Weitere Anklage wegen schadstoffbelasteter Böden
Nach der Anklage gegen einen Müll-Makler legt die Staatsanwaltschaft Dortmund jetzt nach und klagt zwei weitere Verdächtige im sogenannten Ermittlungskomplex „Boden NRW“ an. Sie haben womöglich teils gemeinsame Sache mit dem Makler gemacht.
Die Ermittlungen der Zentralstelle für die Verfolgung von Umweltkriminalität in NRW gegen mehrere Firmen aus dem Bau-, Transport- und Entsorgungsgewerbe haben zu einer weiteren Anklage geführt. Das gab die bei der Staatsanwaltschaft Dortmund angesiedelte Stelle am 20. März in einer Pressemitteilung bekannt.
Angeklagt sind zwei Beschäftigte einer Transportfirma aus Erkelenz: die 57-jährige Geschäftsführerin und der 59-jährige, wegen Umweltdelikten bereits vorbestrafte Betriebsleiter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unerlaubten Umgang mit Abfällen und unerlaubtes Betreiben von genehmigungspflichtigen Anlagen vor.
6,5 Millionen Euro Entsorgungskosten
Das Duo soll für die illegale Entsorgung von insgesamt rund 125.000 Tonnen schadstoffbelasteter Böden und anderer, teils gefährlicher Abfälle verantwortlich sein. Der Müll soll sich auf drei Orte im Landkreis Heinsberg verteilen: Wassenberg, Erkelenz und Selfkant. Die Entsorgung der dort abgelagerten Materialien wird laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft insgesamt mindestens 6,5 Millionen Euro kosten.
Erst vergangene Woche gaben die Umweltermittler bekannt, dass sie einen 63-jährigen Mann aus Unna wegen ähnlicher Vergehen angeklagt haben. Bei ihm handelt es sich nach CORRECTIV-Recherchen um einen Müll-Makler, der zuvor schon in einen Skandal um die illegale Entsorgung giftiger Ölpellets verwickelt war.
Gemeinsame Sache mit angeklagtem Makler?
Der Makler aus Unna machte womöglich auch mit den beiden neuesten Beschuldigten gemeinsame Sache. Wie er sollen auch sie ihre schmutzige Ladung unter anderem nach Selfkant nahe der niederländischen Grenze verfrachtet haben. Allein dort sollen sie rund 45.000 Tonnen belasteten Boden und andere Abfälle wie alte Katalysatoren illegal angehäuft haben.
Bei dem Grundstück handelt es sich um dieselbe Fläche, auf der auch Lieferungen des Maklers gelandet sein sollen. Das bestätigte auf Anfrage von CORRECTIV die Dortmunder Staatsanwaltschaft. Rund die Hälfte der in Selfkant aufgetürmten Abfälle dürfte demnach über ihn dorthin gelangt sein. „Es gab eine geschäftliche Beziehung zwischen den Angeschuldigten aus Erkelenz und dem Unternehmen, für das der Angeschuldigte aus Unna tätig gewesen sein soll“, führte die Anklagebehörde weiter aus.
Mehr als 40 Verdächtige
Die Zentralstelle für die Verfolgung von Umweltkriminalität ermittelt seit mehr als anderthalb Jahren gegen mehrere Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 40 verdächtige Personen hat sie im Visier. Sie sollen Teil eines kriminellen Netzwerkes sein, das im großen Stil belasteten Boden und andere Abfälle illegal entsorgt hat. Mehrere Orte sollen betroffen sein, darunter der Tagebau Garzweiler und Kiesgruben in Kamp-Lintfort.
Faktencheck/Redigat: Ulrich Kraetzer