotage beteiligt oder darüber informiert gewesen zu sein. 

Den Artikel lobte Kiesewetter gegenüber der Welt, gleichzeitig kritisierte er einige Aspekte darin und nannte sie „Spekulationen“. Daraufhin fragte Welt-Journalistin Tatjana Ohm, warum er die Ukraine verteidige. Kiesewetter erwiderte darauf unter anderem: „Die Sicherheit der Ukraine – egal, ob sie das zerstört haben sollten oder nicht – ist in unserem Interesse“ (ab Minute 2:26). 

Anders als behauptet, bezog sich Kiesewetter mit der Formulierung „in unserem Interesse“, also ausschließlich auf die Sicherheit der Ukraine, nicht auf die Sabotage an den Pipelines.

Bundesanwaltschaft ermittelt weiter zur Sabotage der Nord-Stream-Pipelines

Bis heute gibt es für die Vorwürfe aus dem Artikel des Wall Street Journals keine unabhängigen Belege. Die ukrainische Regierung dementierte, an den Sprengungen beteiligt gewesen zu sein. Dagegen spricht die Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) von Mitte Dezember 2025. Aus einem veröffentlichten Beschluss geht hervor, dass der BGH die Sabotage als „fremdstaatlichen Auftrag“ wertet. Wie mehrere Medien und das juristische Onlinemagazin Legal Tribune Online berichteten, ist damit die Ukraine gemeint. 

Noch sind die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Deutschland nicht abgeschlossen (Stand: 26. Februar 2026). Ein tatverdächtiger Ukrainer sitzt seit November in Deutschland in Untersuchungshaft, ein weiterer Beschuldigter wurde in Polen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Redigatur: Matthias Bau, Paulina Thom

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Interview mit Roderich Kiesewetter, Die Welt, 16. August 2024: Link (archiviert)