KI-generierte Videos zeigen gewaltsamen Widerstand gegen ICE-Agenten
Priester verweisen ICE-Agenten aus ihrer Kirche, Frauen schlagen sie mit einer Hand zu Boden: Ein Instagram-Kanal veröffentlicht massenhaft KI-Videos, die solche Szenen zeigen. Das kann gefährliche Folgen haben.
Faktensammlung
Frauen schlagen Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement), Priester verweisen sie von ihren Kirchen, Polizisten verhaften sie: Das sollen Videos auf dem Instagram-Kanal „mikewaynedotcom“ zeigen. Die Behörde macht mit ihren brutalen Eingriffen Schlagzeilen, im Januar erschossen ICE-Mitarbeiter zwei Menschen in Minneapolis, was zu landesweiten Protesten in den USA führte. Die Szenen auf Instagram scheinen diesen Widerstand abzubilden. Eine Faktenforum-Nutzerin zweifelt jedoch an ihrer Echtheit, sie reichte sie uns deswegen zur Überprüfung ein.
Mehrere Videos enthalten deutliche Hinweise darauf, dass sie mit Künstlicher Intelligenz erstellt worden sind. In einem Video, auf dem Polizisten angeblich zwei ICE-Agenten verhaften, steht auf dem Gebäude im Hintergrund „Seatte Precinct“, damit ist wohl das Polizeirevier in Seattle gemeint, doch das „l“ im Namen der Stadt fehlt. In einem weiteren Video hält ein ICE-Agent eine Frau fest, die deutlich kleiner ist als er. Sie stehen vor einer Moschee, die Frau trägt ein Kopftuch. Mit einer Bewegung ihrer rechten Hand, die nur die Luft berührt, schüttelt die Frau den Mann ab, er fällt daraufhin mehrere Schritte nach hinten.
Ein anderes Video soll zeigen, wie Polizisten und ICE-Agenten sich eine gewaltsame Auseinandersetzung in einer U-Bahnstation liefern. Dabei fallen mehrere Dinge auf. Während einer der ICE-Mitarbeiter spricht, blinzeln seine Zähne hervor, obwohl er eigentlich eine Gesichtsmaske trägt. Am Anfang des Videos ist der Name der Station „Barclays Center“ zu sehen. Sie existiert tatsächlich, doch sie heißt eigentlich „Atlantic Avenue Barclays Center Station“ – das steht auch auf den Schildern dort, wie online auf mehreren Fotos und Videos zu sehen ist. Im Hintergrund ist zudem ein Schild mit Schriftzeichen zu sehen, die es nicht gibt – sie sehen wie verschmolzene Buchstaben aus. Außerdem sehen die Ticketschranken dort anders aus als im Video, wie ein Medienbericht zeigt.
Hintergrund zum Kanal: Das Instagram-Profil „Mikewaynedotcom“ veröffentlicht täglich mehrere Videos von solchen vermeintlichen Interaktionen. Weder aus der Kanalbeschreibung noch aus der Beschreibung einzelner Videos ist ersichtlich, dass es sich um KI-generierte Inhalte handelt. Im Profil ist eine Webseite verlinkt, die für Beratungen wirbt – unter anderem für eine „KI-Content-Strategie“.
Eine Suche nach „Mikewayne“ und „ICE“ führt zu mehreren Medienberichten. Die Faktencheck-Organisation Lead Stories fand in mehreren Videos das Logo der KI-App Sora. Das US-Magazin Wired schrieb Ende Januar, dass der Account schon mehr als 1.000 Videos hochgeladen habe. Die Videos seien eine Art Parallelrealität, schreibt das Medium, in dem „die Leidenschaft und Wut der Amerikaner, die sich gegen die Besetzung ihrer Städte durch die Regierung wehren, keine Menschenleben kostet“. Das britische Medium The Canary warnt hingegen, dass die KI-Videos Menschen zu potenziell gefährlichen Auseinandersetzungen mit ICE-Agenten ermutigen könnten.
Auf unsere Anfrage antwortete der Inhaber des Instagram-Kanals nicht.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Max Bernhard