„Studio-Eskalation bei Maischberger: Chrupalla stellt Merz bloß – live und ohne Skript“, heißt es in einem Artikel, der den Eindruck eines ZDF-Berichts erweckt. Zentraler Punkt soll dabei gewesen sein, dass AfD-Co-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Tino Chrupalla, eine vermeintlich geheime Finanz-Software enthüllt habe, mit der sich Bundeskanzler Friedrich Merz und andere aus Regierungskreisen bereichern würden.
Schon die zeitlichen Angaben sind widersprüchlich: Als wir den Artikel am 28. August aufrufen und archivieren, trägt er das Datum 28. August 2026 und behauptet, die Sendung sei „gestern Abend“ gelaufen. Der 27. August 2026 war jedoch ein Donnerstag; Maischberger läuft jedoch nur regulär dienstags und mittwochs. Ruft man die Seite am 31. August auf, steht als Datum der 31. August über dem Text. Das Problem ist das gleiche: „gestern“ wäre auch in diesem Fall ein Wochentag ohne Maischberger-Ausstrahlung.
perma.cc
ardmediathek.de/maischberger
Bilder stammen aus einer anderen Maischberger-Sendung
Merz war zwar schon zu Gast bei Maischberger, etwa im Juli 2025, aber nie zusammen mit Tino Chrupalla. Es gibt weder mit einer Google-Suche, noch mit einer Suche bei der Pressedatenbank Genios irgendwelche Hinweise darauf. Auch im Sendungsarchiv von Maischberger findet sich in den vergangenen Monaten kein gemeinsamer Auftritt von Merz und Chrupalla.
Das verwendete Titelbild scheint eine Fotomontage zu sein. Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt, woher die im gefälschten Artikel verwendeten Aufnahmen von Chrupalla stammen. Sie führt zu einem Bericht der Süddeutschen Zeitung über eine Maischberger-Sendung vom 23. Januar 2024. Die Sendung ist auch auf Youtube abrufbar.
Mehrere Details stimmen mit den Bildern im gefälschten Artikel überein: Chrupallas Kleidung, der Hintergrund sowie seine Körperhaltung. So findet sich eine genau gleiche Szene bei Minute 1:36. Chrupalla diskutierte in der Sendung allerdings nicht mit Merz, sondern mit dem Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Olaf Sundermeyer.
youtube.com/merz-bei-maischberger
perma.cc/google-suche
perma.cc/genios-suche
ardmediathek.de/maischberger
sueddeutsche.de/medien/maischberger-tv-kritik
youtube.com/chrupalla-bei-maischberger
Gefälschter Artikel führt zu einem vermeintlichen Investmentangebot
Der gefälschte Artikel ist im Interviewformat gehalten und bewirbt eine Finanzsoftware namens Loravexo, die angeblich nur „ausgewählte Kreise in Regierung und Wirtschaft“ nutzen. Mehrfach führen Links zu einem Registrierungsformular für das angebliche Produkt. Dabei wird Zeitdruck erzeugt: Eine Anmeldung sei nur noch am selben Tag möglich; die Mindesteinzahlung betrage 250 Euro.
Sucht man bei Google nach dem Namen der Software, finden sich gerade einmal vier Einträge. Die vermeintliche Enthüllung eines Geheimnisses soll Menschen zu einer Einzahlung bewegen – eine Masche, die typischen Fällen von Anlagebetrug ähnelt und vor der die Verbraucherzentrale warnt.
perma.cc/registrierung
verbraucherzentrale.de
Masche mit Merz und Krypto-Scams ist bekannt
Immer wieder werden Webseiten verbreitet, die wie Artikel von vertrauenswürdigen Quellen aussehen, aber Fälschungen sind und genau solche Krypto-Scams bewerben. Auch Friedrich Merz ist nicht das erste Mal Opfer solcher Unterstellungen. Im Frühjahr wurde etwa ein Video mit ihm gefälscht. Auch Alice Weidel wurde der Betrug schon einmal in den Mund gelegt.
correctiv.org/faktencheck-merz
correctiv.org/faktencheck-weidel
Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Steffen Kutzner; Redigatur: Caroline Lindekamp, Sara Pichireddu