Chile statt Venezuela: Video mit Jubelrufen entstand nicht in Caracas
Ein international verbreitetes Video soll Feiern in Venezuelas Hauptstadt Caracas am Morgen nach der Gefangennahme Maduros durch US-Soldaten zeigen. Doch die Stadt im Video liegt etwa 5.000 Kilometer entfernt. Wir erklären, woran man das erkennt.
Nach einem US-Angriff auf Venezuela sitzen Nicolás Maduro, der ehemalige Machthaber, und seine Ehefrau Cilia Flores in New York in Haft. Die US-Justiz wirft ihnen eine langjährige Verschwörung zum Drogenschmuggel vor – bei einer ersten Anhörung erklärten sich beide für nicht schuldig. US-Präsident Donald Trump gehe es um das Öl-Vorkommen im Land, sagen Experten. Fachleute sagen auch: Der US- Angriff und die Gefangennahme verstoßen gegen das Völkerrecht.
Nach der Gefangennahme Maduros kam es international zu Feiern, wie Aufnahmen unter anderem aus Argentinien oder Spanien zeigen, teils aber auch zu Protesten.
In Venezuela selbst waren die Straßen laut Medienberichten zunächst „weitgehend menschenleer“, es herrsche Unsicherheit und Angst – am Sonntag kam es Reuters zufolge in Caracas zu Protesten gegen die Gefangennahme. Über große Feiern gibt es dagegen keine Berichte.
Video soll Feiern in Caracas zeigen, stammt aber aus Santiago de Chile
In Sozialen Netzwerken behaupten manche Nutzerinnen und Nutzer jedoch Gegenteiliges: „Die etablierten Medien werden dir das nicht zeigen“, heißt es auf Deutsch etwa über ein Video, das sich international verbreitet und hunderttausendfach gesehen wurde. Laut einiger Beiträge soll es in Venezuelas Hauptstadt Caracas aufgenommen worden sein: „Tausende Venezolaner wachen auf und feiern die Nachricht von der Gefangennahme des kommunistischen Diktators Maduro durch US-Truppen“.

Die Kamera im Video schwenkt an mehreren Hochhäusern vor einer Bergkulisse vorbei, auch eine große Straße ist zu sehen. Zu hören sind Pfiffe, Applaus und Jubelrufe. Doch anders als behauptet stammt die Aufnahme nicht aus Venezuela: Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Screenshots des Videos führt zu mehreren Hotel- und Immobilienwebseiten für Unterkünfte in Santiago de Chile, der Hauptstadt Chiles.
Über deren Adresse lässt sich der Aufnahmeort in der Nähe der Avenida Alameda Libertador Bernardo O’Higgins, einer Prachtstraße im Zentrum der Stadt, lokalisieren. Zu erkennen sind mehrere Hochhäuser (rote und grüne Markierung) sowie zwei Geschäfte auf der Straße (blaue Markierung).

Auffällig ist auch: Die Geräusche im Video passen nicht zur Aufnahme. Es ist keine große Menschenmenge zu sehen, die jubelt oder anderweitig feiert. Stattdessen sind auf der Straße einige Autos sowie ein Bus zu sehen, die aber wiederum in der Tonspur nicht zu hören sind.
Laut Medienberichten haben am 3. Januar in Santiago de Chile in der Innenstadt einige hundert bis tausend Menschen die Gefangennahme Maduros gefeiert. Aufnahmen belegen dies. Auch auf der Avenida Alameda Libertador Bernardo O’Higgins hat es den Berichten nach eine solche Zusammenkunft gegeben. Ob die Tonspur des Videos von dort stammt oder später hinzugefügt wurde, ist unklar.
Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl