Nach US-Angriff: Video zeigt feiernde Menschen in Chile, nicht in Venezuela
„Er ist gestürzt, er ist gestürzt“ singen Menschen mit venezolanischen Flaggen in einem viralen Video. Online behaupten manche, die Aufnahme zeige Menschen in Venezuela, die den Sturz des Machthabers Maduro feierten. Doch die Aufnahme ist aus Chile.
„Die Menschen in Venezuela feiern ihre Befreiung. Lasst euch von den Sozialisten in Medien und Politik hier nichts anderes erzählen“, schreibt Anabel Schunke, eine neurechte Influencerin, am 3. Januar auf X, Facebook und Instagram über ein Video. In der Nacht hatten US-Soldaten den ehemaligen Machthaber Venezuelas Nicolás Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Bei dem US-Angriff kamen laut dem venezolanischen Innenminister 100 Menschen ums Leben.
In dem Video sind tanzenden und jubelnde Menschen auf einer Straße zu sehen, immer wieder singen sie auf Spanisch „ya cayo“ („Er ist schon gestürzt“). Schunke erhielt zehntausende Likes für ihre Beiträge, das Video samt Behauptung kursiert international.
Doch die Aufnahme zeigt keine Feier in Venezuela, sondern in Chile. Wir erklären, woran man das erkennt.

Aufnahme von Feier ist auf Prachtstraße in Santiago de Chile entstanden
Das ursprüngliche Video ist offenbar eine Live-Aufnahme, die auf Tiktok gesendet wurde, mehrfach erscheinen Kommentare und Emojis. „Wo ist das?“, fragen einige. Mal ist von Santiago de Chile, der Hauptstadt Chiles, mal von Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, die Rede. Konkreter wird es bei Sekunde 33 des Videos: „San Alberto Hurtado“ antwortet ein Nutzer, das ist eine Metro-Station in Santiago de Chile auf der Prachtstraße der Avenida Alameda Libertador Bernardo O’Higgins – kurz „Alameda“ genannt.
Ein Abgleich mit Google Maps zeigt: Das Video ist hier entstanden, die Häuser im Hintergrund sind identisch (gelbe Markierung). Zu sehen sind auch dieselben Straßenlaternen in Kugelform (rot), eine Apotheke (grün) und ein großes Werbeplakat (blau).

Hunderte Menschen feierten Maduro-Gefangennahme auf der Alameda in Santiago de Chile
Nach der Gefangennahme Maduros kam es international zu Feiern, wie Aufnahmen unter anderem aus Argentinien oder Spanien zeigen, teils aber auch zu Protesten. Laut Medienberichten haben am 3. Januar in Santiago de Chile in der Innenstadt hunderte Menschen die Gefangennahme Maduros gefeiert. Dass es auch auf der Alameda zu Feiern kam, haben wir hier berichtet. In Chile leben laut Schätzungen mehr als eine halbe Million Exil-Venezolanerinnen und Venzolaner.
Ein Abgleich mit Aufnahmen von Medien belegt, dass das Video aus Sozialen Netzwerken im Zuge dieser Feiern am 3. Januar entstanden ist: So lässt sich etwa ein Mann mit einer weißen Kappe (gelbe Markierung), einem venezolanischen Fußballtrikot mit der Nummer 10 (blaue Markierung) und einer blau-schwarzen Fahne (grüne Markierung) wiedererkennen.

In Venezuela selbst waren die Straßen nach dem US-Angriff laut Medienberichten zunächst „weitgehend menschenleer“, es herrschte Unsicherheit und Angst – am Sonntag kam es Reuters zufolge in Caracas zu Protesten gegen die Gefangennahme. Über große Feiern in Venezuela gibt es dagegen keine Medienberichte. Renata Segura, Programmdirektorin der International Crisis Group, sagte dazu laut DW: „Ich glaube, dass für die große Mehrheit der Venezolaner das Ende von Maduro eine positive Nachricht ist. Aber weil keine Klarheit über die nähere Zukunft besteht und sogar Angst vor Gewalt und einem Bürgerkrieg herrscht, bleiben die Venezolaner lieber zu Hause.“
Anabel Schunke antwortete nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck.
Redigatur: Matthias Bau, Gabriele Scherndl