Kandidierenden-Check

AfD unterwegs in Großbritannien: Ziemlich rechte Freunde

Das AfD-Ehepaar Lena und Steffen Kotré treibt die internationale Vernetzung von Rechtsextremen für die AfD voran. Ende April tritt Lena Kotré auf einer „Remigration Conference“ in Großbritannien auf. Veranstalter ist die nationalistische Homeland Party.

von Niclas Fiegert

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Lena und Steffen Kotré verstehen sich offenbar sehr gut mit der rechtsextremen britischen Homeland Party. Nach einem Besuch der Briten bei Steffen Kotré im Bundestag fährt nun seine Frau zu einer Konferenz nach England. Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Fotos: picture alliance)

Die AfD sucht sich radikale Freunde im europäischen Ausland: Ende April will die Brandenburger AfD-Politikerin Lena Kotré zu einer Konferenz der weit rechten Homeland Party in die englischen East Midlands reisen: Die britische Partei sieht in der AfD nach eigener Darstellung eine „Blaupause“ für Großbritannien und versucht, den Erfolg der in Teilen rechtsextremen deutschen Partei zu kopieren.

Die Landtagsabgeordnete Kotré scheut offenbar keine Kontakte zu Extremisten am rechten Rand. Wie CORRECTIV berichtete, traf sie sich bereits im Dezember in der Schweiz unter anderem mit Mitgliedern der in Deutschland verbotenen Neonazi-Bewegung „Blood-and-Honour“ und der Schweizer Gruppe „Junge Tat“.

Auf eine Anfrage von CORRECTIV zu den Motiven ihrer Teilnahme an der Konferenz in Großbritannien antwortete Lena Kotré nicht.

Kotré forderte eine Abschiebe-Industrie mit DNA-Tests und Sprachanalysen

Die Konferenz der Homeland Party wird im Internet offen beworben und Kotré, innenpolitische Sprecherin der AfD-Brandenburg, ist als Gast angekündigt. Das Thema: „Remigration“, also massenhafte, systematische Vertreibung von Menschen. Seit dem Bundestagswahlkampf setzt die AfD offensiv auf diesen Begriff. Lena Kotré tritt in Brandenburg offiziell als „innen- und remigrationspolitische Sprecherin“ ihrer Fraktion auf.

Was sie darunter versteht, stellte sie bei dem Treffen in der Schweiz klar: Sie forderte eine privatisierte Abschiebe-Industrie und will mithilfe von DNA-Proben und Sprachanalysen von Smartphones Regionen bestimmen lassen, aus der Geflüchtete vermeintlich stammen.

Im Landtag tritt sie dafür ein, „Asylantragstellern, Asylberechtigten, ukrainischen Kriegsflüchtlingen“ den Besuch von öffentlichen Veranstaltungen zu verbieten. Im Landtagswahlkampf erregte sie mit gezielten Provokationen sogar international Aufmerksamkeit. Sie verschenkte bei ihren Auftritten sogenannte Kubotans – spitze Metallstäbe für den Nahkampf – die beispielsweise per Waffengesetz in Großbritannien verboten sind.

Die AfD knüpft seit Monaten Kontakte zu britischen Rechtsextremen

Eigentlich plant Kotré seit Monaten eine „Remigrationsmesse“ in Deutschland. Nun ist sie zunächst als Gast bei der „Remigration Conference“ in Großbritannien angekündigt. Renaud Camus soll dort als Hauptredner auftreten. Camus gilt als Vordenker der Identitären Bewegung und verbreitet seit Jahren die Verschwörungserzählung eines „gesteuerten Bevölkerungsaustausches“. Die Homeland Party wiederum nutzt die These eines angeblichen „Experiments zur Ersetzungsmigration“, um für „Remigration“ zu werben.

Die Vernetzung zwischen AfD und der britischen Homeland Party ist aus Sicht der Rechtsextremismusexpertin Natascha Strobl eine „Win-win-Situation“ für beide Parteien. Einerseits werte der internationale Austausch die Erzählung von Renaud Camus auf, andererseits beschleunige er die Radikalisierung der AfD. Zugleich könne sich Kotré innerparteilich mit ihren Kontakten profilieren.

Die Homeland Party ist eine der jüngsten rechtsextremistischen Gruppen in Großbritannien – und gilt als eine der gefährlichsten. Sie spaltete sich 2023 von der britischen Neonazi-Gruppierung Patriotic Alternative ab. Nicht nur Lena Kotré pflegt Beziehungen zu den britischen Rechtsextremen. Im März empfing ihr Ehemann, der AfD-Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré, sogar eine Delegation der Homeland Party im Bundestag. Nach Angaben der britischen Partei gab er den Mitgliedern eine Tour durch das Haus und obendrein Tipps zum Parteiaufbau.

Im Internet brüstet sich die Homeland Party mit ihren deutschen Gästen

Erst im September 2024 trat ein ehemaliger Funktionär der Jungen Alternative in Sachsen, Manuel Schreiber, bei einer Konferenz der Homeland Party auf und referierte „über die Erfolge der AfD“ im Osten des Landes. Zuvor brüsteten sich Mitglieder der Homeland Party in den Sozialen Medien mit ihrem deutschen Gast – „Manuel“ werde sein Wissen weitergeben und „Strategien hinter ihrem wachsenden Rückhalt, besonders unter jungen Leuten“, schrieb die Partei auf Twitter.

Auch das AfD-Mitglied im Berliner Abgeordnetenhauses Gunnar Lindemann hat offenbar gute Kontakte in Großbritannien: Ende März veröffentlichte die Homeland Party ein einstündiges Interview mit Lindemann in den sozialen Netzwerken – unter anderem zum Thema „Remigration“.

Die AfD dient für die Homeland Party als Vorbild: Nach der deutschen Bundestagswahl veröffentlichte sie einen Text, in dem sie den Erfolg der AfD als Zeichen für einen „starken Anstieg von Nationalismus“ in Deutschland interpretiert. Auf ihrer Website schwärmt sie von „monumentalen Erfolgen“ der Partei. Die Rechtsextremismus-Expertin Natascha Strobl sieht die AfD inzwischen in einer Rolle als Vorreiterin der europäischen Rechten, sie sagt: „Homeland Party, Renaud Camus, viel weiter rechts geht schon nicht mehr“.