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Till Eckert

Faktenchecker

Till recherchiert seit seinem Volontariat 2014 in Aalen zu Rechtsextremismus, Machtmissbrauch und Desinformation. Für ze.tt und Zeit Online widerlegte er 2018 die Behauptung des damaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen, ein Video der Ausschreitungen in Chemnitz sei nicht authentisch. Seit März 2019 spürt er Falschmeldungen und Gerüchten im CORRECTIV.Faktencheck-Team nach.

E-Mail: till.eckert(at)correctiv.org
Twitter: @dertilly

Landtag Baden-W¸rttemberg
Der ehemalige AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon im November 2019 bei einer Rede im baden-württembergischen Landtag. (Foto: Tom Weber / dpa)

von Till Eckert

Der ehemalige AfD-Politiker Wolfgang Gedeon suggerierte in einer Rede im baden-württembergischen Landtag, beim neuartigen Coronavirus könnte es sich um eine US-amerikanische Biowaffe aus dem Labor handeln. Die Wissenschaft widerspricht.

„Gott scheint geopolitisch ein Amerikaner zu sein“, sagte Wolfgang Gedeon, fraktionsloser Abgeordneter, in einer Rede im baden-württembergischen Landtag am 4. März (ab Minute 1:28:54). Thema: Das neuartige Coronavirus. Er erklärt seine Aussage damit, dass die USA „kaum“ vom Virus betroffen seien, stattdessen aber Iran, Deutschland und China. Auch Israel würde angeblich vom Virus verschont, so Gedeon. Ein Ausschnitt der Rede wurde auf Facebook bisher mehr als 14.000 Mal geteilt. 

„Könnte es sein, dass hier jemand dem Schicksal nachgeholfen hat?“, fragt Gedeon. Und behauptet: „Es gibt ganz ernst zu nehmende wissenschaftliche Hinweise, dass dieses Virus nicht in der Natur, sondern in Laboratorien entstanden ist. […] Sind diejenigen, die einen Biowaffen-Angriff von vornherein ausschließen, nicht diejenigen, die an den Weihnachtsmann glauben?“ 

Damit greift Gedeon eine Theorie auf, die schon seit den ersten Nachrichten über den Ausbruch des Coronavirus im Januar im Netz kursiert und nach wie vor verbreitet wird. Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Robert-Koch-Instituts (RKI) sowie einem Statement von mehr als 25 Forschern im Journal The Lancet hat sie aber keinerlei Grundlage – es gibt also keine „wissenschaftlichen Hinweise“ dafür. 

USA waren und sind, anders als von Gedeon behauptet, von Coronavirus betroffen

Gedeon behauptet in seiner Rede unter anderem, die USA seien selbst „überhaupt nicht“ betroffen vom Coronavirus. Das stimmt – und stimmte – nicht. In den USA gibt es laut Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einer Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministerium, aktuell 163.500 Infizierte (Stand: 31. März 2020). Am 4. März, dem Zeitpunkt von Gedeons Rede, lag diese Zahl zwar weitaus niedriger, bei 98 Fällen; aber dass die USA gar nicht betroffen waren, ist falsch.

Coronavirus-Infizierte in den USA laut dem CDC: Am 4. März gab es demnach 98 Fälle. (Screenshot: CORRECTIV)

WHO, RKI und mehr als 25 Forscher widersprechen Theorie von der Biowaffe

Wir haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu der Theorie befragt, das neuartige Coronavirus könnte keinen natürlichen Ursprung haben und im Labor gezüchtet worden sein. Ein Sprecher antwortete uns per E-Mail: „Es gibt immer mehr Beweise für die Verbindung zwischen dem Covid-19 und anderen ähnlichen bekannten Coronaviren, die in Fledermäusen zirkulieren, insbesondere denen der Unterart Rhinolophus.“  

Der Übertragungsweg auf den Menschen zu Beginn dieses Ereignisses ist laut WHO jedoch bisher unklar. „Die derzeit wahrscheinlichste Hypothese ist, dass ein intermediäres Wirtstier bei der Übertragung eine Rolle gespielt hat. Sowohl chinesische als auch externe Expertengruppen arbeiten daran, die tierische Quelle dieses neuen Virus zu identifizieren“, schreibt uns der Sprecher. Auf ihrer Webseite informiert die WHO ausführlich über die Herkunft des Virus.

E-Mail der WHO auf die Frage, ob das neuartige Coronavirus als Biowaffe im Labor gezüchtet worden sein könnte. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben zur Biowaffen-Behauptung außerdem beim RKI angefragt. Per E-Mail antwortete uns eine Sprecherin: „Zu einer solchen Behauptung liegt uns keinerlei Evidenz vor. Aufgrund der bisherigen Datenlage vermutet man, dass SARS-CoV-2 aus einem Fledermaus-Coronavirus hervorgegangen ist.“ Das RKI verweist dazu auf eine Studie im Journal Nature von Anfang Februar, in der dieser Ursprung des Virus als wahrscheinlich bezeichnet wird; es sei 96 Prozent genetisch identisch mit einem Fledermaus-Coronavirus.

E-Mail des RKI auf die Frage, ob das neuartige Coronavirus als Biowaffe im Labor gezüchtet worden sein könnte. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Journal The Lancet schrieben mehr als 25 Forscher, darunter der deutsche Virologe und Leiter der Virologie der Charité Berlin, Christian Drosten, außerdem ein Statement, in dem sie der Behauptung widersprechen: „Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben die Genome des Erregers, des Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) des schweren akuten respiratorischen Syndroms, veröffentlicht und analysiert, und sie kommen mit überwältigender Mehrheit zu dem Schluss, dass dieses Coronavirus wie so viele andere neu auftretende Krankheitserreger aus der Tierwelt stammt.“ 

Die Forscher verweisen dafür auf mehrere Studien und Einschätzungen verschiedener Institutionen aus Wissenschaft und Medizin. „Verschwörungstheorien schaffen nichts anderes als Angst, Gerüchte und Vorurteile, die unsere weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen dieses Virus gefährden“, schreiben die Forscher zudem.

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Gedeons Andeutung, das Virus sei möglicherweise als Biowaffe in einem Labor entstanden, ist demnach irreführend – es gibt laut führenden Gesundheitsinstituten keine Belege dafür, dass das Virus keinen natürlichen Ursprung hat, im Gegenteil. 

Gedeon wurde nach einer Entscheidung des Bundesschiedsgerichts am 20. März 2020 wegen „israelfeindlicher und antisemitischer Positionen“ aus der AfD ausgeschlossen. Er ist seitdem Abgeordneter ohne Parteizugehörigkeit im baden-württembergischen Landtag. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die USA waren und sind vom Virus betroffen; für die Biowaffen-Theorie gibt es keine Belege, die Wissenschaft widerspricht.

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Eine Ratte schlürft an einem Kaffee-Becher. Ratten und Nagetiere gehören zu den Verbreitern des sogenannten Hantavirus. (Symbolfoto: Mert Guller / Unsplash)

von Till Eckert

In einem Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten wird behauptet, in China sei „nun auch das Hantavirus ausgebrochen“. Es gebe einen „ersten Toten“. Das Virus ist in China jedoch eine bekannte, endemische Krankheit mit etwa 100 Toten jedes Jahr.

„In China ist nun auch das Hanta-Virus ausgebrochen, erster Toter in Yunnan“, titelte die Webseite Deutsche Wirtschaftsnachrichten in einem Artikel vom 24. März. Der Text wurde bisher mehr als 6.000 Mal auf Facebook geteilt.

Mit der Überschrift wird auf die aktuelle Coronavirus-Pandemie angespielt und suggeriert, nun gebe es einen zusätzlichen Ausbruch eines gefährlichen Virus. Im Text steht zudem: „Während die ganze Welt aufgrund des anhaltenden Ausbruchs des Coronavirus in eine schwierige Situation gerät, sieht es so aus, als würde sich China auf einen weiteren großen Kampf vorbereiten – diesmal gegen das Hantavirus.“ Doch ist das wirklich so?

Text der Deutschen Wirtschaftsnachrichten. (Screenshot: CORRECTIV)

WHO: Hantavirus ist eine bekannte, endemische Krankheit in China

Als Quelle wird im Text der Deutschen Wirtschaftsnachrichten auf einen Tweet des chinesischen Staatsmediums Global Times vom 24. März verwiesen. Dort steht: „Eine Person aus der Provinz Yunnan starb am Montag auf dem Rückweg in die Provinz Shandong, als sie in einem gecharterten Bus zur Arbeit fuhr. Er wurde positiv auf das #Hantavirus getestet. Weitere 32 Personen im Bus wurden getestet.“ Von einem „Ausbruch“ steht nichts im Tweet. 

Wir haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Informationen zu einem angeblichen aktuellen „Ausbruch“ des Hantavirus befragt. Per E-Mail antwortete ein Sprecher der WHO: „Das Hantavirus ist eine endemische Krankheit in China; jährlich werden etwa 10.000 Fälle gemeldet, und leider sterben pro Jahr etwa 100 Menschen daran.“ Endemisch bedeutet, dass die Krankheit örtlich begrenzt dauerhaft vorkommt. Es sei eine meldepflichtige Krankheit in China, was bedeute, dass die lokalen Regierungen verpflichtet seien, den nationalen Behörden Fälle zu melden. 

E-Mail der WHO zum Hantavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

„Hantavirus-Fälle werden der WHO im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften in der Regel nicht gemeldet, da sie keine Ausbrüche von internationaler Bedeutung darstellen“, schreibt die WHO weiter. Das Hantavirus werde normalerweise vom Tier auf den Menschen übertragen, und nur selten von Mensch zu Mensch.  

Dass es also einen aktuellen „Ausbruch“ des Virus mit einem „ersten Toten“ in China gebe, ist falsch. Das Hantavirus ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) weltweit verbreitet, der Erreger werde hauptsächlich über Nagetiere übertragen. Die Zahlen der Erkrankungen in Deutschland variierten von Jahr zu Jahr stark. In einigen Jahren habe es wenige Hundert Fälle gegeben, in anderen „epidemische Zustände“ in bestimmten Gebieten Deutschlands. Der bisherige Höchstwert waren mehr als 2.800 Fälle im Jahr 2001. 

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Die Webseite „Infektionsschutz.de“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert seit mindestens 2018 auf ihrer Webseite über das Virus und Risikogebiete in Deutschland, dazu zählen ländliche Gebiete wie etwa die Schwäbische und Fränkische Alb. Erkrankte seien in Deutschland aber nicht ansteckend, da eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei den hierzulande verbreiteten Virustypen nicht zu erwarten sei. Auch das RKI schreibt, eine solche Übertragung finde nicht statt, mit Ausnahme eines Virustypus in Südamerika.

Unsere Bewertung:
Falsch. Es gibt keinen aktuellen „Ausbruch“ des Hantavirus mit „erstem Toten“ in China – es handelt sich um eine bekannte, endemische Krankheit mit mehreren Toten jährlich.

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Dieser Facebook-Beitrag suggeriert, das neuartige Coronavirus sei schon seit 2015 bekannt. Doch dieses Virus ist gar nicht gemeint. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Auf älteren Flaschen von Desinfektionsmitteln ist zu lesen, dass es gegen Coronaviren wirksam sei. Daraus leiten Facebook-Nutzer ab, dass das neuartige Coronavirus schon lange bekannt sei. Auf die Viren-Familie trifft das zu, auf die aktuelle Pandemie nicht.

 In mehreren Facebook-Beiträgen wird anhand von Bildern, die Aufschriften von Desinfektionsflaschen zeigen, derzeit suggeriert, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 sei schon lange bekannt gewesen – so etwa hier und hier

Die Familie der Coronaviren ist schon seit Mitte der 1960er-Jahre bekannt, wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite schreibt. Auch bei SARS und MERS handelt es sich um Coronaviren. Bei SARS-CoV-2 wird daher von Experten auch von einem „neuartigen“ Coronavirus gesprochen. Da es lange keinen eigenen Namen hatte, setzen viele Menschen SARS-CoV-2 offenbar mit dem Begriff „Coronavirus“ gleich. 

Informationen des Robert-Koch-Instituts zu Coronaviren. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei dem Desinfektionsspray, das auf den Bildern zu sehen ist, handelt es sich um ein „Vibasept“-Produkt der Firma Coolike. Bei einem älteren Datenblatt zu „Vibasept“, datiert auf April 2015, ist ebenfalls zu lesen, dass es gegen Coronaviren wie SARS wirksam sei. Das SARS-Coronavirus wurde 2003 identifiziert

Ein älteres „Vibasept“-Datenblatt. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Firma Coolike informiert auf ihrer Webseite, dass sie Coronaviren schon in den 2000er-Jahren in das Wirkungsspektrum der Produkte aufgenommen habe.

Die Facebook-Beiträge mit den Fotos des Desinfektionssprays reihen sich also ein in irreführende Theorien rund um SARS-CoV-2. Dabei wurde zum Beispiel behauptet, das neue Coronavirus sei bereits patentiert gewesen oder von Menschen wie Bill Gates „vorhergesehen“ worden.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Familie der Coronaviren ist seit Jahrzehnten bekannt.

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Menschen versammeln sich um den Tatort im hessischen Volkmarsen, wo am Rosenmontag ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Dabei seien etwa 60 Menschen verletzt worden, darunter auch Kinder. (Foto: Elmar Schulten / dpa)

von Till Eckert

Im Netz kursiert die Behauptung, beim versuchten Tötungsdelikt in Volkmarsen habe es sich um einen „muslimischen Terroranschlag“ gehandelt. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht dafür aber „keinen Anhalt“.

Im hessischen Volkmarsen kam es am Rosenmontag zu einem versuchten Tötungsdelikt: Die Generalstaatsanwaltschaft verdächtigt einen 29-jährigen Deutschen, am 24. Februar um 14.45 Uhr mit einem Auto in eine Personengruppe beim Karnevalsumzug in Volkmarsen gefahren zu sein. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen (25. Februar, 16 Uhr) seien dadurch rund 60 Personen teilweise schwer verletzt worden.

Im Netz kursiert jetzt die Behauptung, es habe sich um einen „muslimischen Terroranschlag“ gehandelt, so etwa in einem Facebook-Beitrag des Hamburger AfD-Politikers Michael Tauck, in dem ein Screenshot eines englischsprachigen Blogs gezeigt wird. Die Adresse („…newsonlineisrael.blogspot.com“) ist nicht voll zu erkennen und wir konnten den Artikel nicht finden. Ein Artikel der rechten Webseite „Politaufkleber“ verweist jedoch auf einen englischsprachigen Blog namens The Jewish Collective mit einer offenbar identischen Behauptung. Eine Quelle wird dort nicht angegeben. 

Facebook-Beitrag des AfD-Politikers Michael Tauck. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt mit der Behauptung konfrontiert. Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk schrieb uns daraufhin per E-Mail: „Für einen politisch – auch islamistisch – motivierten Hintergrund der Tat haben die bisherigen Ermittlungen keinen Anhalt ergeben. Dringend verdächtig ist weiterhin ein 29-jähriger Beschuldigter aus Volkmarsen, der vorläufig festgenommen wurde.“

E-Mail der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Unbelegt. Für einen islamistischen Anschlag gibt es keine Belege.

Forensic investigators enter the Midnight Shisha bar after a shooting in Hanau
Forensische Ermittler betreten die Midnight Shisha Bar nach dem Anschlag in Hanau. Mittlerweile kursieren viele Gerüchte und Spekulationen zum Tatgeschehen. (Foto: Ralph Orlowski / dpa)

von Till Eckert

Ein angeblicher Zeuge des Anschlags in Hanau sagt, er habe den mutmaßlichen Täter gesehen – dieser sehe anders aus als auf den Bildern im Fernsehen. Die Generalbundesanwaltschaft nennt Tobias R. jedoch weiterhin als einzigen Hauptverdächtigen.

Zum Anschlag in Hanau am 19. Februar kursieren weiterhin Gerüchte und Spekulationen: Während kurz nach der Tat behauptet wurde, diese sei nicht politisch motiviert gewesen (nach Angaben der Ermittlungsbehörden ist das falsch), wird nun auf verschiedenen Webseiten spekuliert, der Täter sei nicht der Mann, der in den Medien gezeigt werde. 

So behauptet es zum Beispiel die Seite MZW News (mehr als 15.000 Mal auf Facebook geteilt) und die Webseite „Liebe isst Leben“ (mehr als 13.000 Mal geteilt). 

Die Generalbundesanwaltschaft hat uns gegenüber jedoch noch einmal bekräftigt, dass es keine abweichende Ermittlungsergebnisse seit der Pressekonferenz des Generalbundesanwalts vom 21. Februar gibt. Sie geht demnach weiterhin von Tobias R. als einzigem Hauptverdächtigen aus. 

Video von angeblichem Zeugen des Anschlags in Hanau 

Auf den Webseiten wird ein Video verlinkt (hier im Original), in dem ein angeblicher Zeuge des Anschlags, Özkan Rutbil, auf Türkisch schildert, was er gesehen habe. Übersetzt durch eine Kollegin unseres türkischen Webradios Özgürüz sagt er ab Minute 01:02: 

„Ich möchte dazu etwas sagen: Dieser Täter, der derzeit in Deutschland angegeben ist, und in Fernsehsendungen gezeigt wird, ist nicht genau der, der da war. Ich bin ganz sicher. Ich habe ihn mit meinen Augen gesehen. Obwohl ich sein Gesicht nicht genau gesehen habe, konnte ich ihn und seine Haare usw. sehen, da er keine Kapuze anhatte. Also ist er auf keinen Fall der auf den Fotos.“

Im Artikel von MZW News wird die Aussage des angeblichen Zeugen falsch zitiert – dieser sprach den Namen Tobias R. beispielsweise nicht aus und sagte auch nichts darüber, dass „die Regierung“ ständig etwas vertusche.

Wir haben die Generalbundesanwaltschaft mit der Aussage des angeblichen Zeugen konfrontiert. Diese verwies uns diesbezüglich auf die Pressemitteilung und die Pressekonferenz vom 21. Februar, in welcher der Generalbundesanwalt berichtete, dass bereits mehr als 40 Zeugen vernommen worden seien. Die Polizei habe die Wohnung des mutmaßlichen Täters, Tobias R., anhand eines Fahrzeugs lokalisieren können und diesen dort tot aufgefunden.

Es gibt demnach aktuell keine Hinweise darauf, dass es einen anderen Täter gibt. Gegenteilige Meldungen führen in die Irre. 

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Laut Generalbundesanwalt hatte R. ein „rassistisches Weltbild“

Der 43-jährige Tobias R. hat laut Generalbundesanwalt in Hanau neun Menschen erschossen und verletzte weitere Personen zum Teil schwer. Unter ihnen seien sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige. Laut Medienberichten suchte er für seinen Anschlag zwei Shishabars in der Innenstadt auf. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in der Nacht wurden R. und seine 72-jährige Mutter tot aufgefunden. Neben ihm habe eine Schusswaffe gelegen. Sein Vater sei unverletzt gewesen. 

„Es liegen gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor. Diese ergeben sich aus den augenscheinlich von Tobias R. herrührenden Videos und Dokumenten“, schreibt der Generalbundesanwalt in einer Mitteilung und bezeichnete die Tat als „Anschlag“.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass jemand anderes als Tobias R. die Tat beging.

Wahlkampfauftakt AfD Sachsen-Anhalt zu Kommunal- und Europawahl
Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen im Mai 2019 beim Wahlkampfauftakt vor der Europawahl in Sachsen-Anhalt. (Foto: Ronny Hartmann / dpa)

von Till Eckert

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen behauptet, es habe sich beim Anschlag in Hanau „weder um rechten noch linken Terror“ gehandelt – dutzende AfD-Verbände teilten den Beitrag auf Facebook. Generalbundesanwalt und Innenministerium sehen das jedoch anders.

Nach dem Anschlag in Hanau äußerten sich viele Politiker in den Sozialen Netzwerken. Darunter auch der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen, der in einem Facebook-Beitrag vom 20. Februar behauptete, es habe sich dabei „weder um rechten, noch linken Terror“ gehandelt. Stattdessen sei es die Tat eines „offenkundig Irren“ gewesen. 

Der Beitrag wurde bisher mehr als 3.500 Mal geteilt, darunter von dutzenden AfD-Verbänden und -Politikern. Meuthens Beitrag suggeriert, der mutmaßliche Täter habe nicht aus politischen Motiven gehandelt. Das ist nach dem bisherigen Kenntnisstand von Generalbundesanwalt und Innenministerium falsch – den Indizien nach handelte es sich um eine politisch motivierte Tat.

Facebook-Beitrag von Jörg Meuthen. (Screenshot: CORRECTIV)

In Hanau tötete Tobias R. mutmaßlich zehn Menschen

Zum Hintergrund der Tat: Am 19. Februar gegen 22 Uhr erschoss der 43-jährige Tobias R. laut Generalbundesanwalt in Hanau neun Menschen und verletzte fünf weitere Personen zum Teil schwer. Unter ihnen seien sowohl ausländische als auch deutsche Staatsangehörige. Laut Medienberichten suchte er für seinen Anschlag zwei Shishabars in der Innenstadt auf. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in der Nacht wurden R. und seine 72-jährige Mutter tot aufgefunden. Neben ihm habe eine Schusswaffe gelegen. Sein Vater sei unverletzt gewesen. 

„Es liegen gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor. Diese ergeben sich aus den augenscheinlich von Tobias R. herrührenden Videos und Dokumenten“, schreibt der Generalbundesanwalt in einer Mitteilung und bezeichnete die Tat als „Anschlag“.

In ihrer Stellungnahme sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 20. Februar, es sei noch zu früh für eine abschließende Bewertung. „Doch weist derzeit Vieles darauf hin, dass der Täter aus rechtsextremistischen, rassistischen Motiven gehandelt hat, aus Hass gegen Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderem Aussehen.“

Innenminister Seehofer: Dritter rechtsterroristischer Anschlag in wenigen Monaten

Bundesinnenminister Horst Seehofer geht sogar noch einen Schritt weiter. Am 21. Februar bezeichnete er die Tat als „rassistisch motivierten Terroranschlag“ (Youtube-Video ab Minute 0:10). Es sei der dritte „rechtsterroristische Anschlag in Deutschland in wenigen Monaten“ – neben dem Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke und dem Anschlag in Halle.

Es sprechen alle bisherigen Erkenntnisse zum Anschlag in Hanau dafür, dass es sich dabei um eine rassistische – und insofern auch politisch und rechtsextrem zu bewertende – Tat handelte. Das Bundesinnenministerium nennt Rassismus als „typisches Merkmal rechtsextremer Ideologien und Verhaltensweisen“. Der Verfassungsschutz schreibt in einem Glossar: „Rechtsextremisten sind Feinde des demokratischen Verfassungsstaates, sie haben ein autoritäres Staatsverständnis […].“ Der Verfassungsschutz Brandenburg schreibt außerdem: „Alle Ausprägungen des Rechtsextremismus sind rassistisch.“ 

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Über den Gesundheitszustand des mutmaßlichen Täters sind hingegen keine offiziellen Informationen verfügbar. Für Meuthens Aussage dazu gibt es demnach keine Belege.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Laut bisherigem Kenntnisstand der Behörden handelte es sich um eine rassistische und daher politisch motivierte Tat.

THEMENBILD, Wien bei Nacht
Gab es am vergangenen Freitag in der Wiener U-Bahn eine Prügelattacke durch „fünf Afrikaner“? Die Polizei dementiert. (Symbolfoto, Wiener U-Bahn-Station am 3. Juli 2017: Picture Alliance / EXPA / JFK)

von Till Eckert

Die österreichische Webseite Unzensuriert behauptet, am vergangenen Freitag sei es in der Wiener U-Bahn zu einem Gewaltverbrechen gekommen. Der Fall wird im Artikel detailliert beschrieben. Doch laut der Anzeige bei der Polizei stellt er sich etwas anders dar.

Der Artikel von Unzensuriert vom 15. Februar über ein angebliches Verbrechen in der Wiener U-Bahn steckt voller konkreter Details: Demnach soll am vergangenen Freitag (14. Februar) um 19.30 Uhr in der Wiener U-Bahn-Linie U1 im Bereich Kagran ein „Bub“ Opfer einer „Prügelattacke“ durch „fünf Afrikaner“ geworden sein – weil er seine Mutter beschützt habe, die von den Männern sexuell belästigt worden sei. Der Junge habe das laut des Artikels bei der Polizei „zu Protokoll“ gegeben und die Beamten hofften, „die Täter“ anhand Aufnahmen in der U-Bahn ausfindig machen zu können. 

Auf unsere Nachfrage teilte die Wiener Polizei mit, es sei kein derartiger Vorfall aufgenommen worden. Ein Sprecher der Landespolizeidirektion Wien schrieb uns auf Anfrage: „Vorausgesetzt die angegebenen Daten stimmen (anzunehmender 14.02.2020 in Wien 22, Kagran), können wir mitteilen, dass kein derartiger Vorfall gemäß interner Berichtspflicht eingemeldet wurde. Fest steht, dass bei der unmittelbar bei der U1-Station Kagran befindlichen Polizeiinspektion kein derartiger Vorfall aufliegt oder aufgenommen wurde.“

Eine E-Mail der Polizeidirektion Wien. (Screenshot: CORRECTIV)
E-Mail der Polizeidirektion Wien. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir haben in einer Nachfrage noch um eine Einschätzung zu weiteren Details des Artikels gebeten, etwa zu angeblichen Verletzung des Jungen oder darum, dass am selben Tag eine Frau in Wien-Donaustadt telefonisch eine sexuelle Belästigung durch fünf Männer gemeldet habe. Der Sprecher der Polizeidirektion dazu: „Wie bereits unten erklärt, es liegt keine Meldung auf. Somit können auch keine weiterführenden Fragen beantwortet werden.“ 

Update, 27. Februar 2020:

Die ursprüngliche Bewertung dieses Faktenchecks, auf Grundlage der Aussage der Wiener Polizei an uns, lautete „völlig falsch“. Wir sahen keine Belege, dass es den geschilderten Vorfall gab. Nach der Veröffentlichung erhielten wir jedoch weitere Informationen von Unzensuriert und änderten die Bewertung zu „teilweise falsch“.

Unzensuriert schickte uns Fotos eines angeblichen Patientenbriefs des Krankenhaus Nord vom 14. Februar und eines Amtsvermerks der Wiener Polizei zu. Daraus geht hervor, dass tatsächlich am 14. Februar eine Anzeige wegen Körperverletzung nach einem Vorfall in der Wiener U-Bahn gestellt wurde.

Wir fragten beim Krankenhaus Nord nach und bekamen die Antwort, dass man aus Datenschutzgründen keine Details mitteilen könne, der Brief aber „nicht unecht“ aussehe. Das Geburtsdatum und den Namen des Patienten hat Unzensuriert auf dem Foto unkenntlich gemacht. Aus dem Geburtsjahr geht jedoch hervor, dass das Opfer ein erwachsener Mann ist (1989 geboren).

Wir schickten außerdem der Polizei das Aktenzeichen und bekamen die Antwort, dass wegen schwerer Körperverletzung ermittelt werde. Wir fragen, ob die Schilderung von Unzensuriert korrekt sei, insbesondere in Bezug auf die sexuelle Belästigung. Eine Polizeisprecherin, Irina Steirer, antwortete uns per E-Mail: „Laut Angaben des Opfers ist es zu einer Rangelei gekommen. Einer der unbekannten Täter hat den jungen Mann ins Gesicht geschlagen und seine Mutter und seinen Neffen bespuckt. Ein weiterer Täter hat ihn aufgefordert, den U-Bahn-Zug zu verlassen. Als er dieser Aufforderung nicht nachgekommen war, ist der Täter wieder in den U-Bahn-Zug eingestiegen und hat mehrmals auf das Opfer eingeschlagen. Zwei Personen, die den  Vorfall beobachtet haben, sind in weiterer Folge dazwischen gegangen.“ Das Opfer sei 31 Jahre alt. Die mutmaßlichen Täter seien Teil einer Gruppe von acht bis neun Jugendlichen gewesen. Zu einer sexuellen Belästigung der Mutter habe das Opfer bei der Vernehmung nichts angegeben.

Die Angaben im Artikel von Unzensuriert zum Opfer und dem Ablauf des Vorfalls weichen also weiterhin von dem ab, was durch den Patientenbrief und die Anzeige bei der Polizei belegt ist.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es gab einen Vorfall. Allerdings wird die Aussage des Opfers von der Polizei und „Unzensuriert“ unterschiedlich berichtet.

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Ein Polizeibeamter zeigt in einem Twitter-Video auf eine Landstraße auf der Insel Anglesey in Nordwales, auf der im Dezember 2019 mehr als 200 Vögel tot aufgefunden wurden. (Quelle: NWP Rural Crime Team / Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, in Nordwales seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage vom Himmel gefallen. In der Region gibt es aber gar kein 5G. Das Ermittlungsteam geht von einer anderen Ursache aus.

Immer häufiger sehen wir Behauptungen darüber, dass der neue Mobilfunkstandard 5G am Tod von Tieren Schuld sein soll. So sollen laut eines viralen Youtube-Videos im kalifornischen Sierra Madre wegen zweier 5G-Masten angeblich Bienen gestorben sein – in der Stadt gibt es aber gar kein 5G, wie wir recherchierten

Eine ähnliche Behauptung zirkuliert seit dem 15. Dezember 2019 im Netz: In einem Artikel des Blogs Legitim.ch wird behauptet, auf der nordwalisischen Insel Anglesey seien hunderte Vögel wegen einer 5G-Anlage tot vom Himmel gefallen, dort seien „Tests“ von Vodafone durchgeführt worden. Den Fall gibt es zwar, aber auch hier gilt: In der Region gibt es kein 5G. Das bestätigte uns Rob Taylor, Leiter des North Wales Rural Crime Teams, einer Polizeieinheit, die den Fall ermittelt, per E-Mail. 

E-Mail vom Leiter des North Wales Rural Crime Teams. (Screenshot: CORRECTIV)

Das zeigt auch ein Blick auf die Webseite „Ookla“, die den 5G-Ausbau nach eigenen Angaben anhand „verifizierter öffentlicher Quellen“ verfolgt. Demnach gibt es in Nordwales 5G nur in Llandudno, einem mit dem Auto etwa 50 Minuten von dem betreffenden Ort auf Anglesey entfernen Ort. 

Zudem sagte ein Sprecher von Vodafone der Tageszeitung Daily Post im Dezember 2019: „Wir können bestätigen, dass es in der Gegend um Bodedern [der angrenzende Ort, Anm.] kein Vodafone-5G gibt und auch keine Tests durchgeführt wurden.“ 

Ermittlungsteam: Flugmanöver des Vogelschwarms könnte Ursache sein

Dass die Vögel auf Anglesey wegen 5G starben, kann demnach ausgeschlossen werden, weil es dort keines gibt. Zudem gibt es bisher keine Belege dafür, dass die Strahlung Tieren gefährlich werden könnte. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums antwortete uns in dem Zusammenhang für den Faktencheck über die Bienen in Sierra Madre: „Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte.“ 

Aber was ist die Ursache für den Fall in Anglesey? Die zuständige Polizeieinheit berichtet über den Ermittlungsfortschritt auf ihrem verifizierten Twitter-Account. Am 16. Januar veröffentlichte sie mehrere Tweets zu dem Fall

Sicher ist demnach: Am Dienstag, 10. Dezember 2019 starben laut Polizei mindestens 200 Stare auf einer Straße nahe Bodedern auf Anglesey. Einige hätten noch gelebt, als sie gefunden wurden, seien aber schwach und flugunfähig gewesen, bevor sie starben. 

Tweet des ermittelnden Polizeiteams. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Ermittlungsteam und Mitarbeiter der Animal Plant and Health Agency entfernten laut Polizei 35 Vögel und brachten sie zu einer Untersuchung. „Alle untersuchten Vögel hatten ein schweres inneres Trauma durch den Aufprall“, schreibt die Polizei. Dies spreche dafür, dass die Vögel durch den Aufprall auf die Straße gestorben sind: Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Schwarm in der Luft ein Ausweichmanöver vollzog, da möglicherweise ein Raubvogel hinter der Gruppe her war. Die Polizei geht davon aus, dass einige nicht rechtzeitig hochziehen konnten und auf den Boden aufschlugen.

Die Polizei schreibt außerdem: „Bitte bedenken Sie, dass die vollständige Toxikologie noch nicht vorliegt, so dass eine endgültige Theorie nicht bestätigt werden kann, aber wir sind uns über die Gründe und die Ursache der Todesfälle der Vögel ziemlich sicher.“

5G ist ein Thema der Desinformation 

CORRECTIV.Faktencheck beobachtet schon länger, dass mit dem Thema 5G Stimmung im Netz gemacht wird. Für einen Hintergrund-Bericht haben wir uns mit der Forschungslage beschäftigt. Zusammengefasst: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt weder abschätz- noch belegbar, welche Strahlenbelastung durch die neue Mobilfunktechnologie auf Menschen und Tiere wirken könnte. Zudem ist nicht belegt, ob sie gesundheitliche Schäden verursachen könnte. Um sichere Aussagen dazu treffen zu können, müsste die Strahlenbelastung nach dem Ausbau gemessen und erforscht werden.

Unsere Bewertung:
Falsch. In der Region in Nordwales gibt es gar kein 5G.

Ministerpr‰sidentenwahl Th¸ringen
Susanne Hennig-Wellsow, nachdem sie Thomas Kemmerich (FDP) Blumen vor die Füße geworfen hat. (Foto: Martin Schutt / dpa)

von Till Eckert

Die Linken-Politikerin Susanne Hennig-Wellsow sprach bei Markus Lanz darüber, wie AfD-Abgeordnete Mitglieder ihrer Fraktion im Thüringer Landtag bedrohen. In einem Facebook-Beitrag wurde ihre Aussage irreführend verkürzt – außerdem wurde ein Foto von ihr manipuliert.

Susanne Hennig-Wellsow, Linken-Politikerin im Thüringer Landtag und Landesvorsitzende, war am 12. Februar zu Gast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Dort berichtete sie von Bedrohungen durch die AfD, denen die Fraktion der Linken im Landtag ausgesetzt sei. 

In diesem Kontext verbreitet sich derzeit eine Bildcollage auf Facebook, unter anderem geteilt von der Seite „DDR Produkte“, vom AfD-Kreisverband Coesfeld und dem AfD-Politiker Thomas Hartung. Darauf ist ein angebliches Zitat von Hennig-Wellsow zu lesen, das vermuten lässt, sie bezeichne die AfD-Abgeordneten im Landtag als „Faschisten“, weil diese so höflich seien. 

Die Aussage von Hennig-Wellsow wird aber stark verkürzt und in einigen Punkten falsch dargestellt – außerdem wurde ein manipuliertes Foto von ihr verwendet.

Zitat um essentielle Punkte verkürzt und verfälscht

Die verkürzte und verfälschte Aussage von Hennig-Wellsow. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Original bei Markus Lanz sagte Hennig-Wellsow ab Minute 34

„Wenn ich Ihnen erzählen würde, wie die AfD im Thüringer Landtag unsere Abgeordneten bedroht. Immer in Situationen, in denen niemand dabei ist, wo es immer perfide ist. [Lanz: Können Sie mal ein Beispiel geben?] Es ist einfach Fakt, dass die AfD faschistische Methoden anwendet. Zwei Beispiele: Das eine: wir haben eine junge Abgeordnete, die war neulich im Fahrstuhl, dann kam eine Reihe von AfD-Abgeordneten in den Fahrstuhl hinein und stellten sich so [zeigt vor die Nase] mit ihren Gesichtern vor sie und grinsten sie an und hörten nicht auf. Eine Situation, aus der sie nicht herauskommen konnte. Das andere Beispiel ist das extreme Gegenbeispiel, aber auch das eine Methode der Nazis: Übertriebene Freundlichkeit. ‘Gehen Sie doch mit uns Kaffee trinken’, ‘Sollen wir Sie nicht da und dort mitnehmen und fahren’ und so weiter. Ich selbst wurde neulich von einem AfD-Abgeordneten bedrängt, der körperlich meinen Weg begleiten musste. Ich will damit nur sagen, das ist keine bürgerliche Partei und das kann man schon wissen, wenn man nur Björn Höcke zuhört.“

Im verkürzten Zitat im Facebook-Beitrag wird es so dargestellt, als habe Hennig-Wellsow die AfD in Erfurt zweifach als „ganz klare Faschisten“ bezeichnet. Das stimmt nicht – die Politikerin sprach bei zwei konkreten Beispielen von „faschistischen“ beziehungsweise „Nazi“-Methoden. Das erste Beispiel ist in der Bildcollage zudem falsch dargestellt: Hennig-Vellsow sprach nicht von sich, sondern einer anderen Abgeordneten – zudem beschrieb sie den Fall sehr viel konkreter, so dass eine Bedrohungslage ersichtlich wird.

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Ob die Beispiele  von Hennig-Wellsow so stimmen, können wir nicht überprüfen, weil die Fälle sich laut ihr immer dann zugetragen hätten, als „niemand dabei“ gewesen ist. 

Hennig-Wellsows Bild wurde offensichtlich manipuliert

Weiter wurde das verwendete Foto von Hennig-Wellsow offensichtlich bearbeitet und dahingehend manipuliert, dass unter anderem ihr Mund stark nach links verzerrt aussieht (an der Brille ist das am besten erkennbar). Ein Foto, das unter anderem in einem Artikel von Südthüringen.de vom November 2019 verwendet wurde, scheint das Original zu sein – dort allerdings wirken die Gesichtsproportionen ganz normal. 

Links das Original-Foto von Susanne Hennig-Wellsow, rechts die manipulierte Version aus dem Facebook-Beitrag: das ist unter anderem an den Mundwinkeln, am besten an der Brille zu erkennen. (Screenshots / Collage: CORRECTIV)

Wer das Foto manipulierte, können wir nicht nachprüfen – der Beitrag tauchte aber zuerst bei der Seite „DDR Produkte“ auf und wurde erst dann von dem AfD-Kreisverband und -Politiker geteilt. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Aussage wurde stark verkürzt und verfälscht, zudem wurde das verwendete Foto manipuliert.

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Wolfgang Schäuble am 5. Februar 2020 bei der Deutsch-Französischen Versammlung in Straßburg. (Foto: Deutscher Bundestag / Pascal Bastien)

von Till Eckert

Im Netz kursiert ein angebliches Zitat des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble. Er soll gesagt haben, dass die Not Menschen zwingen werde, „sich zu beugen“. Dafür gibt es aber keine Belege – im Gegenteil wurde der Spruch offenbar aus einer anderen Aussage des Politikers konstruiert.

Not werde Menschen zwingen, sich zu beugen; das soll laut eines Facebook-Beitrags vom 18. Januar der Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) einmal gesagt haben. Dazu steht, dass dies der „bösartigste Satz“ sei, den je ein deutscher Politiker sagte. Eine Quelle zum angeblichen Zitat wird nicht angegeben.

Hat Schäuble das jemals so gesagt? Wir konnten dafür keine Belege finden.

Der Facebook-Beitrag mit dem angeblichen Schäuble-Zitat. (Screenshot: CORRECTIV)

Das angebliche Schäuble-Zitat wurde offenbar aus einer anderen Aussage von ihm konstruiert

Eine Google-Suche nach dem angeblichen Zitat im Wortlaut führt zu einer möglichen Quelle: einem knapp 50-sekündigen Youtube-Video von 2015, offenbar ein Mitschnitt eines Gesprächs, das auf dem TV-Sender Phoenix ausgestrahlt wurde. Oben links ist dessen Logo zu sehen. Der Titel des Videos: „Schäuble: ‘Die Not wird die Menschen zwingen, sich zu beugen’“.

Ab Sekunde 00:20 sagt Schäuble, dass man aus Fehlern und Irrtümern lerne und er deshalb „bei allen krisenhaften Zuspitzungen im Grunde entspannt“ sei. Als er gefragt wird, warum, antwortet Schäuble: „Weil, wenn die Krise größer wird, werden die Fähigkeiten, Veränderungen durchzusetzen, größer.“

Hier wird im Video ein Untertitel eingeblendet, in dem steht: „Oder anders gesagt: ‘Die Not wird die Menschen zwingen, sich zu beugen’“. Dies sagt Schäuble aber nicht.

Das Youtube-Video, in dem aus Schäubles Aussage ein anderes Zitat konstruiert wird. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Suche nach der entsprechenden Phoenix-Sendung zeigt, dass es sich um eine Diskussion über die Finanzstabilität in Europa im September 2011 handelte. Schäuble (damals Finanzminister) sprach dabei mit Helmut Schmidt (SPD). 

Das angebliche Zitat lässt sich nirgends finden

Schäuble hat die Aussage in der Sendung demnach nicht so getätigt, sondern das Zitat wurde in einem nachbearbeiteten Video als Untertitel eingeblendet; es handelt sich um eine Interpretation seiner eigentlichen Aussage.

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Eine Suche im Google-News-Archiv und der Pressedatenbank Genius führte zu keinem Ergebnis. Wir können demnach auch keine Belege dafür finden, dass Schäuble sich jemals öffentlich so geäußert hat. Die Faktenchecker der DPA kamen zum gleichen Ergebnis. Sie haben beim Büro von Schäuble angefragt und um eine Einschätzung gebeten, jedoch keine Antwort erhalten.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege, dass Schäuble jemals dieses Zitat sagte. Es wurde offenbar aus einer anderen Aussage von ihm konstruiert.

Collage Busfahrer Corona
Dieser Facebook-Beitrag mit Bildern von der Evakuierung englischer Staatsbürger suggeriert, die Busfahrer hätten entweder fahrlässig gehandelt oder seien nicht genug geschützt worden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem Facebook-Beitrag werden mehrere Fotos eines Transports englischer Staatsbürger, die aus dem chinesischen Wuhan evakuiert wurden, gezeigt. Die Fahrer der Busse trugen keine Schutzmasken. Die Fotos sind echt, ihnen fehlt aber Kontext.

„Evakuierung aus Wuhan – Wo sind die Schutzmasken für die Busfahrer?“, steht in einem Facebook-Beitrag vom 31. Januar als Beschreibungstext für drei Fotos, auf denen Busfahrer in ihren Fahrzeugen zu sehen sind. Neben oder hinter ihnen befindet sich jeweils eine Person im Schutzanzug, die Fahrer selbst jedoch tragen keine Maske. 

Der Beitrag suggeriert, die Busfahrer hätten fahrlässig gehandelt oder seien von ihren Arbeitgebern in Gefahr gebracht worden. Wir haben den Kontext der Fotos recherchiert. 

Fotos sind echt: Englische Busfahrer transportieren Evakuierte nach Ausbruch des Coronavirus 

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zum oberen Foto führte uns zu einem Artikel auf der britischen Nachrichtenseite Gloucestershire Live. Das Bild wurde dort verwendet. In der Bildunterschrift steht, die Fahrer hätten die Passagiere von einem Flughafen der englischen Luftwaffe ins Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside gebracht. Das stimmt, wie eine Suche nach „Arrowe Park Hospital“ in der Bilddatenbank Gettyimages zeigt – dort sind alle drei Fotos aus dem Facebook-Beitrag zu finden (Foto 1, Foto 2, Foto 3). 

Als Bildinformation ist bei allen drei Fotos angegeben: „Ein Konvoi von Reisebussen transportiert am 31. Januar 2020 83 Briten und 27 ausländische Staatsangehörige, die nach einem Coronavirus-Ausbruch aus Wuhan evakuiert wurden, von der Luftwaffenbasis Brize Norton zum Arrowe Park Krankenhaus in Merseyside, wo sie unter Quarantäne gestellt werden.“

Dass die Busfahrer also Menschen transportierten, die aus Wuhan evakuiert wurden und möglicherweise erkrankt sein könnten, ist richtig. Doch warum trugen sie keine Schutzmasken?

Englisches Gesundheitsministerium: Schutzmasken waren nicht notwendig

Das Busunternehmen Horsemen Coaches veröffentlichte auf seiner Webseite ein Statement zu dem Fall. Demnach seien „irreführende Medienberichte“ über die Sicherheit der Fahrer und Passagiere im Umlauf. Das Unternehmen habe allen Fahrern, die an der Rückführung der Passagiere beteiligt waren, persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Regierungsbeamte hätten aber mitgeteilt, dass diese nicht notwendig sei, weil bereits andere Vorkehrungen durch das englische Gesundheitsministerium getroffen worden seien. „Regierungsbeamte haben bestätigt, dass das Tragen eines Schutzanzuges durch die Fahrer bei der Fahrt ein größeres Risiko für die Sicherheit des Passagiere darstellt.“

Das Statement des Busunternehmens Horsemen Coaches auf Englisch. (Screenshot: CORRECTIV)

Am 1. Februar sendete das englische Gesundheitsministerium ein Schreiben an das Unternehmen, das öffentlich zugänglich ist (PDF). Darin werden die getroffenen Vorkehrungen geschildert: „In diesem Fall wurden alle Passagiere des Fluges bei der Ankunft im Vereinigten Königreich von medizinischem Personal überprüft, und keiner zeigte irgendwelche Symptome des neuartigen Coronavirus (2019-nCoV). Die Mediziner, die die Gruppen begleiteten, trugen Schutzausrüstung als Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass jemand auf der Reise erkrankt, damit sie sofort reagieren können, ohne während des Transits Schutzausrüstung anziehen zu müssen. Keiner der Passagiere wurde auf der Reise krank.“ 

Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme sei durch die Sitzordnung sichergestellt worden, dass die Fahrer während der Fahrt keinen engen Kontakt zu den Fahrgästen hatten, so dass diese nicht gefährdet waren und keine Schutzausrüstung benötigten. „Enger Kontakt bedeutet, sich mindestens fünfzehn Minuten lang in einem Umkreis von zwei Metern um eine infizierte Person zu befinden.“ Dafür seien jeweils die fünf ersten Sitzreihen gesperrt worden und Fahrer seien als letztes eingestiegen.

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Das Busunternehmen schrieb in seinem Statement außerdem, dass der Schutzanzug für die fotografierte Person hinter dem Fahrer im oberen Foto notwendig gewesen sei, weil sie mit den transportierten Personen in direktem Kontakt gestanden habe. Obwohl das Gesundheitsministerium versichert habe, dass dies nicht notwendig sei, seien die Busfahrer gebeten worden, nach der Aktion zehn Arbeitstage bei voller Bezahlung zu Hause zu bleiben. Die fünf eingesetzten Busse würden nach einem Reinigungsprozess zur Sicherheit zehn Tage in einer Militäreinrichtung eingeschlossen.

Rund um das neuartige Coronavirus kursieren viele Falschmeldungen und Desinformationen. Das sind unsere bisherigen Faktenchecks dazu:

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die Fotos zeigen einen Transport von Menschen, die aus Wuhan nach England gebracht wurden. Schutzmasken waren jedoch laut dem englischen Gesundheitsministerium nicht notwendig, es seien genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

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Honig kann verderben, wenn er einen zu hohen Wassergehalt hat. (Foto: PollyDot / Pixabay)

von Till Eckert

In einem Instagram-Beitrag der Seite „Patenfakten“ wird behauptet, dass Honig nie verderbe und auch nach 3.000 Jahren noch essbar sei. Das stimmt nicht ganz.

„Honig ist das einzige Lebensmittel, dass nie verdirbt. Ihr könntet also durchaus Honig essen, der 3.000 Jahre alt ist“, behauptet die Instagram-Seite „Patenfakten“ in einem Beitrag vom 20. Dezember 2019. Doch stimmt das auch? Wir haben beim Bundeszentrum für Ernährung und beim Deutschen Imkerbund nachgefragt.

Der Instagram-Beitrag mit einer teilweise falschen Behauptung zu Honig. (Screenshot: CORRECTIV)

Zu hoher Wassergehalt kann Honig gären lassen

Harald Seitz vom Bundesamt für Ernährung, das auf seiner Webseite über Honig informiert, schrieb auf unsere Anfrage per E-Mail: „Die Haltbarkeit von Honig ist abhängig von der Qualität des Honigs und von den Lagerbedingungen. Je höher der Zuckergehalt, je niedriger der Wassergehalt eines Honigs und je homogener der Honig bereits bei der Abfüllung ist, umso besser sind die Voraussetzungen für eine lange Haltbarkeit.“

Laut Seitz beeinflussen Imker bereits bei der Honigernte und -bearbeitung die Haltbarkeit. Diese legten auch selbst das gesetzlich vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum fest, meist zwei Jahre. „Bei Honigen mit höherem Wassergehalt (z. B. Heidehonig) oder saureren Honigen (z. B. Gamander-Honig, Honig aus dem Blütennektar von Lippenblütlern der Pflanzengattung Gamander) ist meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 12 Monaten angegeben“, schreibt Seitz. Grundsätzlich solle man darauf achten, ob der Honig gleichmäßig aussieht und keinen Fremdgeruch habe. Dann sei alles in Ordnung. 

„Es kann jedoch passieren, dass Honig umkippt und zu gären beginnt“, schreibt Seitz. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn der Honig einen zu hohen Wassergehalt habe. Dann könnten sich Hefen vermehren und den Zucker zu Kohlendioxid und Alkohol abbauen. „Der Deckel wölbt sich dann eventuell und es kann beim Öffnen des Honigglases ein wenig zischen. Ein gegorener Honig riecht fruchtig oder säuerlich-alkoholisch. Auf der Oberfläche des Honigs bilden sich kleine Bläschen, bei stärkerer Gärung auch Schaum. Sie sollten vergorenen Honig nicht mehr verzehren.“

Imkerbund empfiehlt: Honig so lange verzehren, wie er schmeckt

Auch Olaf Lück, der Geschäftsführer des Deutschen Imkerbunds, schreibt per E-Mail: „In der Tat ist Honig tatsächlich sehr lange haltbar – vorausgesetzt, er wird dunkel, kühl und trocken gelagert.“ Honig könne aber sortenabhängig verderben, beziehungsweise säuern, wenn der Wassergehalt über 18 Prozent liege. „Dann können zuckerliebende Hefen, die sich in der Luft befinden und im Glas mit eingeschlossen sind, vermehren, da genügend nicht an Zucker gebundenes Wasser vorhanden ist. Dann wird durch die Verstoffwechselung der Hefen aus den Zuckern Alkohol; der Honig gärt. Dieses Produkt ist im Ergebnis als Met bekannt.“ Der Imkerverband legt in seinen Qualitätsrichtlinien für die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“ fest, dass der Wassergehalt unter 18 Prozent liegen müsse.

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Honig aus angefangenen Gläsern könne auch solange verzehrt werden, „wie er schmeckt“, schreibt Lück. Gärenden Honig könne man  sogar noch zum Backen verwenden. „Für länger bereits geöffnete Gläser empfehlen wir, kurz zu probieren und dann entscheiden, ob aufs Brot oder in den Kuchen.“

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Honig kann sortenabhängig verderben, wenn der Wassergehalt zu hoch ist; richtig gelagert ist er aber sehr lange haltbar.