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Youtube-Kanäle verbreiten Falschnachricht über Rücktritt von Lars Klingbeil

„Exekutionsakt“, „Demütigung“, „Schock“: Diese Youtube-Videos strotzen vor zugespitzten Formulierungen, doch Belege liefern sie nicht. Die angebliche Nachricht zum Rücktritt von Lars Klingbeil ist frei erfunden.

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Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bei einer Bundestagssitzung (Picture Alliance / dts-Agentur)
Behauptung
Friedrich Merz habe Vizekanzler Lars Klingbeil in einer Rede im Bundestag zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.
Einordnung
Mehrere Youtube-Kanäle verbreiten die Behauptung über Klingbeils Rücktritt ohne Angabe von Quellen. Die vermeintliche Rede von Friedrich Merz dazu gibt es im Textarchiv des Bundestags nicht. Es gibt zudem keine seriösen Medienberichte oder andere Belege für die Behauptung.

Faktensammlung


Ein „Schock, wie ihn Berlin seit Jahren nicht erlebt hat“, ein „regelrechter Exekutionsakt“ oder gar eine „präzise inszenierte Demütigung“: Mit solchen Worten behaupten Youtube-Videos, Friedrich Merz habe angeblich den Rücktritt des aktuellen Vizekanzlers und Finanzministers Lars Klingbeil gefordert. Die Videos sind mitunter unterschiedlich formuliert, behaupten aber im Kern dasselbe.

Eines der Videos hatte zwischenzeitlich mehr als 20.000 Aufrufe auf Youtube. Der Accountinhaber hat es inzwischen nur noch für Mitglieder seines Kanals freigegeben, eine Mitgliedschaft kostet 200 Euro im Monat.er Erinnerung oder Mahnung beantwortet worden, heißt es im Video. Das sei ab August 2025 nicht mehr der Fall. Das Video zitiert auch den Verband „Deutscher Seniorenbund“ – dieser habe die Änderung in einer Mitteilung im Juli als „stille Gefahr im Verwaltungsgewand“ bezeichnet. Das Video hat mehr als 230.000 Aufrufe.


Suchen im Textarchiv des Bundestags mit den Stichworten „Klingbeil“, „Merz“ oder „Rücktritt“ liefern keine Belege dafür, dass Merz den Rücktritt des Vizekanzlers je gefordert hätte (Stand 25. November). Auch Suchen in der Pressedatenbank Genios und mit Google lieferten keine Belege für die Behauptung.


Die Youtube-Videos bestehen immer aus einer Audiospur, die die Behauptung vorträgt und zusammengeschnittenen Videoschnipseln. Unter diesen sind auch Ausschnitte von Friedrich Merz, die mehrere Jahre alt sind. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit einem der Ausschnitte führt zu einem zwei Jahre alten Interview mit Merz für ein Podcast-Format der CDU. Damals war Merz gar nicht Bundeskanzler und kann schon deswegen nicht über den Rücktritt des Vizekanzlers gesprochen haben. Ein anderes Video nutzt einen Ausschnitt aus einer Merz-Ansprache, in der er frohe Ostern wünscht.

Die Kanäle „Midas Effekt“ und „Politik Deutschland“, die als erste die Falschbehauptung verbreiteten, veröffentlichen immer wieder Videos mit erfundenen Meldungen. Auffällig oft stellen sie die AfD damit in ein positives Licht. So hieß es etwa, die Junge Union habe für eine Koalition mit der AfD gestimmt, Sarah Wagenknecht sei zur AfD gewechselt oder Bundespräsident Walter Steinmeier sei dank der rechten Partei gestürzt. Das ist aus der Luft gegriffen.

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Kontext: Immer wieder kursieren Falschmeldungen, die Friedrich Merz als Aufhänger nutzen. Die falschen Behauptungen sind vielfältig: Er plane, das Kindergeld abzuschaffen, einen neuen „internationalen Solidaritätszuschlag“ einzuführen oder werde in einer Talkshow von einem Rentner hart kritisiert. Diese Behauptungen sind allesamt erfunden.

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Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Sara Pichireddu

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