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© Collage von Ivo Mayr / Correctiv

Ungerechte Arbeit

Der Preis der Billig-Friseure

Hairgroup ist ein Branchenriese mit rund 660 Friseursalons. Zum Unternehmen gehören Friseurketten wie Essanelle, SuperCut und HairExpress. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten CORRECTIV, dass die Salons auch mal nur von Gesellen geführt werden und Beschäftigte Umsatzvorgaben erhalten. Das spart viel Geld – und ist illegal. Die Hairgroup-Geschäftsführung bestreitet die Vorwürfe.

von Ann-Kristin Schöne

Es fing vielversprechend an. 2013 begann Heike Kraft* bei der Hairgroup als Gesellin zu arbeiten, schnell stieg sie zur Salonleiterin auf. Sie war ehrgeizig, die Arbeit machte ihr Spaß, fortan schnitt sie nicht mehr nur Haare, sondern führte auch die Bücher und stellte neue Mitarbeiter ein. Sie erhielt einen Vertrag, der sie auch auf dem Papier zur Salonleiterin machte. Was sie damals nicht wusste: Er war nicht rechtens.

Denn die Handwerksordnung schreibt vor, dass jeder Friseursalon einen Meister beschäftigen muss. Oder einen Gesellen mit mindestens sechs Jahren Berufserfahrung, vier Jahren davon in leitender Stellung.

Heike Kraft hatte nach eigenen Angaben beides nicht. Trotzdem leitete sie zwischen 2014 und 2016 drei verschiedene Friseurgeschäfte der Hairgroup im Rhein-Ruhr-Gebiet. Das Unternehmen betreibt bundesweit 663 Salons mit rund 4.200 Mitarbeitern und ist einer der Branchenriesen. Zur Hairgroup gehören die Marken Essanelle, SuperCut und die Billigmarke Hairexpress. Dort kosten Schnitte bisweilen nur 13 Euro.

Elf Testanrufe und viel Fluktuation

Bis heute gibt es bei der Hairgroup offenbar Salons ohne ordnungsgemäße Leitung. Elf Testanrufe von CORRECTIV ergaben, dass bei sechs Salons die in der Handwerksrolle eingetragenen Meister nicht vor Ort waren. In vier Fällen sagten Mitarbeiter explizit am Telefon, dass die Salons gar keine Meister hätten.

Hairgroup-Geschäftsführer Dirk Wiethölter betont auf Anfrage von CORRECTIV: Sein Unternehmen halte sich an die Handwerksordnung. In der Branche gebe es aber nun mal viel Fluktuation. „Wir müssen pro Jahr durchschnittlich rund 120 Salonleiterstellen neu besetzen“, sagt Wiethölter. Die „Personalsituation“ erlaube „nicht immer, jede Vakanz sofort abstellen zu können“.

Wer geringere Personalkosten hat, kann die Preise drücken. Laut Tarifvertrag verdient ein Friseurgeselle 1.916 Euro, ein Friseurmeister 2.412 Euro brutto. Spart die Hairgroup viel Geld, indem sie nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu Salonleitern macht? Wiethölter bestreitet das. „Ihrer Andeutung, dass es sich hierbei um ein Prinzip handeln würde, mit dem wir Geld sparen wollten, widersprechen wir entschieden“, teilt der Geschäftsführer mit.

Kontrolle auf Zuruf

2015 stand eines Morgens das Ordnungsamt bei Heike Kraft im Essanelle-Salon. Zu jener Zeit machte sie gerade ihre Meisterprüfung, war aber durch den kaufmännischen Teil gefallen. Mit anderen Worten: Das Ordnungsamt fand einen Friseurladen ohne Meister vor. Und hätte nun Bußgelder verhängen oder den Laden schließen müssen. Beides geschah nicht.

Laut zuständigem Ordnungsamt wurde am Tag der Kontrolle ein Meister für den Salon in die Handwerksrolle eingetragen. „Dadurch werden so gesehen nachträglich Fakten geschaffen“, heißt es seitens des Ordnungsamtes. In Krafts Fall hätte das Ordnungsamt erneut prüfen müssen, ob die in die Handwerksrolle eingetragene Person tatsächlich im Friseurladen arbeitet. Diese Kontrolle fand nicht statt. Kraft leitete den Salon noch mehr als ein halbes Jahr – ohne Meistertitel.

„Die Ordnungsämter haben keine Vorgaben, wann und wie oft sie die Salons kontrollieren. Oftmals kontrollieren sie nicht von sich aus, sondern sind auf Zurufe aus der Bevölkerung angewiesen“, erklärt Stephan Margreff von der Kreishandwerkerschaft Essen. Auch das Ordnungsamt, das bei Heike Kraft im Geschäft war, führe lediglich „stichprobenartig“ Kontrollen durch, bestätigt einer der Mitarbeiter.

Mehr als nur Einzelfälle

Die Hairgroup selbst berichtet, dass das Ordnungsamt 2017 einen Salon in Düsseldorf kontrolliert habe, der sechs Monate ohne Leitung gewesen sei. Daraufhin sei eine „Schließungsankündigung“ ausgesprochen worden, die aber vermieden werden konnte, da man sich um eine „rechtmäßige Leitung“ gekümmert habe. „Wir hatten vier Wochen Zeit, diesen Zustand zu regeln“, teilt Geschäftsführer Wiethölter mit. Bis heute sei gegen keinen der rund 660 Salons von irgendeinem Ordnungsamt ein Bußgeld verhängt worden.

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Was Heike Kraft berichtet, ist kein Einzelfall. Auch Tanja Dreher* hat ohne Meistertitel von November 2015 bis September 2016 als Salonleiterin in einem Hairexpress-Salon gearbeitet. In die Handwerksrolle sei ihre Kollegin eingetragen gewesen, eine Meisterin, die aber längst im Mutterschutz war. Die Angaben in der Handwerksrolle bestätigen, was sie sagt. Zeitweise betreute Dreher drei Auszubildende, auch das darf sie ohne einen Meistertitel nicht. Natürlich erhielt sie das Gehalt einer Gesellin. Obwohl sie die Aufgaben einer Meisterin übernahm.

Hairgroup dementiert

Heike Kraft hatte zeitweise die Verantwortung für drei Friseursalons inne. Die Hairgroup dementiert, dass dies Praxis ist. Krafts Chefin, die sogenannte Vertriebsmanagerin, schickte sie mal in diesen, mal in jenen Laden, erzählt Kraft. Sie habe mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass sie dringend mehr Personal benötige. „Irgendwann war ich nur noch krank. Ich war psychisch am Ende“, sagt Kraft. Häufig habe sie ohne Pausen durchgearbeitet, bis zur Erschöpfung. Wenn Heike Kraft heute – über ein Jahr danach – von jener Zeit erzählt, schießen ihr gleich Tränen in die Augen. „Ich habe lange mit mir gerungen, aber es ging nicht mehr.“ Sie kündigte. Und gab ihren Beruf danach auf.

Und das ist noch nicht alles. Andrea Becker, Landesfachbereichsleiterin bei Verdi NRW, sagt: „Im Friseurgewerbe kommt es immer wieder zu massiven Verstößen, was die Arbeitszeit angeht. Und das beginnt bereits bei den Auszubildenden.“ Weil im Friseurgewerbe ein knallharter Wettbewerb herrsche. „Die billigen Preisangebote können die Friseursalons nur auf Kosten ihrer Mitarbeiter machen.“

Falsches Zeitmanagement

Das zeigt die Geschichte von Paul Barth*. Er ist Friseurmeister und hat von Ende 2015 bis Ende 2016 einen Essanelle-Salon im Ruhrgebiet geleitet. Teile seines Vertrags waren – offenkundig illegale – Umsatzvorgaben. Wörtlich heißt es in dem Arbeitsvertrag: „Quantitativer Maßstab für die Erfüllung der vertraglichen Pflichten ist ein Mindest-Nettodienstleistungsumsatz in Höhe des 1,5fachen Gesamtlohnes des betreffenden Monats.“ Barth sagt: „Von der Vertriebsmanagerin kam nicht selten die Ansage, dass wir keine Pausen oder Überstunden machen sollen, damit der Umsatz stimmt.“

Oft hat Barth kurz vor Ladenschluss Kunden angenommen und so Überstunden gemacht. Die er dann nicht abrechnen durfte. Stattdessen hielt ihm die Vertriebsmanagerin vor, dass „mein Zeitmanagement nicht stimmt“. Die Überstunden für die durchgearbeiteten Pausen haben er und seine Mitarbeiterinnen häufig gar nicht erst aufgeschrieben. Barth: „Uns war schon vorher klar, dass wir diese nicht von der Vertriebsmangerin genehmigt bekommen.“

Unzulässige Umsatzvorgaben

Die Hairgroup bestreitet, ihren Mitarbeitern Umsätze vorzuschreiben. Jeder bekomme „mindestens den Mindestlohn“, darüber hinaus gebe es „zusätzliche Provisionszahlungen“ für Mitarbeiter, die überdurchschnittlich viel erwirtschafteten, wie Geschäftsführer Wiethölter mitteilt. Wer seitens der Vertriebsmanager Überstunden nicht angerechnet bekommt, könne die „nächste Führungsebene um die Klärung des Falles bitten“.

Seit dem 1. Dezember 2016 gilt ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für das Friseurgewerbe in NRW. Das bedeutet, dass alle Friseursalons – unabhängig davon, ob sie sich im Arbeitgeberverband organisiert haben – die darin festgelegten Löhne zahlen und sich an die Arbeitszeiten halten müssen.

Auch Umsatzvorgaben seien unzulässig. Sven Jürgens, Fachanwalt für Arbeitsrecht, betont: „Mit solchen Umsatzvorgaben wird das Wirtschaftsrisiko auf den Arbeitnehmer abgewälzt, was falsch ist. Der Arbeitnehmer schuldet nie den Erfolg.“ Wenn keine Kunden in den Laden kommen und der Angestellte deswegen nicht den entsprechenden Umsatz erzielt, könne er dafür nicht verantwortlich gemacht werden. „Folglich ergeben sich auch keine Pflichten, die erfüllt werden müssen.“

Bei der Hairgroup scheint das Geschäft jedenfalls zu laufen — der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 150 Millionen Euro.

* Namen der betroffenen Mitarbeiter auf deren Wunsch geändert

© Ivo Mayr / Correctiv

Integration & Gesellschaft

Wie hältst du’s mit der Transparenz, NRW?

Ein Transparenzgesetz sollte kommen, kam aber nicht und wird sobald wohl auch nicht kommen. Allerdings zeigen sich Lücken bei der Umsetzung der bislang geltenden Regelungen zur Informationsfreiheit – längst nicht alle Dokumente staatlicher Stellen sind für Bürger öffentlich einsehbar.

von Ann-Kristin Schöne

Platz 6 von 16 – keine absolute Katastrophe, aber auch nichts zum stolzen Rausposaunen. NRW ist nur Mittelmaß, wenn es darum geht, dass staatliche Stellen Informationen an Bürger herausgeben sollen. Das geht aus dem aktuellen Transparenz-Ranking hervor, das von der Open Knowledge Foundation Deutschland und dem Verein Mehr Demokratie erstellt wurde.

Dabei hatte die letzte Legislaturperiode verheißungsvoll angefangen: SPD und Grüne planten im Koalitionsvertrag ein Transparenzgesetz. „Wir werden die Veröffentlichungspflichten der öffentlichen Stellen deutlich ausweiten und damit das Informationsfreiheitsgesetz hin zu einem Transparenzgesetz weiterentwickeln“, stand dort zu lesen. Das Ergebnis ist im Rückblick allerdings dürftig.

Nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) können Bürger ohne Angabe von Gründen Einblick in staatliche Daten und Dokumente verlangen – auf Bundesebene und auch in den Bundesländern, die wie Nordrhein-Westfalen ein IFG haben. Sie müssen dafür allerdings einen Antrag stellen. Diese Hürde entfiele mit einem Transparenzgesetz (TG). Behörden müssten dann alle wichtigen Informationen von sich aus im Internet veröffentlichen. Befürworter sprechen davon, dass die Holschuld der Bürger in eine Bringschuld der Behörden umgewandelt würde.

Ende Mai 2014 verabschiedete die rot-grüne Landesregierung ihre „Open Government“-Strategie. Unter anderem sah sie mehr Bürgerbeteiligung durch elektronische Verfahren vor. Zum Beispiel wurden daraufhin Ideen und Eingaben der Bürger zum Thema „Lernen im Digitalen Wandel“ online gesammelt und direkt in die Arbeit der Landesregierung einbezogen. Knapp ein Jahr später wurde außerdem das zentrale Online-Portal www.open.nrw.de freigeschaltet. Dort wurden bisher über 2.400 Datensätze veröffentlicht, zum Beispiel zu Armutsrisikoquoten oder Bevölkerungsentwicklungen in bestimmten Städten.

Ein gebrochenes Versprechen

Doch weiter kam die rot-grüne Regierung nicht. Spätestens seit März dieses Jahres steht endgültig fest: In NRW wird es sobald kein Transparenzgesetz geben. Die rot-grüne Regierung hat ihr Koalitionsversprechen gebrochen. Dabei war das Gesetz schon auf der Ziellinie.

„Aus Sicht der Fachpolitik hätte das Gesetz Anfang Februar in den Landtag eingebracht werden können. Der SPD ist zum Ende des Prozesses aber die Puste ausgegangen – das ist mehr als bedauerlich“, erklärt der netzpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Matthi Bolte.

Die SPD verteidigt ihren Rückzieher: Der zuletzt diskutierte Referentenentwurf habe nicht den eigenen Anforderungen entsprochen, „weil er vor allem das Land als Adressaten benannte. Das griff zu kurz und hätte dem  Anliegen mehr geschadet als genutzt“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Marcel Atoui.

War nicht genug Zeit? Wieso wurde das Gesetz so spät auf den Weg gebracht? Schon im Februar 2014 hatte das Bündnis „NRW blickt durch“ dem Landtag einen Entwurf für ein Transparenzgesetz übergeben. An dem Bündnis sind der Bund der Steuerzahler, Mehr Demokratie und Transparency International beteiligt.

„Wir haben den Entwurf mit Experten erarbeitet und uns dabei am Hamburger Transparenzgesetz orientiert“, sagt Thorsten Sterk von „NRW blickt durch“. Nach einer Volksinitiative hatte das Hamburger Parlament 2012 bundesweit das erste Transparenzgesetz verabschiedet. Sterk kritisiert die ehemalige Landesregierung: „Fünf Jahre sind genügend Zeit, um ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen.“

Hohe Gebühren für einfache Auskunft

Der weiter anhaltende Mangel an einer gesetzlichen Verpflichtung der Behörden in NRW, Daten proaktiv zu veröffentlichen, ist einer der Gründe für Platz 6 im Transparenz-Ranking. Zwei andere sind, dass Bürger immer wieder durch hohe Gebühren von einer Anfrage abgeschreckt werden – oder ihnen wegen unklarer Regelungen im IFG die Einsicht in Behördenakten verwehrt bleibt.

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Im Februar 2016 stellte Frank Herrmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der damaligen Piraten-Fraktion im Landtag, eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. Er wollte wissen, ob die Landesregierung ihren Veröffentlichungspflichten nachkommt. Laut nordrhein-westfälischem IFG sind Geschäftsverteilungspläne, Organigramme und Aktenpläne von öffentlichen Stellen allgemein zugänglich zu machen.

„Die Bürgerinnen und Bürger müssen das Regierungshandeln überprüfen können. Dafür müssen sie wissen, wie sich die staatlichen Institutionen organisieren und strukturieren – und welche Informationen sie wie sammeln“, sagt Herrmann im Gespräch mit CORRECTIV.Ruhr. „Die anfragende Person kann dann gezielter nachhaken.“

Die Antwort auf seine Anfrage, die er schließlich einen Monat später aus dem Innenministerium des Landes erhielt, fand er „sehr dürftig“: In der Auflistung der Behörden und Einrichtungen des Landes hieß es an mehreren Stellen, dass entweder Geschäftsverteilungsplan, Organigramm, Aktenplan oder alle drei nicht vorhanden seien – oder überarbeitet würden.

Die Folge: Die entsprechenden Dokumente sind nicht öffentlich verfügbar.

Kein Interesse an Transparenz?

Aus Sicht Herrmanns ein Ding der Unmöglichkeit: „Auch beim Innenministerium war zum Beispiel angegeben, dass der Aktenplan überarbeitet wird.“ Im März dieses Jahres fragte er die Landesregierung deshalb in einer Kleinen Anfrage erneut, ob sie ihren Veröffentlichungspflichten nach dem IFG NRW nachkomme.

Während beim Innenministerium nun, rund ein Jahr später, ein Aktenplan auf der Homepage des Ministeriums abrufbar ist, bestehen die Probleme bei anderen Institutionen fort. Ein Beispiel sind die Bezirksregierungen Arnsberg, Düsseldorf, Köln und Münster, wie aus der Antwort der Landesregierung auf Hermanns zweite Anfrage hervorgeht.

In der Antwort vom März 2016 war bei allen vier Bezirksregierungen angemerkt, dass Aktenplan und Geschäftsverteilungsplan derzeit überarbeitet werden. Gleiches ist auch in der Antwort vom April 2017 der Fall – allerdings mit dem Hinweis, dass die Dokumente zum Teil gar nicht mehr vorhanden sind.

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Die Informationslage hat sich nach einem Jahr also verschlechtert, nicht verbessert. „Für mich schließt sich hier der Kreis. Die Landesregierung hatte offensichtlich nie ein wirkliches Interesse daran, das eigene Handeln transparent zu machen“, sagt Herrmann im Gespräch mit CORRECTIV.Ruhr.

Aber: Das IFG NRW regelt den Zugang zu den vorhandenen amtlichen Informationen, nicht aber, dass Geschäftsverteilungspläne, Organigramme und Aktenpläne auch erstellt werden müssen. „Es liegt im Ermessen der jeweiligen Behörden, ob sie diese Dokumente führen. Größere Verwaltungseinheiten führen aber in der Regel zum Beispiel Organigramme, denn sie sind für die Organisation zweckmäßig“, erklärt Marcus Strunk, stellvertretender Pressesprecher des Landesjustizministeriums.  

Eine ordentliche Aktenführung fällt grundsätzlich in den Bereich des Verwaltungsrechts. Bei der Bewertung im Transparenz-Ranking hat es dennoch eine Rolle gespielt.

Nicola Quarz von Mehr Demokratie sagt dazu: „Eine ordnungsgemäße Aktenführung erleichtert den Informationszugang. Wenn Informationen nicht in lesbarer Form vorhanden sind, läuft das Informationszugangsrecht der Bürgerinnen und Bürger ins Leere.“

Das ist zum Beispiel bei den Jugendarrestanstalten der Fall. Vier von fünf Jugendarrestanstalten haben weder Geschäftsverteilungsplan noch Organigramm veröffentlicht, wie aus beiden Antworten der Landesregierung auf die Kleinen Anfragen hervorgeht. Begründung: Ein neues Webdesign sei in Arbeit.

Ministeriumssprecher Strunk sagt dazu: „Die Jugendarrestanstalten verfügen bislang noch über keinen eigenen Internetauftritt. Er ist im Aufbau. Mit der Fertigstellung wird bis Mitte des Jahres gerechnet. Sobald ein eigener Internetauftritt eingerichtet ist, haben die Jugendarrestanstalten die Möglichkeit, Geschäftsverteilungspläne und Organigramme auch im Internet einzustellen.“  

Diese Begründung ist allerdings irreführend, zumindest in zwei Fällen. Sowohl die Nachfrage bei den jeweiligen Anstalten als auch den zuständigen Amtsgerichten ergab: Zwei Einrichtungen haben die Dokumente gar nicht. Bei den beiden anderen sind sie zwar vorhanden, aber nicht öffentlich zugänglich.

Schwarz-gelb wird Situation nicht verbessern

Vor allem das ist symptomatisch: In den meisten Fällen liegen die Probleme bei der Umsetzung des IFG weniger darin, dass Dokumente nicht existieren – sondern vielmehr darin, dass existente Dokumente nicht oder nur verbunden mit sehr viel Aufwand herausgegeben werden.

Dass sich am Informationszugang für Bürger unter einer schwarz-gelben Landesregierung etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Zwar fordert die FDP in ihrem Landeswahlprogramm, „dass Bürgerinnen und Bürgern wie Unternehmen zukünftig Verwaltungsdaten und -informationen proaktiv und antragsfrei im Netz offengelegt werden“ – doch bei der CDU ist man ganz anderer Ansicht.

Die Christdemokraten betonen, dass sich das IFG bewährt habe. Ein Transparenzgesetz habe für die Bürgerinnen und Bürger keinen Mehrwert. „Stattdessen würden der Verwaltung in erheblichem Umfang Mehrarbeit und Kosten aufgebürdet“, begründet die CDU ihre Position.  

NRW ist eben nicht Hamburg. Jedenfalls längst nicht so transparent.

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Integration & Gesellschaft

LTW-Liveticker: So wählt NRW

Der Wahlsonntag in NRW wird nicht nur die Zukunft des Bundeslands bestimmen. Das Abschneiden der verschiedenen Parteien wird auch die Bundespolitik bestimmen. Wir sind live dabei und halten euch über die aktuellen Ereignisse auf dem Laufenden.

von Eva-Maria Landmesser , Simon Wörpel , Stefan Laurin , Jonas Mueller-Töwe , Ann-Kristin Schöne , Bastian Schlange

LIVE: Die aktuellen Hochrechnungen sowie die Ergebnisse auf Wahlkreisebene gibt es hier: correctiv.org/nrw17

+++ 23:29 Uhr: So haben die einzelnen Wahlkreise gewählt +++

Wir müssen uns die Wahl im Detail anschauen!

Die Ergebnisse nach den Wahlkreisen aufgeschlüsselt. 
Gelsenkirchen II — AfD 15,2 % 
Gelsenkirchen I — AfD 14,1 %
Recklinghausen III — AfD 10,9 %
Bottrop — AfD 10,9 %
usw.

Hier die Ergebnisse nach Wahlkreise aufgeschlüsselt.

+++ So war es im Landtag +++

“Ich gehe zur SPD; es riecht muffig, vielleicht ist das Angstschweiß. In der Ecke der CDU riecht es besser.”

Unser Reporter Hüdaverdi Güngör hat sich nicht geschont, seine Reportage hier: Von der Lkw-Wäsche in den Landtag

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CORRECTIV.Ruhr

+++ 20:35 Uhr: Armin Laschet freut sich +++

+++ Wilde Thesen aus der Redaktion +++

1. Die SPD hätte in NRW eine Kampagne machen müssen mit Martin Schulz und für mehr Gerechtigkeit im Land und in Europa – stattdessen hieß es: Weiter so! Kraft posierte auf ihren Wahlplakaten lieber neben einem Baum als neben dem Kanzlerkandidaten aus Würselen.  

2. Die CDU hat es jetzt relativ leicht. Sie hat das Land schlechter geredet als es ist. Damit werden sie aufhören und schon geht es NRW besser. Die Landesregierung ist im Handumdrehen erfolgreicher.

3. Martin Schulz kann und muss jetzt wirklich über Gerechtigkeit reden, ohne seine Partei zu schonen.

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+++ 19:55 Uhr: Durchhalteparolen nach der Wahl +++

Mann kann uns vieles nehmen, aber nicht unsere Überzeugung – die Grünen demonstrieren weitestgehend Kampfgeist.

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+++ Die Sozialdemokraten haben sich verpokert +++

Aus unserer aktuellen Wahl-Analyse: „Der Versuch von Hannelore Kraft ist grandios gescheitert, einen Wahlsieg für rot-grün in NRW mit einer blassrosa Wohlfühlwolke herbeizugaukeln. Wir erinnern uns an die SPD-Wahlplakate, die nichts erklärten, nicht beschrieben, was in den nächsten Jahren gemacht werden soll, sondern nur flockig Worthülsen rausrabaukten. Jetzt ist Hannelore Kraft von allen Parteiämtern zurückgetreten. Sie will den Weg freimachen für einen Neuanfang der NRW.SPD. Sie gibt das Bild einer Politikerin, die sich vollständig verpokert hat.“

+++ Ein Rausschmeißer-Song? +++

+++ Schulz mit lustig +++

Erlöser, Retter, Heilsbringer, Messias, aber eben kein Zauberer.

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+++ Kraft: „Kein guter Tag für die Sozialdemokratie“ +++

Aus unserem Bericht von der SPD-Wahlparty: „Als die ersten Hochrechnungen auf der Großleinwand im Henkel-Saal des Düsseldorfer Quartier Bohème erscheinen, herrscht betretene Stille. Dann enttäuschtes Stöhnen unter den rund 500 Gästen. Es wird keine Party für die NRWSPD an diesem Sonntagabend – Rot-Grün ist abgewählt. Die SPD hat 8,6 Prozentpunkte verloren, erreicht nun lediglich 30,5 Prozent. Ein historisches Debakel. Deutlich davor die CDU, die auf 34,5 Prozent kommt.“

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+++ 18:39 Uhr: Lindner in Statements +++

Der FDP-Chef feiert sich und das Wahlergebnis:

“Wer hätte sich den Tag heute im Herbst 2013 vorstellen können”

“Rot-Grün ist in NRW Geschichte”

“Das hervorragende Ergebnis ist keine Belohnung, sondern eine Aufgabe.“

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“Armin Laschet hat einen klaren Regierungsauftrag”

+++18:20 Uhr: Kraft tritt zurück +++

Hannelore Kraft zieht aus dem Wahlergebnis Konsequenzen und den Hut – als Landesvorsitzende und Bundes-Vize. Betroffenheit bei den Sozialdemokraten.

+++ 18:12 Uhr: Die ersten Hochrechnungen, immer aktuell hier +++

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+++ 18:10 Uhr: Die ersten Reaktionen auf die Prognosen +++

“Selber Schulz”, “Früher war mehr SPD” — Twitter ist kreativ wie immer

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+++ 18:05 Uhr: NRWs Zukunft hängt von den Linken ab +++

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Die FDP sagt Danke.

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+++ 18:01 Uhr: Erste Wahlergebnisse werden bekannt gegeben. Hier die Stimmung bei der FDP +++

+++ 17:50 Uhr: Wie entscheidet sich NRW? +++

Ob die Sitzordnung und das Regierungs-Duo Kraft/Löhrmann für NRW bestehen bleibt, entscheidet sich heute. Was meint ihr? #ltwNRW #ltwNRW17

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correctiv.ruhr

+++ Niemand wird zurückgelassen! +++

Niemanden auf dem Weg zur Wahlurne zurücklassen! Das Motto scheint schon mal aufgegangen zu sein.

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+++ 17:29 Uhr: entspannte Stimmung bei der FDP-Wahlparty in Düsseldorf +++

+++ 17:13 Uhr: Bei den Sozialdemokraten geht es los +++

Die NRWSPD ist am Sonntagnachmittag in den Wahlabend gestartet. Im Düsseldorfer Henkel-Saal des Quartier Bohème erwarten derzeit rund 300 Gäste die ersten Hochrechnungen der Landtagswahl gegen 18 Uhr. Die ersten Prognosen werden die Gäste allerdings noch ohne SPD-Prominenz bejubeln oder beklagen müssen. Kabinettsmitglieder sind bislang nicht gesichtet. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird erst für nach 18 Uhr erwartet – dann wird NRW einen ersten Hinweis haben, wer das Land in den kommenden Jahren regieren wird.

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Die Sozialdemokraten feiern im Quartier Boheme in Düsseldorf.

Correctiv.Ruhr

+++ 16:32 Uhr: Die Ruhe vor dem Wahlansturm +++

Wer wird weinen, wer feiern? Unser Reporter Hüdaverdi Güngör sitzt im Auge des Orkans und wartet. Insgesamt 1.253 Journalisten sind heute für den Landtag akkreditiert.
Weitere Kollegen sind auf den Wahlpartys der größeren Parteien. Wir werden euch hier per Liveticker über die aktuellen Geschehnisse und Hochrechnungen auf dem Laufenden halten.

Auf einen spannenden Wahlsonntag!  #ltwNRW

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Die aktuellen Hochrechnungen sowie die Ergebnisse auf Wahlkreisebene gibt es ab ca. 20 Uhr hier: correctiv.org/nrw17