Eisbärangriff in Berliner Zoo: Echt, aber schon von 2009
Eine Frau sprang im April 2009 ins Eisbärengehege des Berliner Zoos und wurde schwer verletzt. Ein Artikel von 2024 erweckt aber den falschen Eindruck, es handele sich um ein aktuelles Ereignis.

Faktensammlung
Am 10. April 2009 sprang eine 32-jährige Frau im Zoologischen Garten Berlin über die Absperrung in den Wassergraben des Eisbärengeheges. Mehrere Tiere näherten sich ihr, einer biss sie mehrfach in Arme, Beine, Hüfte und Rücken. Zoo-Mitarbeiter lenkten die Tiere mit Stangen und Futter ab und warfen Rettungsringe, bis sie die Frau aus dem Wasser ziehen konnten. Sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Der Zoo stellte nach dem Vorfall Strafanzeige gegen die Frau.
Eine Schlagwortsuche auf Google mit den Suchbegriffen „Eisbär Berlin Zoo Frau“ führt zu Medienberichten von dem Fall aus 2009 mit demselben Video. Auch eine Bilderrückwärtssuche mit Screenshots aus dem Video zeigt: Bei dem 2024 geteilten Video handelt es sich um das Video von 2009. Es wurde von Bild.de am 12. April 2009 auf YouTube hochgeladen.
Der eingereichte Facebook-Beitrag nennt kein Datum des Vorfalls. Er verlinkt aber einen Artikel, der am 27. Juni 2024 erschien und behauptete, der Vorfall sei am Tag davor passiert. Der Artikel verzerrt den zeitlichen Kontext: Er stellt einen realen, aber 15 Jahre alten Vorfall als aktuelles Ereignis dar.
Der Angriff war öffentlich ein großes Thema. Medien verbreiteten vielfach Fotos und Videos des Vorfalls. Der berühmte Eisbär Knut, der damals viele Besucher anzog, war nicht beteiligt. Er lebte in einem anderen Gehege. Das bestätigten sowohl Zoo-Verantwortliche als auch mehrere Medienberichte. Dennoch hielten sich falsche Annahmen, dass Knut in den Angriff verwickelt gewesen sei. 2019 kletterte ein Mann in das Gehege von Knut, traf aber nicht direkt auf den Eisbären.
Hintergrund: Seit dem Tod der Eisbärin Katjuscha im Jahr 2021 leben im Zoologischen Garten Berlin keine Eisbären mehr. Damit endete eine über 175 Jahre alte Tradition: Schon seit 1845 wurden hier Eisbären gehalten und ab 1951 auch gezüchtet. In der Natur bewohnen Eisbären ausschließlich die arktischen Regionen rund um den Nordpol. Ihr Lebensraum schwindet jedoch rapide, da das Polareis durch den Klimawandel immer weiter zurückgeht.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Nadia Westerwald; Redigatur: Viktor Marinov