Nein, diese Karte zeigt keine Hantavirus-Fälle
In Sozialen Netzwerken verbreitet sich eine Karte, die nach dem Ausbruch des Andes-Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff angeblich sehr viele Fälle weltweit zeigt. Doch die Punkte auf der Karte von „hantavirusmap.com“ haben eine andere Bedeutung.
„Schaut euch mal an, wie viele Städte schon betroffen sind“, warnt ein Nutzer in einem Tiktok-Video und zeigt dazu eine Weltkarte, die angeblich Hantavirus-Fälle ausweist. Es handle sich um „belegte Statistiken“ und „keine Panik-Macherei“. Mehrere Länder sind rot, orange oder gelb eingefärbt, darunter auch Deutschland.
Videos, wie dieses, verbreiten sich im Mai international auf Tiktok, Instagram und Facebook. Sie erreichen teils Millionen Aufrufe. Wenige Tage zuvor wurde bekannt, dass auf einem Kreuzfahrtschiff vor der westafrikanischen Küste der Andes-Typ des Hantavirus ausgebrochen war. Diese Variante ist von Mensch zu Mensch übertragbar.
Anhand der Weltkarte wird auch behauptet, das Hantavirus sei in München, oder nah an Kassel und, dass „die Geschichte“ sich wiederhole – mutmaßlich ist damit die Corona-Pandemie gemeint. Doch laut Fachleuten ist das Risiko einer Erkrankung für die Allgemeinbevölkerung gering. Zudem zeigt die Weltkarte gar keine Hantavirus-Fälle.

„Hantavirusmap.com“ zeigt keine bestätigten Fälle, sondern Zahl an Medienberichten
Die Weltkarte stammt von einer Webseite namens „hantavirusmap.com“. Laut der öffentlich einsehbaren Registrierungsdaten wurde die Domain am 5. Mai 2026 registriert, also kurz nach dem Ausbruch.
Unter „Methodik“ heißt es auf der Webseite: „Ein Pin kennzeichnet eine Nachrichtenmeldung, keinen bestätigten Fall.“ Das bedeutet, die Zahl 16 für Deutschland (Stand: 19. Mai 2026) entspricht nicht 16 Hantavirus-Fällen, sondern 16 Nachrichtenbeiträgen über das Hantavirus in Deutschland. Ein entsprechender Hinweis wurde inzwischen auf der Startseite der Webseite ergänzt. Die Nachrichtenbeiträge sind auf der Karte auch abrufbar.

Die Webseite wird von einer Person aus den Niederlanden betrieben. Auf Anfrage schreibt uns der Betreiber, es sei nie seine Absicht gewesen, dass die Karte missverstanden wird. Er arbeite kontinuierlich daran, auf der Webseite deutlicher zu machen, dass es um Nachrichtenbeiträge gehe und nicht um Fallzahlen.
RKI: Bislang keine Andes-Hantavirus-Fälle in Deutschland bekannt
Abseits der „Nachrichtensignale“ heißt es auf der Webseite aber auch: In Deutschland sei eine infizierte Person anwesend. Das stimmt jedoch weder für die Andes-Variante noch für andere Hantaviren.
So schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI), dass bislang keine Andes-Hantavirus-Fälle in Deutschland bekannt seien (Stand: 18. Mai 2026). Was andere Hantaviren betrifft, wurden laut der RKI-Datenbank insgesamt fünf Fälle in der Woche 11. bis 17. Mai an das RKI gemeldet (Stand: 18. Mai 2026). Das ist keine erhöhte Fallzahl. Hinsichtlich der vergangenen 20 Jahre bewegt sie sich im unteren Bereich.
Der Betreiber der Webseite hat den Fehler nach unserer Presseanfrage korrigiert und erklärt, Hintergrund des Fehlers sei eine falsche Klassifizierung gewesen. Bei der fälschlich als Hantavirus-Fall klassifizierten Person handle es sich lediglich um eine Person, die in Quarantäne ist.
Risiko für Andes-Hantavirus-Erkrankung ist laut Fachleuten für Allgemeinbevölkerung gering
Nach Ausbruch der Andes-Variante auf dem Kreuzfahrtschiff befinden sich laut dem Bundesgesundheitsministerium und dem RKI insgesamt sechs Kontaktpersonen in Deutschland in Quarantäne. Empfohlen wird eine Quarantänezeit von sechs Wochen. Laut Bundesgesundheitsministerium sind die Personen bislang symptomfrei (Stand: 19. Mai 2026).
Zudem schätzen die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das European Centre for Disease Prevention and Control und mehrere Fachleute das Risiko durch das Andes-Hantavirus für die Allgemeinbevölkerung als „gering“ oder „sehr gering“ ein. Auf der Webseite des RKI heißt es weiter, dass eine Ansteckung des Andes-Hantavirus von Mensch zu Mensch bei engem Kontakt in seltenen Fällen möglich sei. Während das Andes-Hantavirus zu einem schweren Krankheitsbild mit hoher Sterblichkeit führen könne, führten die in Deutschland vorkommenden Hantaviren überwiegend zu milden Verläufen.
Redigatur: Steffen Kutzner, Max Bernhard
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