Deutsche Bundesbank will aktuell kein Gold aus den USA abziehen
Deutschland hole sein gesamtes Gold aus den USA, heißt es auf Threads – ein Crash stehe bevor. Doch offizielle Stellen dementieren: Bundesregierung und Bundesbank planen aktuell keinen Abzug der Goldreserven.
Faktensammlung
„Beweise bitte“, „Hast du eine Quelle?“: Das sind einige Kommentare unter einem Post auf Threads, dem textbasierten Sozialen Netzwerk von Meta. Darin wird behauptet, dass Deutschland sein ganzes Gold von den USA rausholen wolle. Das werde zu einem Crash führen. Andere Nutzer schreiben, es gebe gar kein Gold in den USA oder schreiben „Danke Deutschland!“ Ein Faktenforum-Nutzer reichte diese Behauptung zur Überprüfung ein.
Zuständig für die deutschen Goldreserven ist die Deutsche Bundesbank. Auf den Internetseiten der Bundesbank, der Bundesregierung oder des Finanzministeriums finden sich aber keine Ankündigungen, dass Deutschland Gold aus den USA abziehe. In den Regierungspressekonferenzen vom 19. und 28. Januar 2026 fragten Journalisten nach den Goldreserven in den USA. Regierungssprecher erklärten, die Goldreserven in den USA seien derzeit kein Thema. Der Sprecher des Finanzministeriums sagte: „Die Bundesbank behält die Goldreserven im Blick“ und entscheide unabhängig darüber. Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, äußerte sich im Interview mit der FAZ am 28. Januar so: „Ich zweifle nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York weiterhin sicher aufbewahrt ist.“
Warum lagert deutsches Gold in den USA? Die Deutsche Bundesbank besitzt Gold im Wert von 395 Milliarden Euro als Währungsreserven (Stand Dezember 2025). Der Großteil liegt laut einer Liste der Bundesbank mit Stand Ende 2024 in der Bundesbank in Frankfurt am Main (51 Prozent), aber auch in New York (37 Prozent) und London (12 Prozent) lagern Goldbarren. „Die Lagerung der deutschen Goldreserven im In- und Ausland hat sich historisch und marktbedingt so ergeben, weil das Gold teilweise an diesen Handelsplätzen an die Bundesbank übertragen wurde“, schrieb die Bundesbank 2015. Von 2013 bis 2017 verlagerte die Bundesbank zuletzt größere Mengen Gold. Das Ziel war, dass die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren lagern. Dabei brachte man das gesamte Gold aus Paris und 300 Tonnen Gold aus New York nach Frankfurt am Main.
Die Behauptung taucht im Kontext der sich zuspitzenden Lage in den USA im Januar 2026 auf. Zuletzt forderten unter anderem die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und der Bund der Steuerzahler in den Medien, die deutschen Goldreserven wegen der geopolitischen Lage und der Beziehungen zu den USA unter Trump so bald wie möglich nach Deutschland zu bringen.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Anna Süß; Redigatur: Viktor Marinov