Der Erfolg von Arbeitsagentur und Jobcentern wird fast ausschließlich daran gemessen, wie niedrig die Arbeitslosenquote ist. Dabei ist das eine rein quantitative Zahl. Über die Nachhaltigkeit der Beschäftigungsverhältnisse gibt sie keine Auskunft. Hier hilft eine Quote, die kaum jemand kennt.

K2E3, oder auch Nachhaltigkeit der Integrationen: So heißt im Behördensprech eine Kennzahl, die misst, wie viele Menschen ein Jahr nach einer Jobvermittlung weiterhin sozialversicherungspflichtig arbeiten. Für die Controller der Bundesagentur für Arbeit, die die Finanzen steuern, ist sie nach eigenen Angaben eine der wichtigsten Quoten, um den nachhaltigen Erfolg in der Arbeitsvermittlung zu messen.

CORRECTIV hat diese Quote für alle Jobcenter in Deutschland ausgewertet. Die Daten aktualisiert das Arbeitsministerium monatlich auf seiner Webseite. Um den Vergleich unter den Jobcentern zu vereinfachen, veröffentlichen wir die Quoten für alle 407 Jobcenter in einer Tabelle. Das Ergebnis: Bundesweit steigt die nachhaltige Integrationsquote seit fünf Jahren stetig an. Den jüngsten Erhebungen zufolge lag sie im November 2016 für Hartz-IV-Empfänger bei 67,1 Prozent. Immerhin zwei Drittel der Menschen, die morgen aus der Arbeitslosigkeit heraus eine neue Stelle antreten, haben gute Chancen, auch noch in einem Jahr beschäftigt zu sein.

Doch es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den Jobcentern:

  • Die Quote schwankt zwischen 56,4 und 75,5 Prozent.

  • Die Jobcenter Hamm (56,4), Lindau (58,5) und Sonneberg (58,6) haben aktuell den geringsten nachhaltigen Vermittlungserfolg. Etwas mehr als die Hälfte der Vermittelten ist hier auch nach einem Jahr noch beschäftigt.

  • In elf von 407 Jobcentern ist die Quote innerhalb von zwei Jahren gesunken, entgegen dem bundesweiten positiven Trend. Im Jobcenter St. Wendel hat sich die Quote mit 4,5 Prozent am stärksten verschlechtert und liegt jetzt bei 62,2 Prozent.

K2E3 - Nachhaltigkeit der Integration

 

Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Vermitteln manche Jobcenter die Arbeitslosen lieber schnell in einen neuen Job, statt auf Stellen zu setzen, die langfristige Beschäftigung versprechen?

Der nachhaltige Erfolg ist nicht nur von der Leistung der Jobcenter, sondern auch von äußeren Umständen abhängig, sagt Michael Preisendanz. Er leitet das Jobcenter Lindau am Bodensee. In der Stadt empfangen nur sehr wenige Männer und Frauen Hartz IV (1,0 Prozent), die Nachhaltigkeit der Integrationen liegt aber mit 58,5 Prozent deutschlandweit auf dem vorletzten Platz.

Preisendanz begründet dies damit, dass es in seinem Verwaltungsgebiet „oftmals nur befristeten Einstellungsbedarf für weniger gut qualifizierte Menschen“ gebe. Sprich: Viele Menschen werden als Zeitarbeiter eingestellt. Weil Lindau außerdem eine touristische Stadt ist, gibt es viele Stellen, die nur saisonal besetzt werden. Dadurch können viele Arbeiter in der Region nur selten langfristig beschäftigt werden.

Noch deutlich schlechter war der Wert des Jobcenters Kusel. Dort waren nur 42,5 Prozent der Ende 2013 vermittelten Kunden ein Jahr später noch beschäftigt - der mit Abstand niedrigste Wert aller Jobcenter. „Wir waren mitten im Umbruch“, sagt Jobcenter-Leiter Harald Trautmann. Bis Ende 2011 wurde das Jobcenter gemeinsam von Arbeitsagentur und Kommune geführt, seitdem ist die Kommune alleiniger Betreiber. Mittlerweile hat Kusel einen mittelmäßigen K2E3-Wert von 67,3 Prozent. Trautmann zufolge liegt dies daran, dass seine Mitarbeiter sich nun auf mehr die Stärken der Arbeitssuchenden fokussieren und jedem von ihnen individuelle Stellenangebote unterbreiten. Während der Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur habe dies nicht so gut geklappt.

Forscher weisen jedoch auf die Schwachstellen der Quote hin. „Sie gibt nicht an, ob sich die Arbeitskraft im gleichen Arbeitsverhältnis befindet wie bei der Einstellung“, sagt Lena Becher, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung. So kann ein Betroffener laut Statistik zwar als nachhaltig integriert gelten, zwischen zwei Arbeitsverhältnissen aber monatelang arbeitslos gewesen sein. Hinzu kommt, dass die Quote weder Arbeitsverhältnisse im Ausland noch Selbstständige berücksichtigt.

Um Arbeitssuchende tatsächlich nachhaltig zu integrieren, plädiert Becher dafür, Hartz-IV-Empfänger stärker zu unterstützen und in florierende Wirtschaftszweige zu vermitteln.

Integrationen und ihre Nachhaltigkeit

 

Die nachhaltige Integrationsquote zeigt also nur eine Tendenz. Einige Arbeitskräfte, die als nachhaltig integriert gelten, sind es tatsächlich nicht. Aber die positive Tendenz ist unbestreitbar. Während im September 2014 fast genauso viele Arbeitslose angestellt wurden wie im November 2016, stieg die Zahl der nachhaltigen Integrationen von 554.000 auf 638.000. Dass die Arbeitslosenquote sich auf einem historisch niedrigen Stand befindet, liegt auch daran, dass es den Jobcentern gelingt, immer mehr Menschen langfristig zu vermitteln.

Die Bundesagentur für Arbeit gibt jeden Monat die neuen Zahlen zur Arbeitslosenstatistik bekannt. So auch heute. Wir veröffentlichen zeitgleich, was sich hinter diesen Zahlen verbirgt und welche Zahlen es noch zur Arbeitsvermittlung gibt. Im letzten Monat berichteten wir, dass die echte Zahl der Arbeitslosen um eine Million höher liegt als bekannt gegeben.

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