Kein echter Vorfall bei Ikea: Tiktok-Video ist Mischung aus KI und alten Aufnahmen
Alte Polizeiaufnahmen, ein seltsam eingerichteter Ikea und auffällige Bildfehler: Ein Tiktok-Video kombiniert KI mit Material aus verschiedenen Quellen, um Stimmung gegen Geflüchtete zu machen.
Faktensammlung
Mehrere Accounts teilen Videos auf Tiktok, die sich sehr ähneln und dieselbe Geschichte erzählen: Der Sohn einer Geflüchteten habe bei Ikea mit Filzstift ein Sofa angemalt. Das habe zu einem Polizeieinsatz geführt. Die Videos bestehen aus kurzen zusammengeschnittenen Sequenzen. Mehrmals ist ein Junge zu sehen, der mit einem Stift auf ein weißes Sofa malt. Die erwachsene Frau daneben – laut Video seine Mutter – greift nicht ein.
Es gibt bei den Szenen mit der Frau und dem Jungen mehrere Hinweise darauf, dass sie mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Die Frau verändert zwischen den Schnitten auffällig ihr Aussehen. Sie trägt in manchen Szenen einen Dutt, zwischendurch einen Pferdeschwanz, ihre Ohrringe und ihr Outfit wechseln ebenfalls. Diese Kontinuitätsfehler sind typisch für KI-generierte Videos.
Ein weiteres auffälliges Detail gibt es bei der Polizeiuniform: Auf der Hose des Polizisten steht die Aufschrift „Police“ statt „Polizei“. Stutzig macht auch die Einrichtung des Ladens. Ikea-Filialen sind typischerweise anders als im Video angerichtet: Die Sofas haben Preisschilder, auf ihnen liegen Kissen, daneben gibt es oft Tische oder andere Elemente. Im Video sind nur schwarze, graue und weiße Sofas in einer Halle ohne jegliche Einrichtung zu sehen.
Zwischen die Szenen im Möbelhaus sind Szenen geschnitten, die nachweislich aus verschiedenen Orten in Deutschland stammen. Auch inhaltlich widersprechen sie sich:
Mehrere Polizisten treten in verschiedenen Ausschnitten auf. Der erste gezeigte Polizist trägt eine Schirmmütze mit dem bayerischen Wappen. Er steht in einem Lebensmittelgeschäft, nicht in einem Möbelhaus. Ein weiterer Ausschnitt zeigt einen Polizisten mit gelber Warnweste, der in die Kamera spricht. Diese Szene stammt aus einem Stern-TV-Beitrag über einen Polizeieinsatz vom 15. März 2026, wie eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt. Dabei geht es nicht um Ikea, sondern um einen Einsatz am Hauptbahnhof Hannover.
Ein weiterer Clip zeigt einen Streifenwagen mit einem Kennzeichen aus dem Heidekreis in Niedersachsen. Das Auto fährt am „Hotel Grand Soltau“ vorbei, das in Soltau im Heidekreis liegt. Das konnten wir über einen Abgleich des Gebäudes mit Google Maps belegen.
Im Video ist auch eine Ikea-Filiale von außen zu sehen. Sie lässt sich durch die markante Fassade per Bilder-Rückwärtssuche in Karlsruhe, Baden-Württemberg, verorten.
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Im Video wird behauptet, der Vorfall habe sich am 10. Mai ereignet. Doch 2026 fiel dieses Datum auf einen Sonntag. Hinweise auf einen verkaufsoffenen Sonntag in einer deutschen Ikea-Filiale an diesem Tag fanden wir nicht.
Polizeimeldungen oder Medienberichte zu einem solchen Vorfall fehlen. Die Pressestelle von Ikea Deutschland teilte uns auf Anfrage mit, ihnen lägen „keinerlei Hinweise auf einen realen Vorfall aus unseren Einrichtungshäusern vor“. Zudem trage der gezeigte Mitarbeiter keine Ikea-Arbeitskleidung, und in den Ausstellungsräumen seien generell keine Kameras installiert. „Aus unserer Sicht handelt es sich bei dem Video eindeutig um eine Fälschung“, schrieb uns die Pressestelle. Der Tiktok-Account, der das Video nach unseren Erkenntnissen ursprünglich veröffentlichte, war für eine Anfrage nicht erreichbar.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Anna Süß; Redigatur: Viktor Marinov