Noah Krieger steht im tschetschenischen Nirgendwo – im Anschlag das Sturmgewehr. Dann drückt er ab. Seine rund 400.000 Instagram-Follower können Mitte März verfolgen, wie der AfD-Influencer ein Schießtraining mit der Kalaschnikow absolviert. Sein Lehrer: Polizeioffizier Husen Alchanow, ein Vertrauter des tschetschenischen Diktators Ramsan Kadyrow.
Kriegers Follower sahen auch zu, wie der Hannoveraner in Kadyrows Parlament stand oder mit Wehrmachts-Dolch samt Hakenkreuz posierte. Die jüngste Tschetschenien-Reise ist nur die letzte seiner Eskapaden aus den vergangenen Wochen und Monaten – und für das AfD-Mitglied aus Hannover womöglich eine zu viel.
Auf Anfrage von CORRECTIV und iStories teilte die AfD Niedersachsen mit, dass „gegen Noah Krieger beziehungsweise Murad Dadaev“ ein Parteiausschlussverfahren laufe, das in Kürze entschieden sein solle. Weiter wollte sich die Partei zu ihrem Influencer nicht äußern, Krieger selbst war für CORRECTIV für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
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Verbindungen zu regimenahen tschetschenischen Akteuren
Krieger heißt eigentlich Murad Dadaev und stammt aus Tschetschenien. Seit vielen Jahren lebt er in Deutschland und engagiert sich als AfD-Mitglied in Hannover politisch, auch wenn er nie ein offizielles Amt bekleidet hat. In einer angemieteten Villa in der niedersächsischen Landeshauptstadt inszenierte er sich als erfolgreicher Geschäftsmann, der sich für deutsch-russischen Zusammenhalt einsetzt. Er verfügt wohl über einen der größten parteinahen Accounts bei Instagram.

Kurz nachdem CORRECTIV und iStories im Dezember 2025 aufgedeckt hatten, dass Dadaev Kontakt zu regimenahen tschetschenischen Akteuren hielt und sie mit viel Pomp in der prunkvollen Hannoveraner Villa empfing, flog er aus seiner Villa, reiste durch Deutschland und Österreich – und vor wenigen Wochen schließlich nach Tschetschenien.
Keine Berührungsängste zu Schergen des Regimes
Den Instagram-Stories zufolge traf Dadaev in Tschetschenien unter anderem den stellvertretenden Regierungschef der tschetschenischen Republik Achmed Dudaev.
Mit Samid Tschalajew, dem Kommandeur eines nach Kadyrows Vater benannten Spezialpolizeiregiments, ließ er sich im Restaurant abbilden. Nach Berichten der Nowaja Gaseta führt das Regiment unter Tschalajews Führung außergerichtliche Hinrichtungen in Tschetschenien durch.
Als Gastgeschenk brachte Dadaev seinen tschetschenischen Kontakten offenbar einen Dolch der Wehrmacht aus der NS-Zeit mit, auf dem ein Hakenkreuz abgebildet ist. Außerdem besuchte Dadaev eine feierliche Sitzung im tschetschenischen Parlament zum Tag der Verfassung der Republik, an der auch das tschetschenische Oberhaupt Ramsan Kadyrow teilnahm.
Wie CORRECTIV und iStories nun erfuhren, geht das selbst der AfD zu weit. Doch selbst wenn Dadaev aus der Partei fliegt, bleibt die Frage: Was, wenn er wieder nach Deutschland zurückkehrt?
Ein Sicherheitsrisiko?
Manche von Dadaevs Instagram-Beiträgen vor seiner Abreise nach Tschetschenien wirkten, als hätte er mit Deutschland gebrochen. Offen ist daher, ob Krieger überhaupt Rückkehrabsichten hat.
Im Gespräch mit iStories hatte Dadaev im vergangenen Winter angegeben, die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten zu haben, ohne dass er seine russische aufgeben musste. Sollte Dadaev tatsächlich nach Deutschland zurückkehren wollen, könnten die deutschen Behörden ihm nur zuschauen – das aber vermutlich mit besonderer Gründlichkeit.
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