Keine Investitionsplattform – Tagesschau-Artikel und Video mit Friedrich Merz sind manipuliert
Angeblich gebe es eine Investitionsplattform der Bundesregierung, über die Bürger reich werden könnten. Davon soll Friedrich Merz berichtet haben. Doch das Video ist manipuliert und führt zu Fake-Webseiten.
Angeblich hat Bundeskanzler Friedrich Merz „das gesamte deutsche Volk“ beim Weltwirtschaftsforum in Davos um Verzeihung gebeten. Denn er habe die Bürgerinnen und Bürger noch nicht über eine neue Investitionsplattform der Bundesregierung aufgeklärt, über die man mindestens 1.000 Euro pro Tag verdienen könne.
Ein Video, das den Kanzler fälschlicherweise bei dieser Erklärung zeigen soll, kursierte Ende April 2026 kurzzeitig als Werbeanzeige auf Tiktok. Offenbar ist es nicht das Einzige, das in Umlauf ist.

Friedrich Merz sprach nicht über Investitionsplattform, sondern über den Krieg in der Ukraine
Das Bildmaterial in der Anzeige stimmt mit einer Aufnahme des Weltwirtschaftsforums vom 21. Januar 2025 überein. Etwa ab Minute 32 Sekunde 30 sind die Bewegungsabläufe der Körper- und Kopfhaltung von Friedrich Merz dieselben – abgesehen von den Mundbewegungen, die wohl der neuen Tonspur angepasst wurden. Das Originalvideo zeigt, dass Merz nicht über eine Investitionsplattform, sondern über den Krieg in der Ukraine sprach.
Wer in der Tiktok-Werbeanzeige auf „weitere Informationen“ klickt, landet wahlweise auf einer vermeintlichen Webseite der Bundesregierung oder einer vermeintlichen Webseite der Tagesschau. Beides sind jedoch Fälschungen. Das ist anhand der Internetadresse (URL) erkennbar. Anstelle von „bundesregierung.de“ und „tagesschau.de“ lauten die URLs der Fake-Webseiten „ousugid.space“. Zudem fehlt jeweils das Impressum, es zeigt sich also niemand für die Inhalte verantwortlich und auch die Links für Unterseiten funktionieren nicht.
Weder auf dem echten Internetauftritt der Bundesregierung noch bei der Tagesschau wird über die angebliche Investitionsplattform berichtet – es gibt sie nicht.

Dahinter steckt ein Betrugsversuch. Gibt ein Nutzer seine Daten ein, folgt danach lediglich die Information, dass er innerhalb von 24 Stunden einen Anruf erhalte. Wie diese Masche funktioniert, haben wir bereits hier ausführlicher erklärt.
Vorsicht vor Werbeanzeigen, hinter denen Betrugsmasche steckt
Für diese Art von Betrugsmasche werden häufiger Politiker und Prominente herangezogen. So prüften wir unter anderem ähnliche Falschbehauptungen über Joko Winterscheidt, Til Schweiger, Annalena Baerbock oder Alice Weidel.
Wie das Medienmagazin Zapp bereits 2023 berichtete, steckt hinter solchen Fake-Anzeigen auf Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder X ein riesiges internationales Geschäftsfeld. Fünf Millionen Euro soll allein ein Deutscher wegen der Betrugsmasche verloren haben, erklärte damals ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Laut einer Pressemitteilung der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wurde Ende April – nach zwei Jahren internationaler Ermittlungsarbeiten – ein Netzwerk an Betrügern dieser Masche in Albanien ausgehoben.
CORRECTIV.Faktencheck hat solche Fake-Werbeanzeigen nun erstmals auch auf Tiktok entdeckt. Inzwischen sind die Anzeigen gelöscht. Unklar ist, ob noch weitere kursieren. Unsere Fragen dazu beantwortete Tiktok nicht.
Redigatur: Sara Pichireddu, Max Bernhard
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