Angela Merkels Doktorarbeit: Nein, keine wissenschaftlichen Beweise für Plagiat

Nach einer Online-Meldung der Webseite „Anonymousnews.ru“ kursieren im Internet Spekulationen um Angela Merkels Doktorarbeit. Die Seite behauptet, eine wissenschaftliche Analyse ergebe den Beweis, bei Angela Merkels Dissertation handele es sich um ein Plagiat. Doch Belege für diese Behauptung gibt es nicht.

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Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es keine Hinweise auf Plagiate oder plagiatsverdächtige Stellen in Angela Merkels Dissertation. (Symbolbild Odd Andersen / AFP)

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Eine wissenschaftliche Analyse liefere Beweise, Angela Merkels Doktorarbeit sei ein Plagiat. Die Hauptaussage der Meldung lautet, die Dissertation entspräche nicht den Vorschriften einer wissenschaftlichen Arbeit. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Unbelegt

Worum geht es?

Nach einer Online-Meldung der Webseite Anonymousnews.ru kursieren im Internet Spekulationen um Angela Merkels Doktorarbeit. Die Seite behauptet, eine wissenschaftliche Analyse liefere den Beweis, bei Angela Merkels Dissertation handele es sich um ein Plagiat. Doch Belege für diese Behauptung gibt es nicht.

Was stimmt?

Da aus dem Artikel weder hervorgeht, welche Vorschriften gemeint sind, noch eine Quelle für diese Aussage angegeben ist, werden in den Kommentaren kontroverse, unbelegte Vermutungen angestellt. Wissenschaftliche Rezensionen erkennen die Dissertation Angela Merkels hingegen grundsätzlich an.

Dr. Wolfgang Domcke, Professor für Theoretische Chemie an der TU München, urteilte 2005 laut Süddeutsche Zeitung, die Arbeit sei „keine wissenschaftliche Revolution“ aber außerordentlich „substanziell, sorgfältig bearbeitet und fehlerfrei“.

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt er schriftlich: „Die Relevanz der Arbeit von Frau Dr. Merkel liegt in den durchgeführten quantenmechanischen Berechnungen, welche für die damalige Zeit eine wissenschaftliche Spitzenleistung waren, sowie in den daraus folgenden neuen Einsichten über mikroskopische Mechanismen von Verbrennungsprozessen.“ Domcke verweist darauf, dass er für die Arbeit „eine glatte Eins“ vergab. Frau Merkels Schreibstil und die Zitatauswahl seien im Fach Physik irrelevant.

Antwort von Wolfgang Domcke per Email

Auch Ulrich Schnabel, Physiker und Redakteur im Ressort „Wissen“ der Zeitung Die Zeit, hat gemäß einem Artikel vom 14.07.2005 keinerlei Hinweise auf Plagiate oder ähnliches gefunden. Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt er mit, dass ihm bis heute „keine konkrete Anschuldigung oder Verdachtsmomente vorliegen“.

Antwort von Ulrich Schnabel per Email

Prof. Dr. Ursula Gresser prüfte Frau Dr. Merkels Dissertation im Jahre 2013 für die Webseite „Politplag.de“. Sie hat „in der Dissertationsschrift von Frau Merkel keine Hinweise auf Plagiate oder plagiatsverdächtige Stellen gefunden.“ In einer schriftlichen Stellungnahme kommt sie zu dem Ergebnis: „Es war ordentlich zitiert, und der Stil der Arbeit entsprach dem Entstehungsjahr und den Möglichkeiten in der DDR.“

Antwort von Ursula Gresser per Email

Angela Merkels Doktorvater Lutz Zülicke war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Fazit:

Fehlende Belege. Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es keine Hinweise auf Plagiate oder plagiatsverdächtige Stellen in Angela Merkels Dissertation. In bisher veröffentlichten Rezensionen wird die Arbeit grundsätzlich anerkannt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist daher davon auszugehen, dass Angela Merkels Doktorarbeit alle wissenschaftlichen Kriterien erfüllt.
Von Matthias Schaar, Mitglied der CheckJetzt-Redaktion