Kraftstoffpreise steigen nicht nur in Deutschland, sondern europaweit
Ein Tiktok-Video stellt Deutschland als Ausnahme bei steigenden Spritpreisen dar. Ein Blick auf europäische Daten zeigt jedoch: Die Entwicklung betrifft mehrere Länder.
Faktensammlung
Ein TikTok-Video zeigt einen Mann, der sich an einer Tankstelle filmt. Zu Beginn ist der Text „Spritpreise in Deutschland!“ eingeblendet. Der Mann spricht in die Kamera und kommentiert die Preise. Er behauptet, die Spritpreise seien nur in Deutschland gestiegen, während sie in Ländern wie Frankreich oder Spanien stabil geblieben seien. Dazu zeigt er die Preistafel der Tankstelle. Der Dieselpreis liegt bei 2,019 Euro und der Benzinpreise bei 1,979 Euro. Das Video wurde am 4. März 2026 gepostet. Konkrete Daten, Zeiträume oder Quellen für den Vergleich werden nicht genannt.
Die Europäische Kommission veröffentlicht im „Weekly Oil Bulletin“ wöchentlich die durchschnittlichen Kraftstoffpreise der EU-Staaten, jeweils bezogen auf den Montag der Vorwoche. Für das am 4. März 2026 veröffentlichte Video eignen sich daher die Werte vom 23. Februar, 2. März und 9. März als Vergleichszeitraum. Die Zahlen belegen: Die Preise stiegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Spanien.
In Deutschland kostete Benzin (Euro 95) am 23. Februar 1,824 Euro pro Liter. Bis zum 2. März kletterte der Preis auf 1,888 Euro und erreichte am 9. März 2,075 Euro. Auch Diesel verteuerte sich: von 1,733 Euro auf 1,812 Euro und schließlich auf 2,163 Euro. Das entspricht einer Steigerung von etwa 14 Prozent (Benzin) und etwa 25 Prozent (Diesel).
In Frankreich legte der Benzinpreis im gleichen Zeitraum ebenfalls zu: von 1,710 Euro am 23. Februar auf 1,759 Euro am 2. März und weiter auf 1,843 Euro am 9. März . Diesel stieg von 1,650 Euro auf 1,701 Euro und schließlich auf 1,953 Euro. Das entspricht einer Steigerung von etwa 8 Prozent (Benzin) und etwa 18 Prozent (Diesel). Auch in Spanien zogen die Preise an, wenn auch etwas weniger. Benzin verteuerte sich im selben Zeitraum von 1,471 Euro auf 1,601 Euro, also um etwa 9 Prozent. Diesel verteuerte sich von 1,423 Euro auf 1,646 Euro, also um etwa 16 Prozent.
Die Entwicklung in allen drei Ländern zeigt: Die Spritpreise stiegen im betrachteten Zeitraum deutlich – nicht nur in Deutschland. Der ursprüngliche Verbreiter des Tiktok-Videos antwortete nicht auf unsere Anfrage zu den aufgestellten Behauptungen.
fuel-prices.eu
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Mehrere Medien berichten, dass die Spritpreise Anfang März 2026 nicht nur in Deutschland, sondern europaweit gestiegen sind. Euronews meldete, die Kraftstoffpreise zögen europaweit deutlich an und folgten den steigenden Rohölpreisen. Hauptursachen seien geopolitische Spannungen und gestörte Lieferketten. Analysen zeigen zudem, dass der Preisanstieg eng mit globalen Energiemarkt-Trends verknüpft ist. Auch andere Medienberichte bestätigen diese Entwicklung.
Neben dem TikTok-Video kursieren auf Instagram und Facebook Beiträge, die Spritpreise zwischen Ländern anhand einzelner Tankstellenpreise oder Momentaufnahmen vergleichen. Solche Beispiele sind nicht geeignet, um die tatsächliche Preisentwicklung zu zeigen, da sie nur einen spezifischen Zeitpunkt abbilden und weder regionale Unterschiede noch zeitliche Schwankungen einbeziehen. Zudem fehlt in Beiträgen, die zwei Fotos gegenüberstellen, oft die Angabe, wo und wann die Aufnahmen entstanden sind. Ohne diese Informationen lassen sich die gezeigten Preise nicht sinnvoll einordnen.
Das Bundeskartellamt betonte bislang, dass sich Spritpreise mehrmals täglich ändern. Einzelne Preise oder Fotos konnten daher stark vom Durchschnitt abweichen und bieten keinen verlässlichen Maßstab für nationale Entwicklungen.
Am 26. März beschloss die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket, um auf die stark gestiegenen Spritpreise zu reagieren. Tankstellen dürfen ihre Preise künftig nur einmal täglich erhöhen, Preissenkungen sind weiterhin jederzeit erlaubt. Das Ziel: die Preissprünge bremsen und Verbrauchern mehr Transparenz bieten.
Ein Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur (DPA) zeigt ebenfalls, dass solche Vergleiche verkürzt sind und wichtige Faktoren außer Acht lassen. Gleichzeitig belegen DPA-Auswertungen, dass die Spritpreise in mehreren europäischen Ländern gestiegen sind und sich die Entwicklungen zwischen den Ländern zunehmend angleichen.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Nadia Westerwald; Redigatur: Steffen Kutzner