Video von gestürzter Statue entstand lange vor Gefangennahme Maduros
Nach dem US-Angriff auf Venezuela verbreitet sich online ein Video, das zeigen soll, wie Menschen in Venezuela eine Statue niederreißen, um die Gefangennahme des Machthabers Maduro zu feiern. Doch die Aufnahme ist schon älter.
Online kursieren mehrere Aufnahmen, die angeblich freudige Reaktionen der Bevölkerung Venezuelas auf die Gefangennahme des Machthabers Nicolás Maduro zeigen sollen. US-Soldaten haben Maduro und seine Ehefrau in der Nacht zu Samstag gefangen genommen. Ihnen wird von der US-Justiz insbesondere „Drogenterrorismus“ vorgeworfen. Beide bestritten dies bei einer ersten Anhörung vor Gericht. Fachleute sprechen sowohl von dem Angriff, als auch von der Gefangennahme als Völkerrechtsverletzung.
In einem Video, das aktuell unter anderem vom ehemaligen AfD-Politiker Georg Pazderski auf X geteilt wird, soll zu sehen sein, wie Venezolaner ihre „neugewonnene Freiheit“ von Maduro und seinem Regime feiern. Unter Jubel reißen Menschen in der Aufnahme eine Statue nieder. Pazderskis Beitrag hat knapp 50.000 Aufrufe. Das Video mit der Behauptung kursiert auch international. „Unglaubliche Szenen spielen sich gerade in Venezuela ab!“, heißt es in einem viralen englischen X-Beitrag.

Statue zeigt ehemaligen Staatschef Chávez und ist aus Juli 2024
Doch das Video ist aus dem Kontext gerissen: Nutzerinnen und Nutzer weisen in einer Community Note darauf hin, dass die Statue nicht Maduro, sondern den ehemaligen Staatschef Hugo Chávez zeige. Das ist unter anderem an der Militärmütze und -haltung zu erkennen – Chávez war Offizier und Unterstützer Maduros.
Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt außerdem, dass das Video alt ist. Es kursierte bereits Ende Juli 2024. Das Video steht im Zusammenhang mit Protesten rund um die damalige Präsidentschaftswahl, bei der sich Maduro zum Wahlsieger ernannt hatte. Über die heruntergerissenen Statuen in mehreren Teilen des Landes berichtete unter anderem der Guardian. Das Video zeigt demnach einen Protest in der Stadt Calabozo. Medienberichte, dass es nach der Gefangennahme Maduros in der Stadt zu Feiern kam, finde sich keine.
Zwar feierten in einigen Ländern, wie Chile, Argentinien oder den USA, Menschen die Gefangennahme Maduros, in Venezuela waren die Straßen laut Medienberichten jedoch zunächst „weitgehend menschenleer“. Wie Reuters berichtet, versammelten sich am Wochenende tausende Anhänger und Anhängerinnen Maduros in Caracas, um für seine Freilassung zu demonstrieren. Auch in anderen Ländern gab es Proteste gegen den Angriff und die Gefangennahme.
Pazderski antwortete bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck.
Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl