Justiz & Polizei

Zollbetrug mit Luxusautos: 3,5 Millionen Euro Schaden für die EU

Eine Schmugglerbande soll mit angeblich kaputten Luxusautos EU-Zollbehörden getäuscht haben. So wurden schätzungsweise 3,5 Millionen Euro an Einfuhrzöllen hinterzogen. Der Fall soll nach CORRECTIV-Informationen vor dem Landgericht in Osnabrück verhandelt werden.

von Till Eckert

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Eine Schmugglerbande soll laut der Europäischen Staatsanwaltschaft mehr als 40 Autos im Wert von knapp 15 Millionen Euro in die EU eingeführt haben, zum Teil über Russland. Dabei hätten sie die Zollbehörden über den Zustand und Wert der Autos getäuscht. (Symbolbild: Peter Broomfield / Unsplash)

Mit falschen Angaben wie „Wasserschaden“ habe eine international agierende Schmugglerbande Luxusautos im Wert von Millionen Euro durch den Zoll geschleust – um bei der Kontrolle weniger Einfuhrgebühren bezahlen zu müssen. In den EU-Kassen fehlen deshalb schätzungsweise 3,5 Millionen Euro. 

Das ist das Ergebnis von Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) und des Zollfahndungsamts Hannover. Der Fall soll vor dem Landgericht in Osnabrück verhandelt werden. Das Gericht bestätigte den Eingang der Anklage und den Sachverhalt gegenüber CORRECTIV am Montag. Derzeit werde die Eröffnung des Verfahrens geprüft, schreibt eine Sprecherin. 

Täter haben Luxusautos im Wert von 15 Millionen Euro in EU eingeführt – ohne die fälligen Gebühren zu entrichten

Im Zentrum stehen vier Personen. Sie werden verdächtigt, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben. Ihnen wird gewerbsmäßiger Schmuggel und die Hinterziehung von Einfuhrabgaben vorgeworfen.

Die Beschuldigten seien Teil einer Bande aus Deutschland, Estland und den Niederlanden. Bereits im Februar 2022 hatte die EPPO die umfangreichen Durchsuchungen im Fall bekannt gemacht.  

Ein von der EPPO beschlagnahmtes Fahrzeug: Ein Porsche Techart im Wert von 90.000 Euro. (Foto: Zollfahndungsamt Hannover)

Zwischen 2018 und September 2021 soll die Bande mehr als 40 Autos im Wert von knapp 15 Millionen Euro in die EU eingeführt haben, zum Teil über Russland. Dabei hätte sie die Zollbehörden über den Zustand und Wert der jeweiligen Autos getäuscht: Sie soll erhebliche technische Mängel an den Fahrzeugen angegeben haben. Spätere Überprüfungen hätten aber ergeben, dass diese in keiner Weise defekt oder beschädigt gewesen seien. Die Angeklagten sollen die Autos anschließend über ihre Autohäuser verkauft haben. 

„Schwerpunktmäßig haben an dem Fall in Deutschland zwei Zollfahnder gearbeitet. Sie haben die Akten geführt und koordiniert“, sagt Jörg Schröder, delegierter Europäischer Staatsanwalt in Hamburg und zuständig für den Fall, gegenüber CORRECTIV. Die EPPO beschlagnahmte im Verlauf der Ermittlungen mehrere Fahrzeuge, darunter einen Ferrari F 430, einen Mercedes SLR McLaren und einen Rolls Royce. Die Autos hatten einen Wert von mindestens 100.000 Euro bis zu 275.000 Euro.

Gruppe arbeitete mit Netz aus Scheinfirmen und falschen Dokumenten

Um den Zoll in den Niederlanden und Litauen effektiv täuschen zu können, habe die Gruppe ein Netz aus Mittelsmännern und Scheinfirmen eingesetzt und gefälschte Dokumente vorgezeigt. Da die Firmen der Beschuldigten laut EPPO im Raum Osnabrück angemeldet sind, wird der Fall am dortigen Landgericht verhandelt. 

„Wir ermitteln aktuell auch andere Betrugsfälle, bei denen es um noch höhere Schäden geht“, sagt Schröder von der EPPO. „Aber dieser Fall und der Zeitpunkt senden ein wichtiges Signal an die EU: er zeigt, wie effektiv und schnell grenzüberschreitende Ermittlungen sind.“

Auf Grundlage der vorliegenden Beweise soll laut EPPO in 32 Fällen ein Verfahren eingeleitet werden. Die Anklagen wurden bei der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Osnabrück eingereicht, die derzeit die Eröffnung des Hauptverfahrens prüft.